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    The Purge 2: Anarchy
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Purge 2: Anarchy
    Von Christoph Petersen

    Der nur drei Millionen Dollar teure Indie-Schocker „The Purge – Die Säuberung“ hat von uns im vergangenen Jahr nur zwei Sterne bekommen, obwohl wir das Konzept des Films (in einer ansonsten mit strengen Regeln und Gesetzen gesteuerten Gesellschaft ist einmal im Jahr für zwölf Stunden so gut wie alles erlaubt) sehr vielversprechend fanden. Aber statt die provokante Prämisse konsequent auszuleuchten, präsentierte Autor und Regisseur James DeMonaco nach einem gelungenen Auftakt einfach nur einen handelsüblichen Home-Invasion-Thriller, der zudem unter handwerklichen Mängeln litt. Für die Fortsetzung stand DeMonaco nun das dreifache Budget und damit auch das nötige Kleingeld zur Verfügung, um „The Purge 2: Anarchy“ dort spielen zu lassen, wo ein „Purge“-Film eigentlich hingehört: auf der Straße! Und mit der Verlegung des Handlungsorts ändert sich zugleich auch das Genre und die Qualität: Statt einer schwächelnden Variante eines Home-Invasion-Horrorfilms à la „The Strangers“ liefert DeMonaco diesmal einen solide inszenierten Anarchie-Actioner in der Tradition von „Die Klapperschlange“.

    Zu einem dümmeren Zeitpunkt hätte das Auto von Shane (Zach Gilford, „Devil’s Due“) und Liz (Kiele Sanchez, „A Perfect Getaway“) nun wirklich nicht den Geist aufgeben können, schließlich beginnt bald die alljährliche „Säuberung“, bei der für zwölf Stunden die Polizei ihren Dienst einstellt und (fast) alle Verbrechen erlaubt sind. Seitdem die neuen Gründerväter dieses Event in den USA eingeführt haben, ist die Kriminalität außerhalb dieses halben Tages beinahe auf null zurückgegangen - aber davon kann sich das nun zur Unzeit in Downtown Los Angeles gestrandete Pärchen auch nichts kaufen. Zumindest müssen die beiden die tödliche Nacht, in der allerlei vagabundierende Horden mordend durch die Straßen ziehen und sich eigentlich nur Lebensmüde und Obdachlose nicht bestmöglich verschanzen, nicht alleine durchstehen: In dem seine ganz eigene Mission verfolgenden Sergeant (Frank Grillo, „Homefront“), der alleinerziehenden Mutter Eva (Carmen Ejogo, „Alex Cross“) und deren Teenager-Tochter Cali (Zoë Soul, „Prisoners“) finden sie Verbündete…

    Die schon aus dem ersten Teil bekannten „Purge“-Regeln werden nur zu Beginn kurz wiederholt, um das Szenario in der Folge um immer weitere Nuancen zu erweitern. So gibt es diesmal auch eine von einem Che-Guevara-artigen Anführer Carmelo (Michael K. Williams, „The Wire“) befehligte Rebellen-Fraktion, ein Abstecher ins Bankenviertel zeigt, dass sich nicht nur ausschließlich die Reichen an den Armen vergreifen, und der Staat scheint sich doch nicht so vollständig aus dem „Purge“ rauszuhalten, wie es bisher den Anschein hatte. Langsam bekommt hier eine wahrhaft dystopische Zukunftsvision Konturen, bei der man zwischenzeitlich ruhig mal den Glauben an die Menschheit verlieren darf und die in „The Purge 3“ noch weiter vertieft werden soll. Dafür hat uns Produzent Jason Blum im exklusiven FILMSTARTS-Interview sogar schon mehrere Ideen verraten hat, wobei uns die Prequel-Idee sogar noch einen Tick mehr zusagt als das Revolutions-Spin-off.

    Ansonsten gibt es diesmal wie schon angedeutet statt klassischer Schockmomente vor allem bleihaltige Actionsequenzen, die nicht nur an „Die Klapperschlange“, sondern auch an Szenen aus den „Mad Max“-Filmen erinnern. So fahren modern ausgerüstete Lastwagen durch die Straßen, auf deren Ladeflächen mächtige Miniguns installiert sind, die ganze Häuserblocks im Nullkommanichts durchsieben, und eine Gruppe jubelnder sadistischer Killer macht mit Flammenwerfer-Buggys in den U-Bahn-Tunneln Jagd auf sich dort versteckende Obdachlose. Der Höhepunkt ist aber eine Menschenjagd in einer im Stil eines südstaatlich-herrschaftlichen Gartens eingerichteten Lagerhalle, eine Paintball-artige Hatz als teures Vergnügen für die Superreichen (das Wohlhabenden-Bashing ist dabei allerdings wie schon im ersten Film wenig subtil). Trotzdem wäre aber noch mehr drin gewesen, denn mit Ausnahme des vor einem schwierigen moralischen Dilemma stehenden Sergeant bleiben die Figuren insgesamt doch so blass, dass man bei den blutigen Konfrontationen nicht immer zwingend wie von den Machern beabsichtigt nur den „Guten“ die Daumen drückt.

    Fazit: „The Purge 2“ bietet Anarchie-Action statt Home-Invasion-Horror – und eine deutliche Steigerung gegenüber dem ersten Teil.

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