Es gab eine Zeit in Hollywood, da war Gary Oldman der Schrecken vieler Filmhelden – und oft die erste Wahl, wenn ein fieser Bösewicht gesucht wurde. Ob skrupelloser Gangster, verrückter Wissenschaftler oder außerirdischer Schurke, Oldman verkörperte sie alle mit Bravour.
Doch wie der Schauspieler kürzlich in einem Interview mit dem US-Branchenmagazin Variety verriet, hatte er irgendwann genug davon, immer nur den Bösen zu spielen.
Ein typisierter "Bösewicht zum Mieten"
Oldman scherzte, dass er eine Weile lang das Aushängeschild eines „Bösewichts zum Mieten“ war und nur für einen bestimmten Rollentyp festgelegt wurde. „Man brauchte einen Bösewicht, und dann hieß es: ,Oh, wir holen Gary.‘ Ich weiß nicht, wie es dazu kam, aber es passierte“, erzählte er Variety. Anfangs machte es ihm auch Spaß, in diese düsteren Rollen zu schlüpfen. Aber mit der Zeit wurde es ihm einfach zu eintönig.
Dabei hat der gebürtige Brite gerade in seinen Schurkenrollen in den 1990er Jahren oft bewiesen, wie wandlungsfähig er ist: 1991 verkörperte Oldman im Politthriller „JFK - Tatort Dallas“ Kennedys mutmaßlichen Mörder Lee Harvey Oswald. In „Bram Stoker‘s Dracula“ stand er 1992 als titelgebende Vampir-Ikone vor der Kamera (siehe Artikelbild oben). Für Luc Besson wurde er in „Léon - Der Profi“ 1994 zum korrupten und drogensüchtigen DEA-Agenten Norman Stansfield und im Sci-Fi-Actioner „Das fünfte Element“ (1997) zum kosmischen Schurken Zorg. Und In „Hannibal“ (2000) wiederum wollte Oldman als entstellter und im Rollstuhl sitzender Mason Verger Rache an seinem Peiniger Hannibal Lecter nehmen (um nur einige Beispiele zu nennen).
Der Wandel zum Charakterdarsteller
Für viele Fans und auch Filmemacher war es eine Überraschung, als Gary Oldman 2005 eine Rolle annahm, die so gar nicht in sein bisheriges Beuteschema passte: die des Commissioner Gordon in Christopher Nolans gefeierter „Dark Knight“-Trilogie. David S. Goyer, der die Drehbücher für „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ schrieb, erinnerte sich, dass er „sehr überrascht“ war, als er von Oldmans Besetzung erfuhr.
Ein Jahr zuvor, 2004, wurde Oldman bereits für die Rolle des Sirius Black in den „Harry Potter“-Filmen besetzt – aus einem scheinbaren Antagonisten in „Der Gefangene von Askaban“ wurde in den darauffolgenden Teilen ein „Harry Potter“-Liebling. Einen weiteren großen Erfolg feierte Oldman 2017 mit seiner Darbietung als Winston Churchill in „Die dunkelste Stunde“, die ihm gar einen Oscar einbrachte.
Genau dieser Wechsel weg vom typischen Rollenbild ist etwas, das erfahrene Filmemacher wie beispielsweise Goyer heute schätzen. Es sei spannend, einen Schauspieler bewusst anders zu besetzen, als man es von ihm erwarte, so Goyer. Das sorge nicht nur für frischen Wind im Film, sondern sei auch für die Schauspieler selbst eine aufregende Herausforderung.
Und Oldman bewies mehrfach eindrucksvoll, dass er nicht nur den Bösewicht spielen kann. Seine oscarprämierte Darstellung als Churchill könnt ihr auf Amazon Prime Video anschauen – und als kleinen Vorgeschmack ist hier der Trailer für euch: