Einer der wichtigsten deutschen Kultfilme kehrt ins Kino zurück: Wie "Lola rennt" auch heute noch das Publikum mitreißt!
Asokan Nirmalarajah
Asokan Nirmalarajah
-Freier Autor und Kritiker
Asokan schreibt seit 2011 für FILMSTARTS. Seine Liebe zum Kino begann mit den "Turtles" (1989). Später fand er im zarten Alter von 14 Jahren durch die "Der Pate"-Trilogie zu seinem Lieblingsgenre, dem Gangsterfilm. Darüber hat er sogar ein Buch geschrieben.

Der deutsche Film erhielt 1999 eine Adrenalinspritze ins Herz – in Gestalt von Tom Tykwers wild-romantischem Thriller, in dem eine unsterbliche Liebe mit den Tücken des Schicksals ringt. Den virtuos-coolen Kultfilm gibt es ab 3. Juni wieder im Kino!

1999 war das Jahr des postmodernen Films. Hollywood-Blockbuster wie „Matrix“, Independent-Geniestreiche wie „Being John Malkovich“ und subversive Kulthits wie „Fight Club“ gaben sich die Klinke in die Hand. Auch aus Deutschland kam ein Film, der ebenso zeitlos geblieben ist wie die genannten Meisterwerke. Nach zwei eher sperrigen, düsteren Beziehungsdramen („Die tödliche Maria“ von 1993 und „Winterschläfer“ von 1997), lieferte der deutsche Regisseur Tom Tykwer mit „Lola rennt“ einen erfrischend leichtfüßigen Thriller ab mit einer trügerisch einfachen Prämisse. Doch was er dann in der 81 Minuten kurzen Laufzeit daraus zu zaubern vermochte, ist eine mitreißende, tief philosophische Verquickung von Kunstkino, Genrekino und Mainstream-Action.

„Lola rennt“ kehrt am 3. Juni 2025 als ein Höhepunkt der „Best of Cinema“-Reihe wieder in die deutschen Kinos zurück. Und trotz der vermeintlich kurzen Laufzeit lohnt sich der Weg ins Kinosaal für alle, die den viel besprochenen Klassiker noch nicht gesehen haben, ebenso wie für diejenigen, die ihn bisher nur daheim sehen konnten, oder einfach mal wieder im Kino schauen wollen. Denn „Lola rennt“ ist so vollgepackt mit cleveren Momenten und surrealen Augenblicken, dass man auch bei mehrmaligem Anschauen immer wieder feine Details und Zusammenhänge finden kann, ganz zu schweigen von den zahlreichen cleveren Filmzitaten, die durchweg eingestreut sind.

Zwar schaffte es „Lola rennt“ 1999 nicht auf die Shortlist der Academy Awards trotz der Nominierung durch den deutschen Vorentscheid, aber die US-Presse war voll des Lobes für Tom Tykwers eigenwilligen Thriller. Am Ende spielte der Film über sieben Millionen Dollar an den US-Kinos ein, was das zweitbeste Ergebnis seit Wolfgang Petersens „Das Boot“ war. Im Anschluss bekam auch Hauptdarstellerin Franka Potente mehr Chancen im US-Kino („Die Bourne Identität“) und -Fernsehen („Dr. House“) und Tom Tykwer drehte US-Filme wie „The International“ und „Cloud Atlas“.

Lola rennt
Lola rennt
Starttermin 20. August 1998 | 1 Std. 21 Min.
Von Tom Tykwer
Mit Franka Potente, Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup
Pressekritiken
4,2
User-Wertung
3,8
Filmstarts
4,5
Im Stream

Auch der Autor dieses Artikels, der die 40 schon überschritten hat, erinnert sich gut, wie die ersten Kritiken zu „Lola rennt“ so sehr von der unkonventionellen Erzählweise und wilden Genre-Mixtur des Films schwärmten. Ich habe ihn damals auch im Kino gesehen und konnte auch danach nicht genug von dem genial konstruierten und detailreichen Film kriegen.

Dabei ist es ein Wunder, dass die wilden Wechsel des Films zwischen unterschiedlichen Ästhetiken (mal wird eine drollige Animationssequenz eingestreut, mal findet man sich in einer in körnigen Handkamerabildern gefilmten Beziehungsszene zwischen zwei untreuen Mitarbeitern wieder, dann wieder wird der Lauf einer Kugel auf einem Roulette-Tisch in schmerzvoll spannender Zeitlupensequenz eingefangen) nicht bemüht wirkt. Alles wirkt ästhetisch verspielt und aufregend, ohne albern zu sein.

