Tron: Ares
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Tron: Ares

Mehr Wumms, weniger Tiefgang

Von Markus Trutt

Tron: Legacy“ endete 2010 wie schon viele Filme zuvor: Der Held Sam Flynn (Garrett Hedlund) und das aus der digitalen Welt in die Realität geholte Programm Quorra (Olivia Wilde) brechen mit dem Motorrad in Richtung Sonnenaufgang auf, was zugleich natürlich auch einem Versprechen für ein weiteres Sequels zum wegweisenden Sci-Fi-Kult-Klassiker „Tron“ aus dem Jahr 1982 gleichkam. Aber obwohl das durchgestylte Regiedebüt des späteren „Top Gun 2“- und „F1 - Der Film“-Masterminds Joseph Kosinski an den Kinokassen einen moderaten Erfolg landete und entsprechende Fortsetzungs-Pläne deshalb schnell konkreter wurden, ist das Projekt wie die meisten in Hollywood schließlich doch wieder im Sande verlaufen.

Daher grenzt es fast schon an ein Wunder, dass wir im Kino jetzt doch noch einmal in die Neon-Computerwelt von „Tron“ abtauchen können – woran sicher auch das allgegenwärtige Thema KI nicht ganz unschuldig sein dürfte. „Tron: Ares“ von „Pirates Of The Caribbean: Salazars Rache“-Co-Regisseur Joachim Rønning ist allerdings vielmehr ein Reboot als eine direkte Fortsetzung, obwohl er die im Finale des Vorgängers aufgeworfene Idee tatsächlich aufgreift und noch einmal neu denkt – mit mehr Stars, mehr audiovisuellem Wumms, aber wenig dahinter...

Das Computerprogramm Ares (Jared Leto) will nicht länger einfach nur stur die (mörderischen) Aufträge seines Schöpfers ausführen... Disney und seine verbundenen Unternehmen
Das Computerprogramm Ares (Jared Leto) will nicht länger einfach nur stur die (mörderischen) Aufträge seines Schöpfers ausführen...

Der Videospielentwickler Kevin Flynn (Jeff Bridges) hat einst eine Technologie entwickelt, die es ihm ermöglicht hat, in digitale Welten abzutauchen, in denen Daten mit Raumschiffen und anderen Gefährten transportiert werden sowie Programme in menschlicher Gestalt agieren. Jahrzehnte später verspricht sich der junge Konzernchef Julian Dillinger (Evan Peters), Enkel von Flynns einstigem Rivalen Ed Dillinger, vom umgekehrten Weg aber noch viel mehr: Er möchte intelligente Computerprogramme in die echte Welt holen, um sie dort als entbehrliche Soldat*innen lukrativ in Umlauf zu bringen.

Der Haken dabei: Bislang kann seine Vorzeige-KI Ares (Jared Leto) nur für 29 Minuten seine Heimat aus Nullen und Einsen hinter sich lassen, bevor sie zerfällt. Um den Transfer permanent zu machen, braucht es einen speziellen Code, den Flynn einst virtuell versteckt hat – und den die hehre Ziele verfolgende Eve Kim (Greta Lee) eines Tages tatsächlich ausfindig machen kann. Flynns CEO-Nachfolgerin bei der Videospielfirma ENCOM wird damit aber zur Zielscheibe von Dillinger, der ihr kurzerhand Ares auf den Hals hetzt. Allerdings hadert das Programm schon bald mit seinem Auftrag...

Ein Frankenstein aus Bits und Bytes

Machen wir uns nichts vor: Trotz seines originellen Settings hatte das „Tron“-Franchise nie wirklich viel zur rasenden Entwicklung von Computertechnologien und künstlichen Intelligenzen zu sagen. Stattdessen diente die Prämisse vor allem als Tech-Demo-Rahmen für klassisch-geradlinige Fantasy-Abenteuer mit bahnbrechenden Effekten. Das ist natürlich völlig legitim und auch bei Teil 3 nicht anders – inmitten des aktuellen KI-Hypes aber doch eine vertane Chance.

Auch wenn wir zwischendurch eine Sci-Fi-Antwort darauf bekommen, wie es wohl aussieht, wenn ChatGPT und Co. eine Anfrage bearbeiten („Spoiler“: Ares googelt im Grunde einfach nur blitzschnell), wird das Thema im Film nur nebenher gestreift. Das Drehbuch von Jesse Wigutow („Daredevil: Born Again“) bemüht sich als Frankenstein-Allegorie (das berühmte Mary-Shelley-Zitat „Hüte dich, denn ich bin furchtlos und daher mächtig“ wird quasi zu Ares‘ neuem Credo) zwar um eine gewisse Bedeutungsschwere, greift mit dieser ikonischen Referenz aber zugleich auch etwas zu hoch.

