Zum Glück habe ich den Film dieses Mal nicht im Kino gesehen, obwohl ich es erst bereut habe.
Es bleibt zwar nach wie vor ein grandioses Ereignis, wenn Christopher Nolan einen neuen Film veröffentlicht, aber leider nicht dieses Mal. Der britische Filmemacher, der für Meisterwerke wie "The Dark Knight", "Inception" oder "Interstellar" verantwortlich ist, liefert mit "Oppenheimer" seinen zwölften Langfilm ab. Man kann schon mal festhalten, dass Nolan im Grunde kaum von seinem bisherigen Handwerk abweicht und dass Personen, die bisher nichts mit dem Filmemacher anfangen konnten, auch mit diesem Film nicht warm werden. Aber das ist leider noch nicht alles, da dieses wohl Nolans unangenehmster Film ist, der sich stark an der oberflächlichen Hollywood-Agenda orientiert und lediglich seine historische Vorlage als Konstrukt nimmt.
Kleiner Handlungsauschnitt: Der zweite Weltkrieg steht vor der Tür. Während die Nazis an einer Bombe basteln (mit mindestens 18 Monaten Vorsprung!), rekrutieren die USA unter diesem Vorwand renommierte Wissenschaftler, die ebenfalls an einer Bombe arbeiten sollen, die sie gegen die Nazis einsetzen wollen. So kommt Robert Oppenheimer auf die Bildfläche, der die Leitung über das "Manhattan-Projekt" übernimmt und nun an der Entwicklung der Atombombe beteiligt ist. Obwohl wir es hier mit einem historischen Drama zutun haben, den der Filmemacher auch gerne mit den üblichen westlichen Stilmitteltrends ausschmückt, basiert der Film nicht auf eine chronologische Erzählung. Das könnte zunächst für den ein oder anderen verwirrend sein, leuchtet aber im Laufe des Filmes ein. So bleibt man mehr oder weniger gut fokussiert, was man in den drei Stunden auch sein muss, was aber auch aus dramaturgischer Sicht ebenfalls mehr oder weniger Sinn macht, da sich so alles im Finale auf die Höhepunkte der Zeitebenen konzentriert. Dabei vertauscht Nolan auch die üblichen Stilmittel und taucht die Gegenwart in Farbe, während die historischen Ereignisse, die nach der Zündung der Bombe spielen, in schwarzweiß gehalten sind. Was für ein Zufall, dass Hans Zimmer für "DUNE" und nicht für Nolans Werk zur Verfügung stand, wodurch der britische Filmemacher den Schweden Ludwig Göransson einstellte. Ein weiterer Sargnagel? An vielen Stellen fühlt man sich an Zimmer erinnert, dennoch ist Göranssons Stil leider nicht hibreichend packend. Der Schnitt ist sehr rasant und schnell, besonders zu Beginn, was eine gewisse, unnötige Unruhe verschafft. Hierdurch findet sich ebenfalls eine Schwäche. In Gesprächen wird schlicht immer nur auf die Person gehalten, die gerade spricht, anstatt die Reaktion des Gegenüber einzufangen. Nolan hat jedoch fast vollständig auf Effekte verzichtet und hat so gut wie alles auch tatsächlich gedreht. Leider ist daher der Film entgegen einigen Meinungen handwerklich gesehen absolut kein Meisterwerk und dies ist ebenfalls auf das Drehbuch zu beziehen.
Die Dialoge selbst sind weitestgehend stimmig und gut geschrieben. Die Höhepunkt des Filmes sind spannend gestaltet, gühlen sich aber manchmal an wie "gewollt und nicht gekonnt". Der Test der Atombombe ist jedoch ein wahrnehmbarer Höhepunkt.
Darstellerisch könnte der Filmüberzeugen. Nolan hat einige populäre Schauspieler versammelt und sie teilweise in kleine Rollen gesteckt. Cillian Murphy übernimmt die Hauptrolle des Nolan Films. Er zeigt sich als guter Cast für Oppenheimer und spielt die Rolle sympathisch, zurückhaltend, zielstrebig und zerrissen. Robert Downey Jr., der Ironman-Darsteller, gibt eine gute Performance ab und ist gelungen als Oppenheimers Kontrahent. Etwas schwach ist Matt Damon, der als General immer wieder auf dem Grad der Sympathie und Antipathie zu jonglieren versucht. Weitere Schauspieler sind in dem Film dabei, wie . Emily Blunt, Josh Hartnett, Dane DeHaan, David Dastmalchian, Jason Clarke, Kennath Branagh, Alden Ehrenreich, Benny Safdie, Gary Oldman, Rami Malek, Casey Affleck oder Matthew Modine.
Fazit: "Oppenheimer" ist keinesfalls das nächste Nolan-Meisterwerk. Trotz der gewohnten Handschrift, sticht der Film leider nicht aus seiner Filmografie heraus. Ein veraltetes Drehbuch, ein ausbaufähiges Handwerk und aber gute Darsteller ergeben halt kein Meisterwerk. Vielleicht besinnt sich der Brite das nächste Mal die westlich geprägten Geschichtsressentiments auszulassen und sich sachlich auf eine spannende und unterhaltsame Story zu konzentrieren.