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    OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika

    Die Luft war nach dem zweiten Mal schon raus

    Von Nikolas Masin
    Pünktlich zu Daniel Craigs letztem 007-Auftritt in „Keine Zeit zu sterben“ kommt James Bonds französische Kult-Parodie nach zwölf Jahren Pause wie passgenau aus ihrem Loch gekrochen: Geheimagent OSS 117 ist zurück, um nach „OSS 117 - Der Spion, der sich liebte“ und „OSS 117 - Er selbst ist sich genug!“ ein weiteres Mal den Rassismus, Sexismus und weitere -ismen des Weiße-Männer-Kinos der 50er Jahre überspitzt zu spiegeln – und gleichzeitig eine liebevolle Hommage an den speziellen Charme der „goldenen Ära“ Hollywoods inklusive Größen wie Alfred Hitchcock abzuliefern.

    Ob für den 49-jährigen OSS-117-Darsteller Jean Dujardin nun zeitgleich mit Daniel Craig Schluss ist – beide starteten interessanterweise 2006 im jeweiligen Franchise – bleibt noch unklar. Wenn überhaupt, dann deutet der Schluss des nunmehr dritten Teils „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“, bei dem erstmals nicht „The Artist“-Mastermind Michel Hazanavicius, sondern Nicolas Bedos („Die schönste Zeit unseres Lebens“) die Regie übernommen hat, das Gegenteil an. Ob das unterm Strich zu bejubeln wäre, ist aber nicht so sicher, denn mittlerweile fühlt sich die Reihe und dessen eingleisiger (Anti-)Macho-Humor ähnlich antiquiert an wie jene Filme, die man auf die Schippe nimmt – was nicht heißt, dass man nicht zumindest gut unterhalten wird.

    OSS 117 (Jean Dujardin) tritt natürlich auch in Afrika in jedes erdenkliche Fettnäpfchen ...


    Es ist das Jahr 1981 und an Frankreichs Top-Geheimagent Hubert Bonisseur de La Bath (Jean Dujardin), mit dem Decknamen OSS 117 ausgestattet, ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Seine Methoden sind lange überholt und der junge Agent Serge (Pierre Niney) mit dem Alias OSS 1001 wird bereits als sein Nachfolger gehandelt. Doch als dieser auf einer Mission in Afrika spurlos verschwindet, wird 117 doch noch von seinem neuen Bürojob befreit und darf wieder in Aktion treten. Der Auftrag lautet: 1001 aufspüren und eine Kommunisten-Rebellion stoppen, welche den Präsidenten von Françafrique – manche würden eher „Diktator“ sagen – stürzen will. Dieser ist nämlich ein wichtiger politischer Partner Frankreichs...

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    Ein französischer Werbespruch des Films lautet übersetzt in etwa „Die Zeiten haben sich geändert. Er sich aber nicht.“ Da stellt sich die Frage: Seit wann denn? Schließlich wurde der trottelige Agent schon bei seinem ersten Auftritt, welcher im Jahr 1955 spielt, von seinem Bond-Girl-Äquivalent für die ständig chauvinistischen und rassistischen Anmerkungen getadelt. Klar: Damals schliefen die Damen trotzdem gerne mit ihm – konnten seiner Anziehungskraft nicht widerstehen, weil das nun mal so war im alten Hollywood.

    In „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“ hat sich Hubert die Hotelmanagerin Micheline (Natacha Lindinger) angelacht. Die merkt aber beim ersten Schäferstündchen schnell, mit was für einem Sex-Fossil sie es hier zu tun hat, als dieser seine alten Hüften für wenige Sekunden rhythmisch langsam zur Soft-Jazz-Musik kreist und dann völlig aus der Puste zusammenklappt. Dass 117 seine eigene Universalinkompetenz nicht auffällt, war schon immer maßgeblicher Shtick der Reihe – und das sorgt auch beim neuesten Ausflug wieder dafür, dass man nicht selten vor zähneknirschendem Fremdscham auf die Lachmuskeln ausweicht.

    Das „Aus-der-Zeit-gefallen-sein“ ist aus der Zeit gefallen


    Über die Vorstellung eines weiblichen Präsidenten muss Hubert gackern und Schwarze kann er optisch nicht auseinanderhalten. Politische Korrektheit war bei OSS 117 noch nie angesagt. Und obwohl es ja genau darum geht, diese blanke Ignoranz von Hubert – und damit sinnbildlich vieler Zeitgenossen – unmissverständlich bloßzustellen, und man in dem Vorhaben auch erfolgreich ist, wird der immer selbe Flachs allmählich alt.

