Großartige Bilder gegen eine konfuse Story
Christopher Nolan hatte sich spätestens mit seiner Fortsetzung zu „Batman Begins“ („The Dark Knight“) in der Filmwelt verewigt. Die Erwartungen an seine Filme wurden unvorstellbar hoch, nicht zuletzt durch sein Meisterwerk „Inception“ (2010). Doch bereits mit „The Dark Knight Rises“ (2012) zeigte Nolan, dass auch er Filme drehen kann, die nicht immer großartig sind. Seine Story zu „Man of Steel“ (2013) war sogar richtig schwach, geradezu langweilig. 2014 kam nun aber sein erster Film nach der „Batman“-Trilogie: „Interstellar“. Sowohl die Idee als auch die Trailer zum neuen Nolan-Film waren beeindruckend. Eine Geschichte, die sich visuell an „2001“ von Stanley Kubrick orientiert und mit einer realistischen, aber dennoch fantastischen Idee daher kommt? Noch dazu Nolans epische Erzählweise und ein gewaltiger Score von Hans Zimmer, das muss doch ein Meisterwerk werden. Für viele Fans ist „Interstellar“ genau das geworden und auch ich mochte den Film damals sehr. Über zehn Jahre später jedoch, hat sich meine Meinung ein bisschen verändert… Das Sci-Fi-Spektakel hat ohne Zweifel viele starke Aspekte, die teilweise atemberaubend sind. Doch andere Aspekte sind überraschend schwach und kitschig.
In einer nicht zu fernen Zukunft steht die Erde vor dem Untergang, denn die Nahrungsmittel und Ressourcen gehen dem Planeten langsam aus. Der ehemalige Astronaut Cooper arbeitet nun als Farmer mit seinem Vater und seinen zwei Kindern. Eines Tages meldet sich die NASA bei ihm und bittet ihn ein Shuttle zu fliegen, dass die letzte Chance der Menschen sein könnte: Es soll durch ein Wurmloch in ferne Galaxien fliegen und dort nach neu bewohnbaren Planeten suchen…
Gleich zu Beginn fällt die Parallele zu „Inception“ auf: Ein Vater, der alles in Kauf nimmt, um seine Kinder wieder zu sehen bzw. zu retten und geht dabei auf eine gefährliche, überdimensionale Reise. Das ist nicht wirklich ein Kritikpunkt, nur eben ein netter Fun Fact.
Die Idee zu „Interstellar“ entstand einige Jahre vor dem Dreh und wurde von Nolans Bruder Jonathan geschrieben, zusammen mit Kip Thorne, einem Astrophysiker, der die Grundidee zum Film hatte. Das Projekt verschob sich jedoch immer weiter nach hinten und sollte zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar von Steven Spielberg verfilmt werden. Doch am Ende übernahm Christopher Nolan selbst das Projekt, was allein optisch eine großartige Entscheidung war. Denn „Interstellar“ ist rein visuell einer der schönsten Filme seiner Zeit mit atemberaubenden Bildern. Ein erneut großartiger Mix aus praktischen und digitalen Effekten ergeben hier eine nahezu perfekte Symbiose. Alles sieht großartig und echt aus. Vor allem die Raumschiffszenen sind beeindruckend. Kameramann Hoyte van Hoytema wurde hiernach nicht umsonst für alle weiteren Nolan-Filme engagiert. Auch das Sounddesign ist famos, ebenso wie der mittlerweile ikonische Score von Hans Zimmer, der ein hypnotisch, spektakuläres Hauptthema schrieb.
Auch die darstellerische Leistung ist sehr gut. Nicht herausragend, aber an vielen Stellen trotzdem berührend. Allen voran Matthew McConaughey, der als besorgter Vater Cooper eine sehr gute Leistung zeigt. Besonders seine Reaktion auf ein bestimmtes Video seiner Familie ist herzzerreißend. Ansonsten sieht man einige große und kleinere Schauspieler*innen, wie Anne Hathaway, Matt Damon, Michael Caine, Casey Affleck und einen jungen Timothée Chalamet. Alle machen ihre Sache gut.
Kommen wir aber zum Punkt, an dem sich einige Geister scheiden werden: Die Story. Anfangs spielt der Film mit einer sehr realen und leider unvermeidbaren Zukunft, die uns alle betrifft. Die Ressourcen neigen sich dem Ende und die Erde wird als Planet unbewohnbar. In unserer Realität kommen dann natürlich auch klimatische Katastrophen hinzu, aber ok… Daraus entsteht die Mission von Cooper & Co nach neuen, bewohnbaren Planeten zu suchen. Diese Story wird zunächst auch intentional gut aufgebaut, im Laufe der Geschichte geht es dann um spannende Konzepte wie schwarze Löcher und Zeitreisen. Besonders das Spiel mit Zeit im Film ist einer der besten Aspekte und wird sicherlich viele Zuschauer*innen Emotional berühren.
Im Laufe des Films entwickeln sich dann aber immer mehr und mehr kitschige und Klischee-beladene Momente, die man von einem Nolan so nicht gewöhnt ist. Da kommen dann abgedroschene Dinge, wie das Konzept Liebe als magische Verbindung durch Dimension und Zeit oder ein plötzlicher Bösewicht... Auch so manche Dialoge wirken nicht sehr natürlich, sondern wie aus dem verstaubten Lehrbuch für Hollywood-Blockbuster. Das nimmt dem Film immer mal wieder seine Kraft und verwandelt eigentlich tolle Szenen in kitschige, uninspirierte Momente. Und ich persönlich bin kein Fan vom Ende. Ohne zu spoilern kann ich sagen, dass es auf logischer Ebene wenig Sinn ergibt und mehr Fragen aufwirft als sie zu beantworten (da wäre zum Beispiel das klassische Zeitparadoxon, welches wir schon in unzähligen anderen Filmen dieser Art gesehen haben).
Fazit: Ist „Interstellar“ deswegen ein schlechter Film? Nein. Ist er trotzdem ein großartiger Film? Auch nicht, zumindest nicht in meinen Augen. Viele Ideen sind toll, doch unnötige Klischees und teils plumpe Dialoge rauben dem Ganzen die Glaubwürdigkeit. Dafür haben wir aber einen der technisch beeindruckendsten Filme des 21. Jahrhunderts, den man sich allein für die Bilder und die Musik ansehen kann. Für mich ein überbewerteter Streifen, der jedoch einige großartige Aspekte hat!