"Hat mich schon als Kind gestört": Eine Sci-Fi-Brille sorgt in "Superman" dafür, dass niemand Clark Kents Geheimnis entdeckt
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Clark Kent muss nur die Brille abziehen – schon ist er Superman und niemand erkennt ihn. Das störte James Gunn aber, weswegen der DC-Macher sich für seinen „Superman“ einer Lösung bediente, die auch in den Comics schon mal Thema war.

„Wie kann es sein, dass niemand merkt, dass Clark Kent Superman ist? Er nimmt nur die Brille ab!“, wunderten sich schon die Figuren der Kult-Serie „Family Guy“ über die vielleicht berühmteste, aber auch offensichtliche Comic-Tarnidentität. Denn während andere Figuren – ob DC-Kollege Batman oder Marvel-Konkurrenz wie Spider-Man – ihr wahres Ich durch Masken verstecken, zeigt Superman traditionell sein Gesicht. Eigentlich müsste also alle Welt bemerken, dass hier ein brillenloser Clark Kent regelmäßig das Cape anzieht und die Welt rettet.

Doch statt das groß zu erklären, spielt eine Serie wie „Lois & Clark“ oder auch Richard Donners „Superman“-Film damit, dass selbst seine große Liebe Lois Lane lange nicht dahinter kommt, dass die beiden wichtigsten Männer in ihrem Leben ein und dieselbe Person sind. Der Superman mit vielen Comics prägende Autor Grant Morrison zeigte sich in der Vergangenheit amüsiert über die Diskussion, appellierte aber daran, es einfach zu akzeptieren. Es gehört für ihn fest dazu, dass Superman als Figur so viel größer als das Leben sei, dass die nur simple Tarnung sogar eine symbolisch wichtige Funktion habe. Es zeige, dass es bei Superman um Ideale und nicht um Realismus gehe.

Doch nicht alle teilen Morrisons Ansatz, der in seinen Comic jegliche Erklär-Diskussion zur Tarnung des Manns aus Stahl verweigerte. Zu den Skeptikern der Brillen-Tarnung gehört auch James Gunn, Regisseur des in Kürze in den Kinos startenden „Superman“. Und er bezieht sich dabei auf eine kurze Phase in den Comics, als Morrisons Vorgänger auch so ihre Probleme mit der Frage hatten, warum zur Hölle niemand Clark Kent erkennt.

Ein Comic-Autor informierte James Gunn über hypnotisierende Brillengläser

Im Interview mit Comicbook.com erinnert sich Gunn daran, dass er bei der Arbeit an „Superman“ auch mal wieder seine Probleme damit hatte: „Ich saß mit Tom King, dem Comicbuch-Autor, zusammen und sagte: ‚Weißt du, was ich einfach nie so richtig in mir selbst vereinbaren kann, ist die Brille, weil mich das als Kind immer gestört hat.‘ Es hat mich gestört, weil ich einfach nicht genug Bereitschaft habe, meinen Unglauben so weit auszusetzen, um das zu glauben.“

Doch King, der mit dem Comic „Supergirl: Woman Of Tomorrow“ die Vorlage zum kommenden „Supergirl“-Film schrieb, konnte Gunn helfen. „Er sagte: ‚Weißt du, dafür gibt es in den Comics eine Antwort; es ist Kanon, dass [die Brillengläser] die Menschen hypnotisieren‘“, erinnert sich Gunn an die Worte seines Gesprächspartners zurück.

Superman
Superman
Starttermin 10. Juli 2025 | 2 Std. 09 Min.
Von James Gunn
Mit David Corenswet, Rachel Brosnahan, Nathan Fillion
User-Wertung
3,0
Filmstarts
3,0

Tom King spielt damit auf das sogenannte Silver Age der Comics an. In dieser Zeit störte viele Autor*innen, dass Comics immer wieder voraussetzen, dass Leser*innen einfach Dinge akzeptieren. So wurden plötzlich Hintergrundgeschichten entwickelt, um Dinge auszuführen und zu begründen. Vermehrt gab es zudem Erklärpanels innerhalb von Storys.

Und dabei passierte es auch, dass im Comic „Superman #330“ aus dem Jahr 1978 enthüllt wird, dass Clark Kents Brille keine herkömmlichen Gläser hat. In dem – perfekt in die damalige Erklärbär-Zeit passenden – Abenteuer denkt Superman selbst darüber nach, wie unwahrscheinlich seine Tarnung ist und wie es sein kann, dass nur die Brille ausreicht, um die Menschen ihn nicht erkennen zu lassen.

So funktioniert Supermans Science-Fiction-Brille

Das Cover der Ausgabe spielt sogar darauf an. Man sieht Superman, wie er eine Brille aufsetzt, um seiner Jugendfreundin Lana Lang zu beweisen, dass er Clark Kent ist. Doch sie streckt ihm ein Foto entgegen und wundert sich, ob er sie auf den Arm nehmen wolle. Schließlich sehe Clark ganz anders aus. Im Rahmen der Comic-Ausgabe, die nicht umsonst auch die Headline „Exklusiv! Supermans Geheimnis gelüftet“ trägt, muss der Held so selbst lernen, dass er, ohne es zu wollen, alle Menschen um sich herum hypnotisiert.

Die Erklärung dafür: Superman trägt eine Science-Fiction-Brille mit Gläsern aus einem sehr speziellen Material, das von seinem kryptonischen Raumschiff stammt. Diese Gläser verstärken unbewusst eine Form von Super-Hypnose, die ohnehin zu Supermans Kräften gehört. Durch diese Hypnose sehen Menschen in Clark Kent nicht Superman, selbst wenn sie Ähnlichkeiten bemerken.

DC Comics
"Superman #330" ist der Comic, der mit einer Sci-Fi-Brille erklärte, warum niemand Clark Kent auf die Schliche kommt.

In den Comics wurde das mit der Zeit aber wieder verworfen. Wie so viele Erklärungen aus jener Zeit gehört er heute ins Reich der Silver-Age-Kuriositäten. Eigentlich verfolgt man wieder den Ansatz, dass es einfach so ist, dass niemand Superman erkannt. Wenn es doch mal einer Erklärung bedarf, gehen modernere Interpretationen wie schon frühere Comics eher auf eine psychologische Schiene. Superman verhält sich als Clark einfach völlig anders, hat eine andere Körperhaltung und andere Stimme. Menschen glauben schlicht nicht, dass ein so unauffälliger Reporter ein Superheld sein könnte.

Darauf spielt auch Richard Donners „Superman“ mit Christopher Reeve an, der ja im selben Jahr wie der Erklärbär-Comic erschien. Clark lässt die Schultern etwas hängen, ändert seine Stimme und schon ist er eine völlig andere Person.

James Gunn hat sich nun trotzdem für die Science-Fiction-Brille entschieden, die in seinem neuen DC-Blockbuster dafür sorgt, dass niemand erkennt, dass Clark Kent (David Corenswet) und Superman (natürlich ebenfalls David Corenswet) dieselbe Person sind. Wie das ausschaut und wie groß es überhaupt thematisiert wird, könnt ihr dann ab dem 10. Juli 2025 in „Superman“ im Kino sehen. Mehr zu einer anderen Frage rund um den Film gibt es im folgenden Artikel:

James Gunn enthüllt neues Bild vom "Superman"-Bösewicht – doch welcher DC-Schurke steckt wirklich unter der Maske?

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