Für den notwendigen Ernst, die Erdung der stilistischen Spielereien sorgt die Geschichte im Herzen von „Lola rennt“. Denn der Grund dafür, dass Lola rennt, ist von so einer Dringlichkeit und die Beziehung zwischen Lola und ihrem Freund Manni, den sie um jeden Preis retten will, ist so überzeugend, dass man nicht anders kann als mitzufiebern, selbst wenn dadurch die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt werden. Lola rennt, weil sie liebt, und das über alle Hindernisse hinweg.

Die rote Lola und ihr schusseliger Freund

„Lola rennt“ beginnt seine Geschichte dreimal: Der Auslöser für die Handlung ist ein Anruf. Lola geht an den (wie sollte es auch anders sein) roten Hörer und muss sich anhören, wie ihr panischer Freund Manni (Moritz Bleibtreu) von einem missratenen Deal berichtet. Der Deal an sich lief für den Kleinkriminellen gut, aber Manni war so dämlich, den Beutel mit 100.000 Mark versehentlich in einer Berliner U-Bahn liegen zu lassen. Vermutlich hat ein Obdachloser (Joachim Krol) ihn mitgehen lassen. Manni steht aber jetzt ohne das Geld da, das er seinem Chef Ronnie (Heino Ferch) in 20 Minuten übergeben muss. Sonst drohen ihm tödliche Konsequenzen.

Als Lola dann hört, dass ihr Manni den nächsten Supermarkt ausrauben will, um schnell an das Geld zu kommen, beschließt sie loszurennen, um auf einem anderen Weg das Geld zu beschaffen. Dabei begegnet sie vielen schrulligen Figuren, die alle auch ihre Probleme haben und deren Schicksal durch den Kontakt mit Lola eine neue Richtung bekommt. Denn Lola ist so willensstark, dass auch wenn sie einmal daran scheitern sollte, ihren Manni zu retten, sie sich eine zweite und eine dritte Chance erzwingen, ja geradezu manifestieren kann…

Liebe gegen Schicksal, Romantik gegen Suspense

„Lola rennt“ funktioniert heute genauso gut wie damals, weil im Grunde eine sehr einfache Geschichte erzählt wird. Lola liebt Manni. Manni ist in Gefahr. Lola muss ihn retten, um jeden Preis. Die Reset-Narration des Films, bei der Lola zurück an den Anfang gehen kann, wenn sie bei ihrer Mission ihr Ziel nicht erreicht, erinnert an eine Videospiel-Dramaturgie, bei der die Spielerin Lola bei jedem Restart etwas dazu lernt und neue Wege geht und alte Fehler vermeidet, um an ihr Ziel zu kommen.

Eingestreut werden dazu kurze Überlegungen über Schicksal und Zufall, indem sich wichtige handlungstragende Figuren mit unterschiedlichem Wissensstand über Vergangenheit und Zukunft über den Weg laufen und ihre jeweiligen Pfade unbewusst beeinflussen.

Die kleinste Regung, ein falscher Blick oder ein nettes Wort kann große Auswirkungen für die Betroffenen haben, was in kurzen Polaroid-Foto-Stories bebildert wird. Aber dafür haben wir nur kurz Zeit, denn es geht bei „Lola rennt“ um hohes Tempo und einen zielgerichteten Fokus: Manni retten. Da wirken die im romantischen Rot gehaltenen Bilder von Lolas und Mannis Zweisamkeit im Bett zwischen den drei Episoden geradezu wie eine Oase der Ruhe und des Glücks.

Für den Zuschauer ist es sehr angenehm zu wissen, dass der Filmemacher von „Lola rennt“ bis ins kleinste Detail, und bis zum kleinsten Moment stets weiß was er tut und warum er es tut. So bleibt ein zeitloses Werk postmoderner Filmkunst, das man sich immer wieder anschauen kann, vor allem im Kino.

Die "Best Of Cinema"-Reihe: Großes Kino präsentiert von FILMSTARTS

Tom Tykwers Kultfilm ist natürlich nicht der letzte Film, der in der „Best Of Cinema“-Reihe zu sehen sein wird. Jeden Monat gibt es einen neuen Kultfilm, der deutschlandweit zurück auf die großen Leinwände kommt. Und das Programm ist ebenso hochkarätig wie abwechslungsreich. Weiter geht es so etwa mit „Der letzte Kaiser“. Das komplette Restprogramm für 2025 findet ihr im folgenden Artikel:

Noch 2025 wieder im Kino: Ein monumentales Meisterwerk, ein hochspannender Serienkiller-Thriller und Johnny Depp in seiner schrägsten Rolle

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