Jurassic World: Die Wiedergeburt
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Jurassic World: Die Wiedergeburt

Der beste Film der Reihe seit mindestens 28 Jahren!

Von Christoph Petersen

„Monsters“ hat uns 2010 dermaßen umgehauen, dass die FILMSTARTS-Redaktion sogar eine deutschlandweite Preview-Reihe zu dem Kreaturen-Actioner veranstaltete: Trotz eines Mini-Budgets von 500.000 Dollar stellte die Independent-Produktion – nicht nur in Sachen Spezialeffekte – selbst die meisten Studio-Blockbuster mühelos in den Schatten. Das war vor allem einem Mann zu verdanken: Gareth Edwards verantwortete nicht nur Drehbuch, Regie und Kamera, sondern schuf auch die zahlreichen spektakulären Computereffekte – und zwar mit handelsüblichen Schnittprogrammen statt millionenteurer Spezialsoftware. Im Anschluss an unsere Vorführungen gelangten die Diskussionen mit Fans immer wieder an denselben Punkt: Nach „Monsters“ ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Gareth Edwards einen „Jurassic Park“-Film übernimmt!

Stattdessen ging es für Edwards aber erst einmal mit „Godzilla“ und „Rogue One: A Star Wars Story“ weiter, während Colin Trevorrow die Aufgabe zufiel, die unfassbar erfolgreiche „Jurassic World“-Reihe zu verantworten – bis er sie mit „Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter“ selbst in eine Sackgasse manövrierte: Der krampfhafte Versuch, die Ur-Giganten in eine globale Blockbuster-Saga nach dem Vorbild von James Bond zu pressen, war der bisherige Tiefpunkt der gesamten Reihe. Trotz Milliardenumsätzen an den Kinokassen war eine Kurskorrektur also unvermeidlich – und damit ist zumindest schon mal der Titel „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ treffend gewählt. Gareth Edwards stand für diese Aufgabe zwar nur ein deutlich reduziertes Budget zur Verfügung – doch wahrscheinlich war genau das der richtige Weg, um zu den originären Stärken des Franchise zurückzukehren.

Scarlett Johansson hat spürbar einen riesigen Spaß an ihrer Rolle – und der überträgt sich auch aufs Publikum. Universal Pictures
Scarlett Johansson hat spürbar einen riesigen Spaß an ihrer Rolle – und der überträgt sich auch aufs Publikum.

Martin Krebs (Rupert Friend) strebt mit seinem Pharma-Konzern nach einem neuen Herzmedikament – und damit nach Gewinnen in Billionenhöhe. Aber dafür braucht er zunächst Blutproben von drei ganz besonderen Kreaturen – dem größten Wassersaurier, dem größten Flugsaurier und dem größten Landsaurier. Das Problem ist nur: 32 Jahre nach der Rückkehr der Saurier leben die meisten von ihnen nur noch auf Inseln in der Nähe des Äquators – deren Betreten strengstens untersagt ist. Da kommt die Security-Expertin Zora Bennett (Scarlett Johansson) ins Spiel. Für ein stattliches Honorar stellt sie ein Team um den Schiffskapitän Duncan Kincaid (Mahershala Ali), den Waffenexperten Bobby Atwater (Ed Skrein) und den Paläontologen Dr. Henry Loomis (Jonathan Bailey) zusammen, um dennoch an das begehrte Plasma zu gelangen.

Parallel unternimmt der geschiedene Vater Reuben Delgado (Manuel Garcia-Rulfo) mit seinen Töchtern Teresa (Luna Blaise) und Isabella (Audrina Miranda) sowie seinem Hoffentlich-nicht-bald-Schwiegersohn Xavier (David Iacono) einen Segeltörn auf dem Ozean, der jäh von einer Saurierattacke unterbrochen wird. Während Pharma-Martin darauf pocht, die Mission unbeirrt fortzusetzen, entscheidet Söldner-Zora, auf das Notsignal der gekenterten Familie zu reagieren. Aber das ist nur das erste von vielen unerwarteten Hindernissen – denn auf der Insel hausen nicht nur die „üblichen“ Saurier, sondern auch einige genetische Abarten, die hier bis zu einem Snickers-Zwischenfall vor 17 Jahren herangezüchtet wurden, um dem ausbleibenden Dinopark-Publikum frische Attraktionen bieten zu können…

Zurück zu den Wurzeln

Mit Produktionskosten von 432 Millionen Dollar steht „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auf Platz 2 der Wikipedia-Liste der teuersten Filme aller Zeiten – nur „Star Wars 7: Das Erwachen der Macht“ hat demnach nochmal 15 Millionen Dollar mehr verschlungen. Im direkten Vergleich wirkt das kolportierte Budget von „nur“ 180 Millionen Dollar für „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ also fast bescheiden. Aber man darf eben auch nicht vergessen, dass Gareth Edwards mit seinem Science-Fiction-Epos „The Creator“ zuletzt – für gerade einmal 80 Millionen Dollar – einige der bestaussehenden Effekte aller Zeiten abgeliefert hat. Und tatsächlich: Mit ganz wenigen Ausnahmen – wie einer videospielhaften Abseilszene – sieht „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ absolut großartig aus. Vor allem das Zusammenspiel aus überwiegend handgemachten Vordergründen sowie per Computer hinzugefügten Dinosauriern erinnert wieder viel mehr an die von Steven Spielberg geprägte „Jurassic Park“-Ära der Neunziger statt an die CGI-Gigantomanie der bisherigen „Jurassic World“-Trilogie.

