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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Gone
Von Robert Cherkowski
In der HBO-Drama-Serie „Big Love" fanden gleich reihenweise gestandene Filmschauspieler wie Bill Paxton („Aliens - Die Rückkehr"), Jeanne Tripplehorn („Basic Instinct"), Harry Dean Stanton („Paris, Texas"), Chloë Sevigny („Boys Don't Cry") und Bruce Dern („Lautlos im Weltraum") eine neue künstlerische Herausforderung. Heraus kam ein TV-Drama von einer Dichte, wie sie im Kino allzu selten ist. Zur Besetzung von „Big Love" gehörte auch die junge Amanda Seyfried, die seither versucht, den umgekehrten Weg zu gehen wie ihre erfahrenen Kollegen und das Kino für sich zu erobern. Im Anschluss an den Musical-Hit „Mamma Mia!" konnte sie mit seichten Romanzen wie „Briefe an Julia" und „Das Leuchten der Stille" solide Erfolge verbuchen. Nun unternimmt sie nach Rollen in so unterschiedlichen Filmen wie dem Erotik-Drama „Chloe", dem Sci-Fi-Actioner „In Time - Deine Zeit läuft ab" und dem knallbunten Märchentrash „Red Riding Hood" mit dem Thriller „Gone" einen weiteren Versuch, ihr Kinospektrum zu erweitern. Das Hollywood-Debüt des Brasilianers Heitor Dhalia wird Seyfrieds weitere Karriere allerdings kaum befördern, denn es erweist sich als unterdurchschnittlich und uninspiriert.

Vor einem Jahr wurde die junge Kellnerin Jill (Amanda Seyfried) von einem verrückten Serienkiller entführt und in einem Erdloch gefangengehalten. Zwar gelang ihr nach Wochen die Flucht, aber sie war von dem Geschehen so traumatisiert, dass sie längere Zeit in einer Nervenklinik verbringen musste. Zu allem Unglück wurde der Täter nie überführt und gestellt, so dass die Polizei vermutet, Jill hat sich ihr Martyrium möglicherweise nur eingebildet. Inzwischen wohnt diese mit ihrer Schwester Molly (Emily Wickersham) zusammen und vermeidet den Kontakt zur Außenwelt. Ihre freie Zeit verbringt sie damit, sich Antidepressiva in den Rachen zu schütten oder sich in Selbstverteidigungskursen auf den Ernstfall vorzubereiten. Als ihre Schwester spurlos verschwindet, vermutet Jill, ihr Schinder von einst sei zurück und würde hinter einer Entführung stehen. Da die Polizei nicht bereit ist, ihr zu glauben oder zu helfen, ermittelt sie auf eigene Faust...

Es wäre falsch von jedem Thriller zu erwarten, dass ein neuer „Das Schweigen der Lämmer" herauskommt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und nicht jede Genre-Produktion muss hehre Kunst sein, sondern es reicht völlig, wenn sie fachgerechte Unterhaltung bietet. Dies gelingt Regisseur Heitor Dhalia jedoch in keiner Beziehung. In seiner unbeholfen wirkenden Inszenierung sind gute Ideen absolute Mangelware, so dass kaum einmal Spannung aufkommen mag. Durch das Gewummer von David Buckley auf der Tonspur, das als musikalische Untermalung dient, wird der Eindruck des Abgedroschenen und Einfallslosen noch verstärkt. Außerdem sind die immer wieder eingestreuten Rückblenden häufig absolut unmotiviert und auch die Schauspieler passen sich dem niedrigen Niveau weitgehend an. Die größte Schwäche von allen ist jedoch das Drehbuch von Allison Burnett („Fame", „Underworld: Awakening"), das sowohl dramaturgisch als auch von den Dialogen her selten einmal so etwas wie Glaubwürdigkeit oder Nachvollziehbarkeit erreicht.

Abgesehen von fragwürdigen oder unlogischen Einzelheiten, über die man noch wohlwollend hinwegsehen könnte – genannt sei etwa die völlig hanebüchene Indizienkette, die Jill als Hobbydetektivin nach dem Verschwinden der Schwester knüpft („Eine Rolle Klebeband, ein leerer Bilderrahmen und ein am Boden liegender Ohrring? Ganz klar, hier wurde jemand entführt!") -, wird der planlose Aufbau der Geschichte zum fast unüberwindlichen Hindernis. So bekommen wir nach einer Einführung, in der Jills traumatische Erfahrungen lediglich in Flashbacks angedeutet werden, erst reichlich verspätet eine umständliche und langwierige Erklärung für Jills Martyrium nachgeliefert. Das stiftet nicht nur Verwirrung, und so wird auch die Chance vertan Jill, als Identifikationsfigur zu etablieren. Dem kann auch Amanda Seyfried nicht entgegenwirken, die sich augenrollend und haareraufend durch das Geschehen müht - und am Ende reicht es nicht einmal zu einem an den Haaren herbeigezogenen Überraschungstwist.

Fazit: Mit der Rolle eines Entführungsopfers, dem niemand glaubt, hat Amanda Seyfried keine glückliche Wahl getroffen: „Gone" ist in jeder Beziehung, aber vor allem erzählerisch misslungen und weder vor noch hinter der Kamera sticht irgendein Aspekt positiv heraus.
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Kommentare

  • Larry Lapinsky

    Absolut richtige Kritik, ein halber Punkt hätte auch genügt.

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