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    Grand Isle - Mörderische Falle
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Grand Isle - Mörderische Falle

    Nicolas Cage gibt sein Bestes. Aber das reicht nicht.

    Von Oliver Kube
    Nicolas Cage plant aktuell sein großes Comeback. Der Oscar-Preisträger (ausgezeichnet für „Leaving Las Vegas“) glaubt fest daran, dass ihn der für 2021 geplante Meta-Thriller „The Unbearable Weight Of Massive Talent“ dahin zurückbringen wird, wo er seiner Meinung nach hingehört: auf die A-Liste der Hollywood-Superstars! Und wenn man sich den Plot durchliest, laut dem Cage eine fiktionalisierte Version von sich selbst spielen soll (also einen abgehalfterten Leinwand-Superstar, der verzweifelt und hochverschuldet für ein paar Kröten jeden Mist dreht, während ihm parallel sein Privatleben entgleitet), dann klingt das ja auch durchaus vielversprechend und unterhaltsam. Ähnlich dachten offenbar auch die großen US-Studios, unter denen ein regelrechter Bieterkrieg um die Rechte entbrannte.

    Bis Nicolas Cage für seinen (Comeback)-Film vor die Kamera tritt, hat der Kalifornier aber natürlich weiterhin seine (Steuer-)Rechnungen zu begleichen. Das tut er vor allem mit Hilfe der Gagen für eine nicht abreißen wollende Reihe an trashigen B-Filmen: „Grand Isle“, inszeniert von Stephen S. Campanelli („Momentum“), ist der immerhin sechste davon, der im Produktionsjahr 2019 mit Namen und Gesicht des Schauspielers auf dem Plakat wirbt. Während sich Cage in den vergangenen Jahren sicher schon für üblere Machwerke hergegeben hat, entpuppt sich „Grand Isle“ dennoch als wenig mehr als ein billig erstellter, von diversen Makeln durchzogener und schnell nach dem Konsum wieder vergessener Exploitation-Thriller.

    Verlottert und mit Psycho-Bart: Nicolas Cage in "Grand Isle" ...


    1988, im Provinzstädtchen Grand Isle in Louisiana: Buddy (Luke Benward) wird von Detektive Jones (Kelsey Grammer) verhört, der ihn wegen Mordverdachts festhält. Der Handwerker wurde kurz zuvor blutüberströmt mit einer Leiche im Auto von der Polizei aufgegriffen. Trotzdem beteuert er seine Unschuld. Von einem Hurrikan überrascht, hätte er im Haus seines Auftraggebers Walter Franklin (Nicolas Cage) Unterschlupf suchen müssen. Im Laufe des von Unmengen Drinks und stetigen Streitereien bestimmten Abends offerierte der Vietnam-Veteran Walter dem in Geldnot befindlichen jungen Mann eine hohe Dollar-Summe. Für die sollte er dessen Ehefrau Fancy (KaDee Strickland) ermorden. Buddy behauptet, er habe zunächst mit dem Gedanken gespielt, auf das Angebot einzugehen, sei dann aber den sexuellen Avancen der schönen Gattin erlegen. Was zu einem Handgemenge mit Walter sowie einer schaurigen Entdeckung im Keller des Anwesens führte…

    Ein Fliegengewicht unter Klassikern


    „Grand Isle“ ist die dritte Regiearbeit von Stephen S. Campanelli, der schon seit „Die Brücken am Fluss“ zur Stamm-Kamera-Crew von Regie-Veteran Clint Eastwood gehört. In Nordamerika wird der Film nun als Beitrag zum „Southern Gothic“-Subgenre vermarktet – unter diesem Begriff werden in der US-Literatur und im Kino intensive Dramen beziehungsweise Schauergeschichten bezeichnet, die in den Südstaaten spielen, von grotesken Situationen, exzentrischen Charakteren und teilweise übernatürlichen Elementen dominiert werden. Als Urväter der Gattung gelten etwa Autoren wie Edgar Allan Poe, Tennessee Williams und speziell William Faulkner. Auf der Leinwand zählen „Endstation Sehnsucht“, „Wer die Nachtigall stört“, „Die letzten Amerikaner“, „Kap der Angst“ und „Winter's Bone“ zu den Highlights des Genres.

    Aber im Vergleich zu solchen Klassikern sieht „Grand Isle“ – wenig überraschend – keinen Stich! Zwar bedient sich der Thriller einiger gängiger Südstaaten-Klischees und mit dem von Cage gewohnt überzogen gespielten Walter wird auch eine durchgeknallte, von Bourbon und Traumata zerfressene Figur präsentiert, aber dank einer holprigen Handlung und einer reichlich unbeholfenen inszenatorischen Umsetzung kommt „Grand Isle“ noch nicht einmal im Ansatz an die erzählerischen und atmosphärischen Qualitäten der obengenannten Meisterwerke heran.