Natürlich sind die ikonischen Lichtmauern auch im dritten „Tron“-Teil wieder mit von der Partie! Disney und seine verbundenen Unternehmen
Natürlich sind die ikonischen Lichtmauern auch im dritten „Tron“-Teil wieder mit von der Partie!

Dabei ist der Vergleich durchaus reizvoll. Statt aus Leichenteilen wurde Ares mit Bits, Bytes und modernster Technik in der echten Welt künstlich zusammengesetzt – und wie Frankensteins Monster wendet auch er sich gegen seinen Schöpfer. Die Entwicklung hin zur Bewusstwerdung bleibt allerdings eher behauptet. Oscarpreisträger Jared Leto („Dallas Buyers Club“) gibt sein Bestes, um seinem roboterhaften Ares immer wieder auch menschliche Züge abzugewinnen, etwa durch eine ausgeprägte Liebe für 80s-Popmusik! Das Skript gibt ihm jedoch nicht genug an die Hand, um ihn nicht nur auf, sondern auch vor der Leinwand zu einem greifbaren Protagonisten aus „Fleisch und Blut“ zu machen. Er wirkt selbst dann noch künstlich, wenn er es eigentlich schon nicht mehr sein soll.

Ähnliches trifft paradoxerweise auf die menschlichen Figuren zu: „Past Lives“-Star Greta Lee funktioniert als Sympathieträgerin zwar durchaus, mehr ist aus dem Charakter aber nicht herauszuholen. Ihre Mitstreiter*innen sind derweil durch die Bank weg nicht der Rede wert und dürften direkt nach dem Kinobesuch schon wieder vergessen sein. Selbst der von „Dahmer“-Talent Evan Peters gespielte Julian Dillinger bleibt nur ein Abziehbild aus dem Bösewicht-Einmaleins (bei dessen angedeuteter Hintergrundgeschichte außerdem „Akte X“-Veteranin Gillian Anderson völlig verschenkt wird). Da liefert Jodie Turner-Smith („Queen & Slim“) als Ares‘ rechter Hand Athena schon eine wesentlich einnehmendere und vor allem bedrohlichere Performance. Der 29-Minuten-Countdown bei den KI-Besuchen bringt zudem immer wieder eine spannungsfördernde Dringlichkeit in das Geschehen.

Visuell wird das Gaspedal voll durchgedrückt

Schlussendlich fehlt aber der Nährboden, der „Tron: Ares“ zu einem wirklich mitreißenden Blockbuster-Vergnügen machen könnte. Umso ärgerlicher, da das Potenzial dafür an anderer Stelle definitiv vorhanden ist: Auch der dritte „Tron“ ist ein audiovisuelles Fest (und das diesmal sogar ohne schaurig-verjüngten Jeff Bridges aus der CGI-Hölle). Optisch orientiert man sich zwar sehr an „Legacy“ und schafft nicht erneut einen eigenen, in der altbekannten „Tron“-Welt verwurzelten Stil.

Dafür sorgen gerade die diesmal in die Realität einfallenden Elemente aus dem fast schon außerirdischen Computerreich (allen voran die charakteristischen Lichtmauern) immer wieder für Staunen. Und auch innerhalb der digitalen Welt finden sich einige Highlights, wenn etwa ein Hackversuch plötzlich als Heist mit personifizierten Programmen daherkommt oder Ares einen zum regelrechten Pixelrausch ausartenden Fluchtversuch startet.

Die ENCOM-CEO Eve Kim (Greta Lee) gerät ins Visier ihrer Kontrahenten, die vor nichts zurückschrecken, um ihre Ziele zu erreichen. Disney und seine verbundenen Unternehmen
Die ENCOM-CEO Eve Kim (Greta Lee) gerät ins Visier ihrer Kontrahenten, die vor nichts zurückschrecken, um ihre Ziele zu erreichen.

Passend dazu wummert der Soundtrack der Industrial-Gurus von Nine Inch Nails aus den Boxen und sorgt für einen Klangteppich, der noch einmal düsterer und wuchtiger ausfällt als die fantastische Musik von Daft Punk im Vorgänger.

Wenn aber alles, was auf dieser so wundervoll bereiteten Bühne stattfindet, so seelenlos und gehetzt abgefrühstückt wird, dass einem irgendwann völlig egal ist, wer hier nun eigentlich warum welches Ziel verfolgt, können selbst die beeindruckendsten Bilder, kann selbst der donnerndste Score nur wenig ausrichten. Für einen Film darüber, wie ein künstliches Wesen wider der Umstände allmählich Gefühle entdeckt, bleibt „Tron: Ares“ am Ende erstaunlich emotions- und farblos.

Fazit: „Tron: Ares“ ist erneut ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Doch selbst der stylische Look und der krachende Nine-Inch-Nails-Soundtrack können nicht verhindern, dass der dünne Storyfaden und die blassen Figuren die Fortsetzung letztlich zu einer drögen und allzu unterkühlten Erfahrung machen. Ein visuelles Upgrade ohne inhaltlichen Fortschritt.

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