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    Hotel Transsilvanien 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hotel Transsilvanien 2
    Von Andreas Staben
    Wegen seiner langen Fingernägel hat Dracula in Genndy Tartakovskys Animationskomödienfortsetzung „Hotel Transsilvanien 2“ immer wieder Probleme mit dem Touchscreen seines Smartphones. Sein zunehmend verzweifeltes Einhacken auf das nicht reagierende Gerät ist eine amüsante Illustration jener Überforderung durch moderne Technik, die vor allem viele ältere Zuschauer selbst kennen dürften. Da der berühmte Vampir auch in seiner Inkarnation durch „Jack und Jill“-Star Adam Sandler, der wie bereits beim ersten Teil das Drehbuch mitverfasst hat und die Figur in der Originalfassung selbst spricht, viele Jahrhunderte auf dem Buckel hat, sind seine Anpassungsschwierigkeiten daher durchaus verständlich. Sie bieten Stoff für mal clevere, mal alberne, jedoch meist lustige Gags, für einen doppelten Lernprozess samt sanfter, nicht ganz überzeugender Toleranzbotschaft sowie für eine Prise Sentimentalität. Inhaltlich ist Sandlers Handschrift damit deutlicher zu erkennen als noch in „Hotel Transsilvanien“, aber auch Regisseur Tartakovsky setzt Akzente und trägt mit seinem Gespür für ausgefallene Details und gekonnt überdrehte Action wesentlich dazu bei, dass auch „Hotel Transsilvanien 2“ zu einem kurzweiligen Familienvergnügen wird.  

    Nachdem sich die Vampirin Mavis (Stimme im Original: Selena Gomez / deutsche Stimme: Palina Rojinski), Tochter des Hausherrn Dracula (Adam Sandler/Rick Kavanian), und der menschliche Rucksacktourist Johnny (Andy Samberg/Andreas Bourani) im Hotel Transsilvanien nähergekommen sind, läuten die Hochzeitsglocken. Bald bringt die Mischehe zwischen der inzwischen 125-jährigen Blutsaugerin und dem jungen Mann aus Kalifornien Nachwuchs hervor. Opa Dracula, der seine entlegene Nobel-Absteige für Monster aller Art nur zögerlich auch menschlichen Besuchern zugänglich gemacht hat, setzt seine ganze Hoffnung darauf, dass sein Enkel Dennis zu einem Vampir wird, doch der erweist sich zunächst als Menschenjunge ohne Blutsaugermerkmale. Bis zum fünften Geburtstag könnten ihm allerdings noch Fangzähne wachsen und als das Datum immer näher rückt, ohne dass sich etwas tut, fahren Dracula, sein bester Kumpel Frank (Kevin James/Hans-Eckart Eckhardt), der unsichtbare Mann Griffin (David Spade/Tobias Kluckert), der Werwolf Wayne (Steve Buscemi/Tobias Lelle) und die Mumie Murray (Keegan-Michael Key/Daniel Zillmann) mit Dennis in ein Trainingscamp für Jungvampire…


    Nachdem „Hotel Transsilvanien“ hauptsächlich innerhalb der Mauern von Draculas Refugium für absonderliche Gestalten angesiedelt war, verlassen der Chef und seine Monsterkumpel ihren Zufluchtsort diesmal recht bald. Der Gegensatz zwischen den besonders begabten Außenseitern und den „normalen“ Menschen wird dabei schnell zum thematischen roten Faden des Films. Dracula wünscht sich trotz gegenteiliger Beteuerung („Ob Mensch, Monster oder Einhorn“ – das sei ihm gleich) nichts sehnlicher, als dass der Enkel sich eines Tages das Dracula-Cape umhängt, während Mavis beim Besuch in Johnnys kalifornischer Kleinstadtheimat angesichts des üppigen Angebots des rund um die Uhr geöffneten Supermarkts regelrecht ausflippt. Ihre Vampirvisite bei den Menschen bleibt allerdings vergleichsweise uninspiriert, man kann gut verstehen, warum es dem Slacker-Bräutigam im Hotel Transsilvanien besser gefällt als bei Muttern. Denn obwohl wir in einer witzigen Szene sehen, dass die Schreckenskräfte der Monster zur Verzweiflung von Dracula reichlich eingerostet sind und obwohl auch der oberste Blutsauger selbst inzwischen hauptsächlich für einen Lakritzfruchtgummiwerbespot berühmt ist, bleibt kein Zweifel: Es gibt nichts Cooleres, als ein Monster zu sein – die einzige Ausnahme ist in Dennis‘ Kinderaugen ironischerweise der Superheld (und Fledermausmann) Batman.

    Durch die vorhersehbare Schlusspointe wird das erwähnte Gleichheitspostulat zwar wieder unterlaufen und auch die späte Einsicht von Draculas menschenfeindlichem Vater Vlad (Mel Brooks/Dieter Hallervorden) wirkt wie ein bloßes Lippenbekenntnis. Trotzdem ist es der allzu menschliche Müßiggänger Johnny, der hier die vielleicht größte, auf jeden Fall aber verrückteste Heldentat vollbringt, wenn er sich so todesmutig wie planlos die Halfpipe hinunterstürzt. Dieser halsbrecherische Stunt ist neben Dennis‘ Sprung aus schwindelerregender Höhe samt Draculas Sturzflugrettung ein visueller Höhepunkt des Films, der verstärkt durch den 3D-Effekt echtes Achterbahnfeeling aufkommen lässt. In den Action-Sequenzen kann sich der frenetisch-exzentrische Stil von Regisseur Tartakovsky entfalten, den er bei Animationsserien wie „Dexters Labor“ und „Samurai Jack“ entwickelt hat. Zum heimlichen Star wird dabei das elastisch-transparente grüne Glibber-Geschöpf Blobby, das auf seinem Weg alles und jeden „verschluckt“. Gemeinsam mit der Freude an skurrilen Einzelheiten (köstlich: wenn das Monsterhotel babysicher gemacht wird), den Anspielungen auf den Kanon der Kino-Monster, die von den 30er-Jahre-Universal-Klassikern über Mel Brooks‘ „Frankenstein Junior“ bis zu Gary Oldmans Look als „Bram Stoker’s Dracula“ reichen und dem vergnügten Miteinander all der wunderlichen Wesen sorgt die Verve des Filmemachers dafür, dass „Hotel Transsilvanien 2“ trotz fehlender erzählerischer Tiefe nicht langweilig wird.

    Fazit: Schwungvoll inszenierte Familienunterhaltung.
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