    ... wobei seine Figur auch anders kann, wenn sie will - hier in schniecker Militär-Uniform (und mit einer Geisel).


    In der englischsprachigen Originalfassung befleißigen sich die Darsteller – insbesondere die nicht in Dixie aufgewachsenen Cage und Grammer – eines aufgesetzt wirkenden und deshalb gelegentlich zum Schmunzeln anregenden Südstaaten-Akzents. Nach dem Essen (natürlich Gumbo, was sonst?) werden die typischen Mint-Julep-Cocktails geschlürft und die Möblierung der Franklin-Residenz sieht aus, als wäre sie direkt aus den Einrichtungs-Tipps des mit Millionenauflage erscheinenden Lifestyle-Magazins „Southern Living“ übernommen. Doch das ist nur Staffage. Es wird wenig bis gar nichts aus dem geografischen Ambiente gemacht. Dabei wurde tatsächlich vor Ort in Louisiana gedreht. Alles, was außerhalb des Hauses passiert, sieht aber komplett austauschbar und uninspiriert aus. Das Ganze hätte ebenso gut in Kanada, Australien oder Mecklenburg-Vorpommern gefilmt werden können. Das spezielle Licht der Gegend oder die einmalige Natur werden einfach nicht genutzt.

    Viel schlimmer noch: Die Erklärung, warum der von Luke Benward (spielte u. a. Mel Gibsons kleinen Sohn in „Wir waren Helden“) verkörperte Buddy überhaupt in die prekäre Situation geraten ist (inklusive der Entdeckung einer mit verdächtig vielen Schlössern gesicherten Kellertür, einer im weiteren Verlauf komplett irrelevanten Sammlung von Voodoo-Puppen sowie diversen Meldungen über verschwundene Teenager auf einem im Hintergrund laufenden Fernsehgerät), bietet eigentlich nur genug Stoff für eine Viertelstunde, wird aber quälend lange und völlig unnötig in die Länge gezogen. Im Laufe der ersten Stunde passiert in Sachen Plot so gut wie nichts. Erst dann nimmt die Handlung ein wenig an Fahrt auf, verzettelt sich dabei allerdings bis zum schlecht vorbereiteten Story-Twist in etlichen Widersprüchen. Dazu kommen unglaubwürdige Motive, ein unpassendes Abdriften in Richtung Horror und als Krönung ein den Zuschauer komplett kaltlassendes, merkwürdig tempoloses und schrecklich steif inszeniertes Finale.

    Sexy geht anders


    Auch die vom klobigen Drehbuch (Rich Ronat, Iver William Jallah) wohl als erotisch und sexy konzipierten Momente zwischen dem unfreiwilligen Hausgast und der von Walters Sauferei und Streitlust frustrierten Fancy funktionieren überhaupt nicht. Die Szenen sind nicht nur reichlich zahm, sondern dazu auch seltsam statisch und distanziert ins Bild gesetzt. „Der Fluch“-Veteranin KaDee Strickland ist zweifellos eine gutaussehende Frau, von irgendeiner Chemie, einem Knistern zwischen ihr und ihrem deutlich jüngeren Spielpartner ist trotzdem nichts zu spüren. Was aber auch kein großes Wunder ist, denn Benwards Buddy ist ein echter Langweiler und als Protagonist der Geschichte, mit dem das Publikum sich identifizieren soll, damit schlichtweg ungeeignet.

    Bleibt noch Nicolas Cage, der sein Bestes gibt, der klischeebeladenen, extrem flach geschriebenen, angeblich von Alkoholmissbrauch, Gewissensbissen und post-traumatischem Stress zerfressenen Figur des Walters so etwas wie Authentizität einzuhauchen. Das versucht er mit fettem Hufeisenschnäuzer, wirrem Haar und beachtlichem Schmerbauch sowie dem von seinen Fans mittlerweile erwarteten Over-Acting inklusive cholerischem Geschreie, irrem Starren und wildem Grimassieren sogar halbwegs unterhaltsam. Sehenswert oder auch nur erträglich wird „Grand Isle“ dadurch aber trotzdem nicht.

    Fazit: Selbst ein einmal mehr herrlich überdrehender Nicolas Cage kann diesen lieblos bis inkompetent geschriebenen und inszenierten Pseudo-Psychothriller nicht retten.

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