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    Prey
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Prey

    Mit Netflix auf Menschenjagd in deutschen Wäldern

    Von Daniel Fabian
    Das deutsche Genre-Kino lebt, woran aktuell auch der Streamingdienst Netflix einen großen Anteil hat. Denn dort wurden zuletzt immer mehr Stoffe umgesetzt, die es bei Filmförderung oder TV-Redaktionen womöglich schwer gehabt hätten – vom Mystery-Megahit „Dark“ über die apokalyptische Sci-Fi-Serie „Tribes Of Europa“ und den Superheldenfilm „Freaks“ bis hin zum erst kürzlich erschienenen Vampire-im-Flugzeug-Reißer „Blood Red Sky“. Der nächste Titel in dieser Reihe ist nun „Prey“, der bereits zweite Netflix-Film von Regisseur Thomas Sieben.

    Bereits dessen Entführungs-Thriller „Kidnapping Stella“ landete kurzfristig auf dem Streamingdienst. Im Gegensatz zu seinem Remake von „Spurlos - Die Entführung der Alice Creed“ basiert „Prey“ nun zumindest nicht offiziell auf einem bereits existierenden Werk. Erinnerungen an ähnlich gelagerte Survival-Thriller dürften sich trotzdem bei vielen schnell einstellen – und damit meinen wir weniger ausgefallene, viel diskutierte Werke wie „The Hunt“, sondern vor allem die übliche Survival-Durchschnittskost wie „Red Dot“. Denn „Prey“ zieht ebenfalls erstaunlich wenig Spannung aus seinem Szenario um einen mysteriösen Schützen, der seine Opfer in der deutschen Wildnis ins Visier nimmt.

    Gerade noch Party - und jetzt plötzlich auf der falschen Seite des Laufs eines Scharfschützengewehrs...


    Bevor Roman (David Kross) vor den Altar tritt, ist noch einmal Männer-Zeit angesagt. Mit einem Abenteuer-Trip will er vom Leben als Junggeselle Abschied nehmen – und macht sich dafür mit seinem Bruder Albert (Hanno Koffler) und seinen Freunden Peter (Robert Finster), Vincent (Yung Ngo) und Stefan (Klaus Steinbacher) auf den Weg in die Pampa.

    Dort hat die Clique anfangs noch Spaß, man fährt Kajak und blödelt im Wasser umher. Das Idyll wird allerdings jäh gestört, als die lustige Truppe plötzlich einen Schuss hört. Doch die Unruhe legt sich gleich wieder. Vielleicht ist ja Jagdsaison? Doch nach einigen weiteren Schüssen wird den Männern bald klar: Jemand hat sie ins Visier genommen…

    Viel Spaß, aber wenig Spannung


    Trotz der namhaften Besetzung wird früh klar, dass der Hauptdarsteller in Wahrheit der deutsche Wald ist. Kameramann Andreas Berger („Vincent will Meer“) fängt die in Herbstfarben erstrahlenden Wälder stimmungsvoll ein und gibt einem das Gefühl, selbst vor Ort zu sein, das durchnässte Laub zu riechen und die kalte Luft durch die Lungen zu jagen. Es ist nass, kalt und ungemütlich. Gleichzeitig lädt der Blick über die in Nebelschwaden gehüllten Baumwipfel aber auch zum Schwelgen ein. Am liebsten wäre man selbst mittendrin und würde die malerische Natur genießen – allerdings nicht unbedingt mit diesen „Freunden“.

    Wenn sich die Burschen im Wasser austoben und nach einem kurzen Blick aufs Mobiltelefon – trotz Handyverbot! – direkt scherzen, dass sie „zu wenig Nacktbilder“ geschickt bekämen, dann klingt das auf dem Papier zwar nach einem unbekümmert-spaßigen Frei-Schnauze-Männerausflug. So richtig abkaufen will man der Runde allerdings nicht, dass sie wirklich eine gute Zeit hat. Dies liegt zwar auch daran, dass zwischen Roman und Albert längst nicht alles so harmonisch ist, wie es zunächst den Anschein hat. Aber auch darüber hinaus fühlt es sich an, als wäre der ganze Spaß eben nur vorgegaukelt. Dem Schauspielgespann fehlt die Chemie und der Freundschaft der Figuren damit die Authentizität. So fällt es erstaunlich schwer, mit den Abenteurern zu sympathisieren – oder mit ihnen mitzufiebern, wenn sie später um ihr Leben kämpfen.

    Die Gejagten werden zwar alle von tollen Darstellern gespielt - aber die Daumen drückt man ihnen in "Prey" trotzdem nicht unbedingt.


    Selbst wenn die Spannungskurve nach der ersten Konfrontation mit dem geheimnisvollen Schützen kurzzeitig nach oben schießt, ist es mit diesem Mitfiebern leider genauso schnell auch schon wieder vorbei. Je näher „Prey“ nämlich der finalen Auflösung hinter der gnadenlosen Hetzjagd kommt, desto mehr versinkt der Film in Klischees – vom fehlenden Handy-Empfang bis hin zu vermeintlich zwielichtigen Figuren, die derart offensichtlich nur einem späteren Twist dienen, dass man diesen selbst im dichtesten Wald auf mehrere Kilometer Entfernung erspäht.

    Die atmosphärischen Bilder suggerieren in einzelnen Momenten zwar immer wieder so etwas wie Spannung – vor allem sobald dazu auch noch der nervenaufreibend-pulsierende Score einsetzt. Doch diese stark inszenierten Augenblicke können am Ende auch nicht über die sich häufenden Drehbuchschwächen und Logiklöcher hinwegtäuschen. Und dann ist da noch die vermeintlich große finale Enthüllung, die nicht nur ziemlich plump ausfällt, sondern dazu auch noch mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.

    Fazit: Trotz stimmungsvoller Momente und malerischer Settings ist „Prey“ am Ende nur wenig spannend, was auch daran liegt, dass einen die Protagonisten von Beginn an ziemlich kalt lassen.

     

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