Zumal Gareth Edwards auch bei der Inszenierung der Setpieces eine Kehrtwende hinlegt, denn statt um pure Zerstörungsorgien geht es (endlich) wieder um möglichst kreative Einfälle: Wo Colin Trevorrow zuletzt halbe Städte in Schutt und Asche legte, um noch irgendeine Reaktion aus dem Publikum herauszukitzeln, reicht Edwards ein simples gelbes Gummiboot, um gleich mehrere potenziell ikonische Einstellungen zu generieren – bis hin zu einem T-Rex-Verschwinde-Trick, der selbst einem David Copperfield alle Ehre machen würde. Am atmosphärischsten bleiben dabei die Szenen im Rauch oder Nebel – spätestens seit dem Fallschirmsprung aus „Godzilla“ ein Markenzeichen des Regisseurs. Auch diesmal dauert es nur wenige Sekunden, bis sich nach einer unachtsam entsorgten Snickers-Verpackung ein D-Rex aus den rötlichen Schwaden an sein längst verdammtes Opfer heranschleicht.

Der rote Rauch ist inzwischen fast schon so etwas wie ein Markenzeichen von Regisseur Gareth Edwards! Universal Pictures
Der rote Rauch ist inzwischen fast schon so etwas wie ein Markenzeichen von Regisseur Gareth Edwards!

Apropos D-Rex: Auch wenn es in „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ insgesamt zurück zu den Wurzeln geht, wird auf gentechnische Neuzüchtungen dennoch nicht verzichtet. Aber ganz ehrlich: Der extra für den Film geschaffene „Endgegner“ sieht nicht mal halb so gut (und einschüchternd) aus wie der T-Rex, der zwischendurch mal für eine hochtourige Wildwasser-Verfolgungsjagd vorbeischaut. Weitaus charmanter ist da schon der Bonsai-Dino Dolores, den Isabella in ihrem Rucksack mit sich herumschleppt: ein winziger Aquilops, offensichtlich designt fürs Merchandise-Regal, aber dafür auch wirklich niedlich. (Und: Aquilops wurden tatsächlich nicht größer als 60 Zentimeter.)

Sowieso hat Gareth Edwards eine Menge Spaß mit solchen kleinen Einwürfen – vom augenzwinkernden Umgang mit Süßigkeiten-Product-Placements (bei den Snickers ist noch längst nicht Schluss!) bis hin zu zahllosen Easter Eggs, die auf frühere Teile der Reihe zurückverweisen: So werden wir 32 Jahre nach dem dreifach oscarprämierten Original auch diesmal wieder daran erinnert, dass „Objekte im Rückspiegel näher sind, als sie erscheinen“…

Eine Fetch Quest in Spielfilmlänge

Man kennt das vor allem aus Computerspielen, wo man öfter mal sogenannte Fetch Quests bekommt, etwa zum Brauen eines Trankes vorher noch die Zutaten X, Y und Z einsammeln muss. „Jurassic Park“-Originalautor David Koepp macht nun gar keinen Hehl daraus, dass der Blutproben-Gimmick einzig und allein dazu da ist, die Figuren mit den jeweils größten Dinos aus Wasser, Luft und Erde zu konfrontieren. Aber mehr Plot braucht ein „Jurassic“-Film ehrlich gesagt auch nicht. Wirklich schade ist hingegen, wie viel Potenzial der Film im Zwischenmenschlichen ungenutzt liegen lässt: Wenn man eine Familie in einen solchen Action-Blockbuster hineinschmeißt, dann natürlich, um allen im Publikum einen Identifikationsanker bieten zu können. Aber meist sind solche Figuren dann doch ein bisschen nervig – und das ist jetzt auch in „Die Wiedergeburt“ nicht anders, selbst wenn das absolut nicht an den Darsteller*innen liegt.

Der Cast ist nämlich durch die Bank verdammt gut drauf. Vor allem Scarlett Johansson („Der Phönizische Meisterstreich“), ein bekennender Mega-Fan der Reihe, merkt man ihre gewaltige Freude an, bei dem Projekt dabei sein zu dürfen. Wenn sie weiter gemütlich ihre Cornflakes schlürft, während sich ihre männlichen Mitstreiter mal wieder in die Haare bekommen, nimmt man ihr ihre absolute Autorität in der Gruppe trotzdem voll ab – was auch an ihrer empathischen Schlagfertigkeit liegt. Welch großartige Kabbeleien hätte es da etwa zwischen Zora und Duncan geben können? Aber Pustekuchen: Stattdessen muss sich die Söldnerin mit Herz in hölzernen Moraldebatten darüber unterhalten, ob man das Herzmittel wirklich Big Pharma überlassen oder nicht lieber der Allgemeinheit zur Verfügung stellen sollte. Schade.

Fazit: „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ macht seinem Titel alle Ehre! Nach dem völlig überfrachteten „Jurassic World: Dominion“ bringt „Monsters“-Mastermind Gareth Edwards die Reihe wieder in die rechte Spur – mit einigen der bestinszenierten Setpieces der gesamten Reihe. Für die rein menschlichen Szenen gibt es dennoch klare Abzüge in der B-Note – gerade angesichts des grandios aufgelegten Ensembles, angeführt von der großartigen Scarlett Johansson, wäre hier definitiv noch einiges mehr drin gewesen. Trotzdem ist dieser siebte Dino-Blockbuster der beste Teil der Reihe seit „Vergessene Welt“ – wenn nicht gar seit dem unerreichbaren Original von 1993.

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