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    Spinning Man - Im Dunkel deiner Seele
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Spinning Man - Im Dunkel deiner Seele

    Christopher Nolan kann das besser!

    Von Lutz Granert
    Bei solchen Mindfuck Movies wie „Memento“ und „Inception“ von Christopher Nolan, James Mangolds „Identität“ oder Danny Boyles „Trance – Gefährliche Erinnerung“ geht es immer auch darum, wie sich der verwirrte Geisteszustand beziehungsweise die getrübte Wahrnehmung der Protagonisten in eine möglichst originelle und überraschende Plot-Wendung überführen lässt. Aber um diese Twist-Landung zu stehen, fehlt es der Romanadaption „Spinning Man – Im Dunkel deiner Seele“ schlicht und einfach an der nötigen Finesse. Der Mix aus Drama und Thriller vom dänischen Krimiserien-Spezialisten Simon Kaijser („Before We Die“) wirkt mit seinen betont cleveren Metaphern und philosophietheoretisch angehauchten Dialogen am Ende eher verkopft als fesselnd.

    Als die 17-jährige Cheerleaderin Joyce Bonner (Odeya Rush) an einem See spurlos verschwindet, nimmt die Polizei unter der Leitung von Detective Malloy (Pierce Brosnan) die Ermittlungen auf. Da ein grauer Volvo in der Nähe gesehen wurde, führt eine Spur zum Familienvater Evan Birch (Guy Pearce), der an der örtlichen Universität Philosophie unterrichtet. Der Professor gibt vor, sich nicht an einen Ausflug zum See erinnern zu können – und verweigert darüber hinaus jegliche Zusammenarbeit mit den Behörden, womit er selbst bei seiner eigenen Frau Ellen (Minnie Driver) auf Unverständnis stößt. Hat der umtriebige Hochschullehrer womöglich etwas zu verbergen?


    Schon in der ersten Filmminute greift „Spinning Man“ weit vor, wenn ein sichtlich verwirrter Evan Birch in das Büro von Malloy stolpert und ihm die Frage stellt, ob sein Erinnerungsvermögen auch auf einmal getrübt sei. Dieser Auftakt weckt sofort das Interesse – doch die so aufgebauten Erwartungen können im weiteren Handlungsverlauf, der chronologisch und spannungsarm die Geschehnisse ab dem Zeitpunkt der Vermisstenanzeige abhandelt, nicht eingelöst werden. Zu unterkühlt und tempoarm treibt Simon Kaijser in seinem Hollywood-Debüt die Ermittlungen von Malloy voran, der durch Hinweise auf Affären mit Studentinnen immer mehr Indizien und Beweise gegen Birch in der Hand zu haben scheint. Und das tut er solange, bis ein zugegebenermaßen unerwarteter, leider aber auch unlogischer Twist am Ende noch einmal für eine Überraschung sorgt.

    Das Drehbuch von Matthew Aldrich („Cleaner“) verfällt immer wieder der Versuchung, das gelungene Spiel mit Redewendungen und Sprachphilosophie aus der literarischen Vorlage von George Harras in arg bedeutungsschwangere Dialoge um Freuds Abhandlungen zum „Es“, Descartes‘ Skeptizismus oder Wittgensteins Überlegungen zur Uneindeutigkeit der Sprache in den Film zu übernehmen. Und damit nicht genug: In einem Subplot geht es um eine Rattenplage im Hause Birch, gegen die das Familienoberhaupt Mäusefallen aufstellt – und aus Unachtsamkeit bei ihm selbst zuschnappt. Selten wurde die Redewendung des „Katz-und-Maus-Spiel“, welches der bärbeißige Ermittler hier mit seinem aalglatten Verdächtigen führt, der sich scheinbar an nichts erinnern kann oder will, so plump dargestellt wie hier. Dem gegenüber steht die durchaus stimmige Kameraarbeit: Polly Morgan assistierte bereits Christopher Nolans Stammkameramann Wally Pfister bei „Inception“ und taucht „Spinning Man“ nun in trübe Bilder mit leichtem Grünstich, die durch ein „Glühen“ rund um die Lichtquellen die vernebelte Wahrnehmung des Protagonisten spiegeln.

    Auch wenn Pierce Brosnan, Minnie Driver und Guy Pearce am Ende nur wegen einer einjährigen Verzögerung der Dreharbeiten verpflichtet wurden (statt den ursprünglich vorgesehenen Nikolaj Coster-WaldauEmma Roberts und Greg Kinnear), überzeugen sie mit größtenteils soliden Leistungen: Während der Ex-„007“-Darsteller den unbequemen Ermittler mit verschmitztem Humor und psychologischer Gewitztheit gibt, bleibt Minnie Driver in einem ihrer seltengewordenen Filmauftritte abseits der Serie „Will & Grace“ als zweifelnde Ehefrau eher blass. Guy Pearce legt nach seiner grandios-diabolischen Vorstellung als pädophiler Geistlicher in „Brimstone“ erneut eine gelungen-unterkühlte Darstellung eines Unsympathen vor. Damit erreicht er – ebenso wie der Film – zwar längst nicht die Klasse seiner Performance als an Amnesie leidender Rächer in dem ungleich abgefuckteren und genialeren Mindfuck Movie „Memento“, doch die Reflexion um Lüge und Wahrheit in den eigenen Erinnerungen birgt trotz fehlender Spannung zumindest einige interessante Denkansätze.

    Fazit: Der zäh erzählte „Spinning Man – Im Dunkel deiner Seele“ scheitert daran, die philosophischen Denkansätze und Gleichnisse der Romanvorlage adäquat in eine filmische Form zu übertragen. In dem prominent besetzten Thriller-Drama regiert stattdessen das Mittelmaß.
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