"Thunderbolts" soll der "Toy Story 3" des MCU werden: Das steckt hinter dem ungewöhnlichen Vorbild für den Marvel-Blockbuster
Patrick Fey
Patrick Fey
-Freier Autor
Patrick Fey ist freier Autor und in dieser Funktion unter anderem auch als Filmkritiker für FILMSTARTS.de tätig.

Nachdem Regisseur Jake Schreier zuletzt mit der beliebten Netflix-Serie „Beef“ auf sich aufmerksam machte, setzt Marvel nun große Hoffnung in das von ihm inszenierte „Thunderbolts*“. Hauptdarstellerin Florence Pugh zeigt sich schon mal begeistert.

Von der Superhelden-Müdigkeit zu sprechen ist schon seit einer Weile zum Klischee verkommen. Angesichts der verhältnismäßig niedrigen Einspielergebnisse, die Marvels „Captain America: Brave New World“ derzeit vorweist, kommt man aber kaum daran vorbei, dazu zu sprechen bekommen.

Zu einer Zeit, da viele in den Comic-Blockbustern eine gewisse Formelhaftigkeit zu erkennen glauben, stechen demzufolge gerade jene Filme heraus, die sich daran versuchen, ein bisschen frischen Wind in das Genre zu bringen. Ein Beispiel dafür, wie das aussehen könnte, zeigte zuletzt der allerlei Fanwünsche erfüllende Mega-Hit „Deadpool & Wolverine“, der 2024 mit Einnahmen von mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar immerhin zum zweiterfolgreichsten Film des Jahres avancierte.

Ein weiterer Marvel Film – und doch ganz anders?

Wenngleich fraglich ist, ob der bereits am 1. Mai 2025 anlaufende „Thunderbolts“ ohne Superstars wie Hugh Jackman und Ryan Reynolds und deren ikonische Figuren ähnliche finanzielle Sphären erreichen kann, scheint sich Marvel mit seiner neuen Superhelden-Truppe aktiv darum zu bemühen, aus den gängigen Erzählungen auszubrechen.

Immerhin stellt Regisseur Jake Schreier darin eine Gruppe von Anti-Helden und Schurkinnen in den Mittelpunkt. Wie Schreier dem Magazin Empire verriet, habe es für ihn daher vom Mega-Konzern Disney insbesondere eine Vorgabe gegeben: „Mach etwas Anderes“. Gesagt, getan, könnte man da sagen, zumindest, wenn man „Black Widow“-Darstellerin Florence Pugh glaubt, die das Projekt in selbigem Empire-Artikel als „ziemlich badass“ beschreibt.

Überaschende Vorbilder für "Thunderbolts"

Es fühle sich wie ein „A24-Assassinen-Film mit Marvel-Superhelden“, so Pugh weiter, und verweist damit auf das beliebte Indie-Studio, das in den letzten Jahren allein gefeierte Filme wie den Oscar-Gewinner „Everything Everywhere All at Once“, „Civil War“ oder auch „Midsommar“ hervorbrachte. Letzter übrigens mit Pugh in der Hauptrolle. Die künstlerische Handschrift Schreiers, der erstmals durch den beliebten Indie-Film „Robot & Frank“ von sich Reden machte, trete somit deutlich hervor.

Schreier hingegen benennt, wie in einem weiteren Empire-Bericht zu lesen ist, eine ganz eigene Reihe an Filmen, die ihn für den speziellen Ton in „Thunderbolts“ beeinflusst hätten. Da wären etwa Quentin Tarantinos brutaler Debütfilm „Reservoir Dogs“, aber auch John FrankenheimersRonin“ mit Robert De Niro und „Mission: Impossible - Phantom Protocol“ mit Tom Cruise.

Dann aber lässt Schreier noch einen weiteren Titel fallen, der zunächst äußerst ungewöhnlich anmutet: „Toy Story 3“. Wie genau er darauf kommt? Nun, da gebe es dieses gemeinsame Gefühl unter den Figuren, die Angst davor, entbehrlich, wenn nicht gar nutzlos zu sein.

Wenn aus Mördern Helden werden

Denn wie Woody, Buzz und Co. würden auch die Thunderbolts mit ihrer Bedeutungslosigkeit ringen. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Schreier an eine ganz besonders herzerwärmende Szene aus „Toy Story 3“, in dem die Spielzeuge der drohenden Zerstörung durch die Verbrennungsanlage einer Mülldeponie entgehen müssen. Jene Szene funktioniere nur so gut, so Schreier, „da man diese Figuren so ins Herz geschlossen hat“.

Hier die besagte Szene aus „Toy Story 3“:

Mit jener zusammengewürfelten „Thunderbolts“-Truppe verhalte es sich ganz ähnlich. Da ist die von Florence Pugh gespielte Yelena Belova aka Black Widow, Sebastian Stans traumatisierter Bucky Barnes, Wyatt Russells gefallener Captain America John Walker, Hannah John-Kamens geisterhafte Antagonistin Ghost sowie David Harbours schroffer Red Guardian.

Und dann ist da noch der von Lewis Pullman gespielte „Bob“, über dessen Hintergrundgeschichte offiziell ein großes Fragezeichen hängt. Es ist ein Haufen gescheiterter Ex-Killer und Mörderinnen, die eigentlich keine Helden sind, keine Heldinnen sein sollten. Genau das ist es aber, was nun von ihnen erwartet wird.

Ob „Thunderbolts“ tatsächlich den emotionalen Nerv eines „Toy Story 3“ trifft, bleibt abzuwarten. Doch mit seiner Indie-Ästhetik und dieser besonderen Gruppe von Außenseitern, die dazu gezwungen sind, sich irgendwie zusammenraufen, könnte dieser Marvel-Film genau jene Superhelden-Fans ins Kino locken, die „Captain America: Brave New World“ zuletzt fernblieben.

Unabhängig davon, wie sich „Thunderbolts“ an den Kinokassen schlagen wird, macht sich der dem Marvel-Studio vorstehende Micky-Mouse-Konzern Disney stets Gedanken darum, wie man die eigene Marke noch breiter Aufstellen kann. Nun machte eine Nachricht die Runde, der zufolge man bei Disney neben „Star Wars“ und dem MCU ein weiteres großes Kino-Universum aufbauen möchte. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Kommt ein gigantisches Disney-Kino-Universum auf uns zu? "Star Wars"- und Marvel-Experte soll für Erfolg sorgen

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