Die Goldene Himbeere, international bekannt als „Razzies“, gilt seit den frühen 1980er-Jahren als berüchtigte Gegenveranstaltung zur glamourösen Oscar-Verleihung. Statt strahlender Ehren und glanzvoller Reden erwartet die Nominierten hier eine satirische Abrechnung mit fragwürdigen Filmleistungen. Wer eine Himbeere mit nach Hause nimmt, hat offiziell das vermeintlich Schlechteste des Kinojahres abgeliefert – und darf sich dennoch über maximale mediale Aufmerksamkeit freuen.
Im Laufe der Jahrzehnte haben die „Razzies“ eine ganz eigene Kultur entwickelt. Manche Hollywood-Größen ignorieren die Schmach, andere zeigen erstaunlich viel Humor. Legendär sind die Auftritte von Sandra Bullock („Verrückt nach Steve“) und Halle Berry („Catwoman“), die beide ihre Preise persönlich entgegennahmen – und das sogar mit einem gewissen Augenzwinkern.
Christopher Walken zu Oscar und Razzie: "Ich möchte sie beide gewinnen"
Doch einer, der den Vogel auf ganz eigene Weise abschoss, war Christopher Walken. Der Oscar-Preisträger (1979 für seine Nebenrolle in "Die durch die Hölle gehen"), dessen Karriere von unvergesslichen Charakterrollen geprägt ist, fand sich im Jahr 2003 in einer durchaus ungewöhnlichen Lage wieder. Einerseits wurde er für seine markante Darstellung in Steven Spielbergs „Catch Me If You Can“ für den Academy Award als bester Nebendarsteller nominiert.
Andererseits landete er auf der Liste der Razzies – als schlechtester Nebendarsteller in der Disney-Produktion „Die Country Bears - Hier tobt der Bär“ (2002). Walken nahm diese kuriose Doppelnominierung jedoch mit der ihm eigenen Mischung aus Ironie und Nonchalance. In einem Interview mit About Film sprach er offen über seine Gefühle – und überraschte mit entwaffnender Ehrlichkeit:
„Nun, ich mochte ‚The Country Bears‘. Und ich fand, dass ich in ‚The Country Bears‘ gut war.“ Auf die Frage, ob ihm die Awards wichtig seien, erklärte er lachend: „Das tue ich. Sehr sogar. Es ist mir wirklich wichtig. Ich möchte sie beide gewinnen.“
Gerade diese Aussagen zeigen, warum Walken im Filmgeschäft bis heute eine Ausnahmefigur darstellt. Während viele Kolleginnen und Kollegen sich distanzieren, sobald ein Film kritisch betrachtet wird, präsentiert er sich als Künstler, der selbst einer Schmäh-Nominierung noch Positives abgewinnen kann. Seine Mischung aus Selbstironie, Gelassenheit und subtiler Koketterie hebt ihn deutlich von anderen ab – und macht den kuriosen Moment einer Razzie-Niederlage fast schon zu einer Anekdote über Würde und Humor in Hollywood.
Angeblich der schlechteste Filme in Walkens Vita: Das sind "Die Country Bears"
Doch was steckt eigentlich hinter „Die Country Bears“? Die Disney-Produktion aus dem Jahr 2002 basiert auf einer der ältesten Attraktionen der Themenparks: dem „Country Bear Jamboree“. Im Film wird die Band der gleichnamigen Bären, die einst große Popularität genoss, aus der Auflösung zurückgeholt, um ein Benefizkonzert zu spielen und ihre legendäre Konzerthalle vor dem Abriss zu retten.
Der Mix aus Realfilm und animatronischen Figuren wirkt dabei gleichermaßen skurril wie charmant, konnte aber weder Kritiker noch Publikum nachhaltig überzeugen (nur magere 29% bei Rotten Tomatoes) und erschien in Deutschland 2003 still und heimlich auf DVD - ohne vorherige Kinoauswertung. Obwohl von Disney produziert, gibt es den Titel auch nicht bei Disney+ zu finden.
Walken verkörperte im Film den exzentrischen Bankier Reed Thimple, der versucht, die Rückkehr der Bären zu verhindern – eine Rolle, die ihm zwar eine Razzie-Nominierung, aber eben keinen Gewinn einbrachte. Der Schmähpreis für die schlechteste Nebenrolle ging an Hayden Christensen für „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“
Nicht alle reagieren so liebenswert und nonchalant auf die Razzies. Eine altehrwürdige Regie-Legende, rechnete ordentlich mit Hollywood ab, nachdem er mehrfach mit dem Anti-Oscar honoriert wurde. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Feige": Regie-Legende bekommt Goldene Himbeere für Sci-Fi-Epos – und rechnet mit Hollywood ab!*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.