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    Auf alles, was uns glücklich macht
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Auf alles, was uns glücklich macht

    Das Streben nach Glück geht weiter

    Von Jörg Brandes

    Der wunderbar melancholische Publikumserfolg „Ein letzter Kuss“ von 2001 brachte Gabriele Muccino ein Ticket nach Hollywood ein. Zwar hat er nicht selbst beim US-Remake „Der letzte Kuss“ mit Zach Braff Regie geführt, aber dafür geht der Will-Smith-Superhit „Das Streben nach Glück“ auf das Konto des Italieners. Seine weiteren US-Produktionen wie „Kiss The Coach“ mit Gerard Butler oder „Väter und Töchter“ mit Russell Crowe waren dann allerdings weit weniger erfolgreich und Muccino inzwischen wieder in sein Heimatland zurückgekehrt. Seinem Lieblingstheme, dem steten Streben nach Glück, ist er allerdings auch nach seiner Rückkehr treu geblieben.

    In „Auf alles, was uns glücklich macht“ folgt Muccino nun etwa über eine Zeitspanne von 40 Jahren hinweg den unterschiedlichen Lebenswegen von drei Männern und einer Frau, die einander eng verbunden sind. Neben dem Streben nach Glück geht es um Hoffnungen und Enttäuschungen, Erfolge und Misserfolge, Liebe, Scheidung und Elternschaft, Freundschaft und Entfremdung. So malt der gemeinsam mit Paolo Costella auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Muccino in 135 lebensprallen Minuten ein gut gefülltes Zeitengemälde auf die Leinwand. Allerdings mit oft arg grobem Pinselstrich. Für Tiefe bleibt kaum Raum.

    Selbst wenn das jugendliche Freundschafts-Quartett sich über die Jahre immer weiter auseinanderentwickelt ...

    Das bereits erwähnte Quartett findet Anfang der 1980er Jahre zusammen: Bei einer in Gewalt ausartenden Demonstration in Rom bringen Giulio (Francesco Centorame) und Paolo (Andrea Pittorino) den von einer verirrten Kugel schwer verletzten Riccardo (Matteo De Buono) in ein Krankenhaus. Die drei werden zu Freunden. Bald stößt auch noch die etwa gleichaltrige Gemma (Alma Noce) zu dem Teenager-Trio.

    Fortan werden Rivalitäten, Schicksalsschläge, sich auseinanderentwickelnder Wohlstand sowie unterschiedliche Lebenseinstellungen die ineinander verschlungenen Wege der vier in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder auseinanderdriften lassen. Bis sie sich am Ende doch wieder mit dem titelgebenden Trinkspruch zuprosten werden…

    Eine Verbeugung vor Scola & Fellini

    Beim Plot und der Erzählstruktur beruft sich Muccino auf Ettore Scolas Freiheitskämpfer-Drama „Wir hatten uns so geliebt“ aus dem Jahr 1974. Darüber hinaus zollt er in „Auf alles, was uns glücklich macht“ aber auch noch anderen berühmten italienischen Filmemachern Tribut. Besonders augenfällig ist etwa ein direktes Zitat der legendären Trevi-Brunnen-Szene mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni aus Federico Fellinis Über-Meisterwerk „Das süße Leben“.

    Der Vergleich mit seinen Vorbildern fällt für Muccino allerdings nicht in allen Punkten schmeichelhaft aus. Sicher, die Erzählweise, die den Werdegang des Quartetts schlaglichtartig beleuchtet, führt fast notwendigerweise zu gewissen Leerstellen. Trotzdem hätte man zum Beispiel gern erfahren, wie Giulio (als Erwachsener: Pierfrancesco Favino) seinen Schwiegervater in spe, den korrupten Ex-Minister Angelucci (Francesco Acquaroli), vor Gericht rauspaukt.

    ... stoßen sie am Ende doch wieder gemeinsam an - und zwar "auf alles, was uns glücklich macht".

    Überdies fällt die Figurenzeichnung recht klischeehaft aus. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Giulio etwa entfernt sich immer weiter von seinen jugendlichen Idealen und schwingt sich vom Pflichtverteidiger zum Bonzenanwalt auf. Schöngeist Paolo (Kim Rossi Stuart) dagegen bleibt sich treu und findet schließlich als Lehrer eine erfüllende Beschäftigung. Riccardo (Claudio Santamaria) wiederum ist ein Träumer, der nichts so recht zustande bringt. Die spannendste Figur ist indes Gemma (Micaela Ramazzotti), die früh ihre Eltern verliert und nach einem Zickzack-Kurs im Leben und in der Liebe auf überzeugende Weise zu sich selbst findet.

    Auch sonst trägt Muccino lieber dick als tief auf. Das mitunter arg theatralische Spiel des Ensembles mag noch als italienisches Temperament durchgehen. Für den aufdringlichen schwülstig-sentimentalen Score, der auf Dauer nervt, gibt es dagegen eher keine befriedigende Entschuldigung.

    Ein Wellensittich als Wächter der Zeit

    Andererseits gelingen dem Regisseur auch ganz wunderbare Momente. Wenn die Teenager in der Anfangsphase ihrer Freundschaft in einem selbst wieder flottgemachten Cabrio auf eine Spritztour gehen, kommt ihr jugendliches Lebensgefühl in der sommerlichen Sequenz grandios rüber. Überaus gelungen auch eine Szene, in der sich Gemma und Paolo in der Oper wiederfinden – und Paolos Wellensittich aus Jugendtagen auf wunderbar magische Weise eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit schafft. Nicht nur hier hat Kameramann Eloi Moli großartige Arbeit geleistet. Seine farbenprächtigen Bilder sind schließlich das größte Pfund, mit dem der Film wuchern kann.

    Fazit: Mit „Auf alles, was uns glücklich macht“ entwirft Gabriele Muccino ein ebenso bildstarkes wie lebenspralles Langzeit-Porträt eines Freunschafft-Quartetts, das im Detail etwas oberflächlich bleibt und dessen vielfältigen thematischen Aspekte oft arg schnell abgehandelt werden.

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