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    Box Office 2017: Rettet China wirklich reihenweise US-Blockbuster vor dem Untergang?
    Von Carsten Baumgardt — 14.07.2017 um 08:40

    Noch ist China „nur“ der zweitgrößte Kinomarkt der Welt - hinter Nordamerika. Trotzdem richten immer mehr US-Blockbuster ihren Fokus auf das Reich der Mitte. Aber wie viele US-Flops rettet China wirklich noch vor dem Absturz?

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    Wir haben mal eine Top 10 der Filme zusammengestellt, bei denen China im ersten Halbjahr 2017 prozentual betrachtet am meisten zu den Gesamteinnahmen beigesteuert hat - bei den Top 3 kamen sogar mehr als 45 Prozent der weltweisen Erlöse von der fernöstlichen Kino-Supermacht. Stimmt es also, dass China ständig Filme zu Erfolgen macht, die in den USA (und generell im Westen) nur noch wenige sehen wollen?

    Immerhin unterscheidet sich das chinesische Publikum in seinen Vorlieben mitunter von westlichen Kinobesuchern - ein Fakt, dem Hollywood sehr wohl Beachtung schenkt. Besonders beliebt ist knackige, unkomplizierte Action, nicht umsonst führt „Fast & Furious 8“ mit 392,8 Millionen Dollar die Hitliste des ersten Halbjahres an (und „Transformers: The Last Knight“ liegt als zweiterfolgreichster ausländischer Film auf Rang vier). Dazu passt die Affinität der Asiaten zu 3D, 78 Prozent der Kinos sind 3D-tauglich (und garantieren somit Mehreinnahmen durch den obligatorischen Ticketzuschlag). Aber auch auf die Zensoren in Fernost muss man sich einstellen: Sex, übertriebene Gewalt und ungewünschte politische Aussagen werden in der Regel nicht zugelassen.

    Aber wenn man dann mal genauer hinsieht, lassen sich gerade einmal drei Filme ausmachen, die tatsächlich von China vor dem Box-Office-K.o. bewahrt wurden: „Resident Evil: The Final Chapter“, „xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage“ und „Transformers: The Last Knight“. Alle anderen Filme in der Liste wie zum Beispiel „Fast & Furious 8“, „Pirates Of The Caribbean: Salazars Rache“ oder „Kong: Skull Island“ sind in China kaum besser oder schlechter gelaufen als im Rest der Welt.

    China wächst weiter und baut immer mehr neue Kinos

    Nichtsdestotrotz hat das Kinoland China seinen schon seit Jahren wachsenden Einfluss auf Hollywood weiter vergrößert. In der Traumfabrik ist längst angekommen, dass man im bevölkerungsreichsten Land der Erde gutes Geld mit Entertainment made in USA machen kann. Auch wenn sich das Wachstum verlangsamt hat und China im ersten Halbjahr mit Einnahmen von vier Milliarden Dollar „nur“ um 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte. Das Wachstum seit 2014 beträgt unglaubliche 144 Prozent!!!

    Insgesamt erwirtschaftete China 2016 satte 7,15 Milliarden Dollar (gegenüber 11,3 Milliarden in Nordamerika) und wächst weiter, weil sich das Land immer mehr öffnet und die Chinesen nach Unterhaltung lechzen. Das führt auch zu einem Bauboom: Neue Kinos sprießen wie Pilze aus dem Boden - allein im ersten Halbjahr 2017 kamen mehr als 2.500 neue Leinwände hinzu, sodass China aktuell über rund 45.000 Leinwände (1.500 mehr als ganz Nordamerika) verfügt. Zum Vergleich: Deutschland hat gerade mal schlappe 4.700 Leinwände.

    Allerdings bleibt der Kinomarkt in China ist ein ganz besonderer - mit vielen Regulierungen, die die Amerikaner zähneknirschend akzeptieren (müssen). Während die Studios in fast allen anderen Ländern ungefähr 50 Prozent der Ticketeinnahmen für sich beanspruchen können, bleiben in China nach staatlichen Abzügen nur 25 Prozent für Hollywood übrig. Dazu ist der Output an nicht-chinesischen Produktionen strikt limitiert. Von den 221 Filmen des ersten Halbjahrs waren 169 chinesisch. Nur 52 Filme kamen aus dem Ausland, erzielten jedoch 61,5 Prozent der gesamten Einnahmen. Für die zweite Jahreshälfte folgen noch US-Großproduktionen wie „Spider-Man: Homecoming“, „Planet der Affen: Survival“, „Thor: Tag der Entscheidung“ oder „Justice League“.
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