Martin Scorsese zählt ohne Zweifel zu den größten Filmemachern aller Zeiten. Meisterwerke wie „Taxi Driver“ oder „GoodFellas“ sichern ihm wohl auf ewig einen Platz im Pantheon der Regie-Legenden. Dabei musste der 82-Jährige in seiner langen Karriere so manchen Rückschlag verkraften: Mit „New York, New York“, „Wie ein wilder Stier“ und „The King Of Comedy“ drehte er etwa gleich mehrere Flops in Folge. Auch spätere Regiearbeiten wie „Bringing Out The Dead“ – den Nicolas Cage zu den besten Filmen seiner Karriere zählt – oder „Silence“ gingen im Kino gnadenlos unter.
Und dann ist da noch eine TV-Serie, in die Scorsese im Jahr 2016 involviert war: „Vinyl“. Es war niemand Geringeres als Mick Jagger, der das Projekt an den Oscar-Preisträger („Departed – Unter Feinden“) herantrug – schließlich dreht sich die HBO-Produktion um die pulsierende Musikszene New Yorks in den 1970er-Jahren, in der sich der Rolling-Stones-Frontmann natürlich bestens auskennt.
Scorsese und Jagger hatten bereits für den Konzertfilm „Shine A Light“ (2008) zusammengearbeitet, und so sagte der musikbegeisterte Regisseur kurzerhand zu, sich nicht nur als ausführender Produzent an der Serie zu beteiligen, sondern auch gleich die Pilotfolge zu inszenieren. Der „Killers Of The Flower Moon“-Schöpfer steckte also jede Menge Herzblut in „Vinyl“, und HBO nahm eine ziemliche Stange Geld in die Hand, um ein möglichst hochwertiges Ergebnis zu garantieren: 100 Millionen US-Dollar ließ sich der Sender die zehn Epioden der ersten Staffel kosten.
Umso enttäuschender war es für Scorsese, dass die Serie nur wenig Anklang beim Publikum fand. Zwar bestätigte HBO zwischenzeitlich eine zweite Season, doch zwei Monate nach der Ausstrahlung der Auftaktstaffel wurde diese Entscheidung rückgängig gemacht – die Zuschauerzahlen hatten einfach nicht ausgereicht, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen, die der Sender für eine Fortsetzung hätte tätigen müssen.
Wäre "Vinyl" erfolgreicher gewesen, wenn Martin Scorsese jede Folge inszeniert hätte?
Scorsese führt den Misserfolg von „Vinyl“ nicht zuletzt darauf zurück, dass sie auch künstlerisch nicht ganz seinen Ansprüchen genügte. Der Hollywood Reporter zitierte das „Casino“-Mastermind mit folgenden Worten:
„Es war tragisch für mich, weil wir es ein Jahr lang versucht haben. Ich habe den Piloten gedreht. Wir haben ein Jahr lang mit HBO alles versucht, aber wir konnten die einzelnen kreativen Elemente nicht zusammenbringen. Ich erkannte, dass ich, um es richtig zu machen, wahrscheinlich jede Episode hätte selbst inszenieren und drei bis vier Jahre vor Ort sein müssen.“
Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob es das Ruder komplett hätte herumreißen können, wenn Scorsese die gesamte Serie selbst inszeniert hätte – besser geworden wäre sie so wahrscheinlich schon. Andererseits hätte ein so zeitaufwändiges Engagement vermutlich bedeutet, dass Scorsese den einen oder anderen Film weniger hätte drehen können. Für Kinofans war es also ein Gewinn, dass das ehrgeizige Serienprojekt die hohen Erwartungen letztendlich nicht erfüllen konnte...
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