Ready Or Not 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Ready Or Not 2

Der "John Wick 2" unter den Horror-Fortsetzungen

Von Christoph Petersen

In „John Wick“ geht es um einen Ex-Auftragskiller, der sich für die Ermordung seines Beagle-Welpen Daisy an einem Verbrechersyndikat rächt. Als Prämisse simpel, durchaus ein bisschen bescheuert, aber auch sehr effektiv. In „John Wick 2“ hingegen öffnet sich das Szenario – und die regelrecht religiöse Bürokratie der globalen Assassinen-Gemeinschaft enthüllt sich. In „Ready Or Not“ geht es um eine Braut, die in ihrer Hochzeitsnacht in ein Versteckspiel auf Leben und Tod mit ihrer angeheirateten Familie verwickelt wird. Als Prämisse simpel, durchaus ein bisschen bescheuert, aber auch sehr effektiv. In „Ready Or Not 2“ hingegen öffnet sich das Szenario – und die regelrecht religiöse Bürokratie der globalen Satanisten-Gemeinschaft enthüllt sich.

Der gerade einmal schlappe sechs Millionen Dollar teure „Ready Or Not“ war 2019 mit weltweiten Einnahmen von circa 57 Millionen Dollar ein veritabler Erfolg. Allerdings ist das auch keine Summe, bei der eine baldige Fortsetzung ein absolutes Muss gewesen wäre – und so haben die Regisseure Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin ihren Hit als Sprungbrett genutzt, um zunächst einmal die Franchise-Fortsetzungen „Scream 5“ und „Scream 6“ zu drehen. Jetzt ist das Duo trotzdem zu seinem teuflisch-vergnüglichen Versteckspiel zurückgekehrt – und da hier weiterhin kein Geldregen im „Scream“-Maßstab lockt, spricht alles dafür, dass die beiden einfach richtig Bock darauf hatten. Und was sollen wir sagen: Genauso fühlt sich ihr sogar noch blutigeres Sequel auch an!

In „Ready Or Not 2“ gibt es mit Samara Weaving und Kathryn Newton – passend zum Titel – jetzt gleich zwei versteckspielende Scream Queens. Disney und seine verbundenen Unternehmen
In „Ready Or Not 2“ gibt es mit Samara Weaving und Kathryn Newton – passend zum Titel – jetzt gleich zwei versteckspielende Scream Queens.

In der finalen Szene von „Ready Or Not“ sitzt die Braut (Samara Weaving) im blutverschmierten Kleid rauchend auf den Stufen vor dem Anwesen ihrer Schwiegerfamilie. Ihre Anverwandten sind allerdings gerade allesamt explodiert, nachdem Grace bis Sonnenaufgang überlebt und das Versteckspiel somit gewonnen hat. Mit Mr. Le Bail erscheint sogar der Leibhaftige höchstpersönlich, um der Siegerin anerkennend zuzunicken. Doch das ist nicht etwa das Ende, sondern erst der Anfang. Schließlich waren die Le Domas nicht die einzige Sippe, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Stattdessen gibt es weltweit sechs Familien, die nun den Vorsitz im Hohen Rat für sich beanspruchen.

Wie viel Macht dieser mit sich bringt, zeigt sich, als der bisherige Ringträger Mr. Danforth (ein grandioser Kurzauftritt von Kultregisseur David Cronenberg) nur zum Telefonhörer greifen muss, um binnen Sekunden einen Waffenstillstand in einem internationalen Konflikt herbeizuführen, von dem er gerade in den Nachrichten erfahren hat. Aber wie wird der Vorsitz bestimmt? Der paragrafenreitende Teufelsanbeter-Advokat (Elijah Wood) weiß die Antwort: natürlich mit einer weiteren Runde Verstecken! Wer die Braut tötet, wird der neue Ober-Satanist. Wobei diesmal neben Grace auch ihre jüngere Schwester Faith (Kathryn Newton) mit in die Sache hineingezogen wird …

Regeln, Regeln, Regeln

Das alte Buch, das Elijah Wood („The Toxic Avenger“) die ganze Zeit mit sich herumschleppt, ist verdammt dick. Aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail – und so gibt es nicht nur jede Menge Paragrafen, sondern natürlich auch noch die dazugehörigen Unterparagrafen, um wirklich jeden Aspekt des Satanistendaseins zu regeln. Wie bei den Assassinen-Codes im „John Wick“-Universum ist das natürlich alles totaler Bullshit. Aber weil das halt jeder weiß und auch niemand so tut, als sei es irgendetwas anderes, macht es im besten Fall trotzdem mächtig Laune.

So dürfen bei der Jagd auf Grace und Faith ausschließlich Waffen benutzt werden, die aus jener Epoche stammen, in der die jeweilige Familie ihren Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Ergibt das Sinn? Nö! Wird die Action sehr viel abwechslungsreicher, wenn die einen mit antiken Pistolen und die anderen mit modernen Scharfschützengewehren hantieren? Auf jeden Fall! Die neu hinzugekommenen Cast-Mitglieder wissen ebenfalls sehr genau, in was für einer Art von Film sie hier mitspielen – so lässt vor allem „The Faculty“-Star Shawn Hatosy volle Kanne den misogyn-sadistischen Vollpsycho raushängen.

Die Neuzugänge wie David Cronenberg und Sarah Michelle Gellar sind für „Ready Or Not 2“ ein echter Gewinn! Disney und seine verbundenen Unternehmen
Die Neuzugänge wie David Cronenberg und Sarah Michelle Gellar sind für „Ready Or Not 2“ ein echter Gewinn!

Am meisten begeistert allerdings Kult-Vampirjägerin Sarah Michelle Gellar („Buffy“), die ja schon in „Eiskalte Engel“ bewiesen hat, dass ihr die mit einem Augenzwinkern vorgetragene Rolle der entitled Bitch ganz besonders gut steht. Dass Samara Weaving („Azrael – Angel Of Death“) jetzt mit Kathryn Newton („Freaky“) noch eine weitere Badass-erprobte Scream Queen zur Seite gestellt bekommt, ist an sich 'ne coole Sache. Leider reiten die beiden aber so lange auf ihrem Trauma herum, dass Grace damals fürs Studium nach New York gegangen ist und die zurückgelassene Faith daraufhin eingeschnappt den Kontakt abgebrochen hat, bis es irgendwann nur noch nervt – und den mit 112 Minuten eh schon (zu) langen Film immer wieder unnötig ausbremst.

Auch mit der Größe der Wahl des Anwesens für die zweite Runde haben sich die Verantwortlichen keinen Gefallen getan: Mit Wald und Golfplatz ist es zu groß, um ein gewisses klaustrophobisches Feeling wie im ersten Teil heraufzubeschwören – und es zugleich auch nicht groß genug, um völlig neue Möglichkeiten bei der Killerhatz zu eröffnen (wie zum Beispiel bei der globalen Öffnung im „John Wick“-Universum). So gibt es bei den Action-Konfrontationen vor allem einen wirklich genialen Einfall, wenn sich zwei Kontrahentinnen nach einer gegenseitigen Bärenspray-Attacke quasi blind einen Boxkampf der etwas anderen Art liefern. Ansonsten gibt es im Vergleich zum Vorgänger aber wenig wirklich Neues, wobei der Running Gag mit den plötzlich zerplatzenden Menschen nie alt wird. Zumindest zum Ende hin dreht „Ready Or Not 2“ noch mal völlig frei – und dann wird die Goat zum G.O.A.T.

Fazit: So wie sich Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin offenbar eine anständige Partie Verstecken vorstellen, macht es einfach jedes Mal wieder mächtig Laune!

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