    Das scheinen die Macher aber auch verstanden zu haben und bestrafen ihren „Helden“ entsprechend. Nachdem er beispielsweise eine eiskalte Abfuhr von Micheline erfährt, fällt ihm kein patziger Konter ein. Stattdessen schlendert er geknickt davon. Später läuft er ihr hinterher – wie früher die Frauen ihm. Doch sie findet viel mehr Gefallen am jungen Blondschopf-Agenten 1001.

    ... und mit dem sehr viel fähigeren OSS 1001 (Pierre Niney) steht ein möglicher Nachfolger auch schon in den Startlöchern.


    Anfangs schwärmt Serge – von Pierre Niney als erfrischender Gegenpol zu Hubert gespielt – noch über sein großes Vorbild 117. Doch auch er blickt schnell hinter die gripslose Fassade und schimpft ihn wiederholt gescheit zusammen. Hubert scheint allmählich zu kapieren, was für ein Witz er in den Augen der anderen ist. Von seinem typisch breiten Grinsen ist nicht mehr viel übrig. Zurück bleibt zunehmend ein (verdientermaßen) zum Boxsack degradiertes, trauriges Häufchen Elend. Und wenn OSS 117 nicht mehr wirklich Spaß bei seiner Arbeit hat, färbt das auch ein wenig auf den Film als Ganzes ab.

    Tatsächlich belehrbar ist Hubert ohnehin nicht. Wer die anderen Teile gesehen hat, weiß: Sein einziger Maßstab für Gut und Böse ist Frankreich. Alles und jeder, der von den Werten seines Heimatlandes abweicht, ist der Feind. In diesem Kontext gewinnt Jean Dujardin (Oscargewinner für „The Artist“) seiner Paraderolle als unfreiwillig Chaos stiftender und dennoch sympathischer Antiheld-Idiot auch alles ab, was der Film erlaubt. Und spätestens wenn er in typischer Manier mit leicht seitlich gedrehtem Körper und gehobener Handfläche seine Baby-Pistole aus der Hüfte schießt, ist der Esprit des ersten Films zurück.

    Nostalgische James-Bond-Verarsche wird nicht alt


    Die „OSS 117“-Filme der 2000er Jahre haben auch schon immer als schlichte James-Bond-Parodien funktioniert, obwohl die originale (viel ernstere) Buchvorlage des französischen Geheimagenten bereits 1949 erschien und damit älter ist als die englische, aber dafür eben heute viel berühmtere Variante von Ian Fleming. Schon der Titel „Liebesgrüße aus Afrika“, eine Referenz auf „James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau“ von 1963, macht es diesmal ganz besonders deutlich.

    Dabei wird schön überspitzt: Hubert bekämpft mit unnötig komplizierten Gadgets und großen Explosionen ausnahmsweise mal kommunistische Russen statt faschistische Nazis. Ein karikaturistischer Fiesling bekommt für die extra Portion Albernheit sogar eine riesige Hakenhand und ein Cyborg-Auge spendiert. Besonders cool ist ein, in Bond-Manier stilisierter, kreativer Vorspann mit eigenem Titelsong. Das sind die Stellen, wo die wirklichen Stärken der Filmreihe durchscheinen.

    Fazit: „OSS-117 – Liebesgrüße aus Afrika“ funktioniert hauptsächlich dann, wenn er leichte Unterhaltung bietet und Bond-Klischees veräppelt. Doch gut die Hälfte der Gags bestehen darin, dass der titelgebende dumme Geheimagent unwissentlich rassistische und sexistische Äußerungen heraus posaunt. Das mag im ersten Teil von 2006 noch intelligente Kritik am frühen Hollywood gewesen sein, ist jedoch mit dem mittlerweile dritten Teil komödiantisch vollends erschöpft. Das Ende verspricht: „117 Will Always Be Around.“ Aber dann ja vielleicht wirklich als Französischer Bond statt als Französische Bond-Verarsche.

    „OSS-117 – Liebesgrüße aus Afrika“ feiert seine Deutschlandpremiere auf dem Fantasy Filmfest. *Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.

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