Superman, Harry Potter und Co. bald exklusiv bei Netflix? Das steckt dahinter!
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Verliert Hollywood bald eines seiner traditionsreichsten Studios? Die Gerüchte um einen Verkauf von Warner Bros. reißen nicht ab – mit einem angeblichen neuen möglichen Käufer Netflix, was auch große Auswirkungen auf uns Filmfans haben könnte.

Netflix

1903 kamen vier eigentlich aus Polen stammende Brüder auf die Idee, ins Filmgeschäft einzusteigen. Sie erwarben einen der ersten Filmprojektoren, um übers Land zu ziehen, und bewegte Bilder auf Jahrmärkten als Attraktion vorzuführen. Der Grundstein war gelegt und 1923 wurde daraus das Unternehmen Warner Brothers Pictures – heute mit Disney, Universal, Sony und Paramount eines der fünf sogenannten Major Studios in Hollywood. Doch ist die Zeit von Warner bald vorbei?

Schon seit einer Weile machen Gerüchte die Runde, dass Paramount den Konkurrenten schlucken könnte. Das Traditionsstudio mit dem Berg im Logo wurde seinerseits kürzlich übernommen – von Milliardärssohn David Ellison. Der zieht seitdem mit einem dicken Geldbeutel durch Hollywood, hat Will Smith exklusiv unter Vertrag genommen und Timothée Chalamet zum bestbezahlten Jungschauspieler der Geschichte gemacht. Und angeblich plant Ellison ein Kaufangebot für Warner abzugeben. Diese Gerüchte halten sich so hartnäckig, dass in Hollywood jeder davon ausgeht, dass es den Übernahmeversuch zumindest geben wird.

Ob dieser erfolgreich wird, hängt von vielen Faktoren ab. Wie viel will Ellison zahlen? Würden staatliche Stellen einen solchen Zusammenschluss überhaupt genehmigen? Und wie kompliziert wird es, die richtigen Teile aus der sich im Umbruch befindlichen Warner-Mutterfirma Warner Bros. Discovery (mitsamt einer Verteilung der dort vorhandenen hohen Schulden) auszugliedern? Und eine Rolle könnte spielen, ob vielleicht jemand Ellison dazwischenfunkt.

Plant Netflix den großen Warner-Coup?

Dass Warner früher oder später zum Verkauf stehen könnte, deutet sich schon länger an. Vor allem Streamingdienste wie Apple und Amazon wurden als mögliche Käufer gehandelt. Immer wieder gibt es auch Gerüchte, dass sich Google mit dem Erwerb einer solchen Marke breiter aufstellen könnte. Doch bislang dachten alle, dass man viel Zeit hat. Warner solle erst mal die eigene komplizierte Firmen- und vor allem Schuldenstruktur in Ordnung bekommen. Doch wenn Ellison jetzt Ernst macht und ungeduldig ist, müssen womöglich andere reagieren – und da kommt Netflix ins Spiel.

Im Branchennewsletter Puck wird jetzt berichtet, dass man eine „sehr gut platzierte Hollywood-Quelle“ habe, laut derer Netflix darüber nachdenke, ein Angebot für Warner abzugeben. Dass Netflix-Boss Ted Sarandos und Warner-Chef David Zaslav gerade bei einem Boxkampf Seite an Seite gesehen wurde, befeuert die Spekulationen ein wenig. Im Puck-Newsletter wird allerdings zu Recht angemerkt, dass so ein gemeinsamer Auftritt kein hartes Indiz ist, sondern eher geeignet ist, die Vorstellungskraft zu beflügeln.

Apple und Amazon seien laut Puck aktuell nicht bereit, in ein mögliches Wettbieten einzusteigen. Konkurrenz könnten Paramount und Netflix daher allenfalls von NBC Universal erwarten. Dort rechne man gerade, heißt es bei Puck. Doch laut einer Quelle halte man eine Übernahme eher für unmöglich.

Nun fragt sich die eine oder der andere sicherlich, was es überhaupt für uns Filmfans eine Rolle spielen soll, ob Warner verkauft wird und wer es dann erwirbt...

Was würde ein Warner-Verkauf an Paramount bedeuten?

Sollte Paramount Warner übernehmen, hätte es womöglich keine so großen Auswirkungen. Es wäre ähnlich dem Fox-Kauf von Disney vor einigen Jahren. Für die Angestellten beider Firmen wären es schlechte Nachrichten, da sicher einzelne Abteilungen zugemacht bzw. zusammengelegt werden. Ob beide Studios dann sonst nebenher laufen und bestimmte Filme mit Warner-, andere mit Paramount-Logo erscheinen, oder man alles unter einer Marke vereint, bliebe abzuwarten. Aber Paramount will Warner natürlich kaufen, um weiter auch die Warner-Filme zu machen ...

… und natürlich um sich die mächtigen Marken von Warner zu sicher. Das sind allen voran alles rund um DC, das „Harry Potter“-Franchise und „Game Of Thrones“. Für uns dürfte sich dann aber nicht so viel ändern. Am Ende streamt ihr im Zweifel halt die kommende „Harry Potter“-Serie bei Paramount+ statt bei HBO Max / Sky.

Was würde ein Warner-Verkauf an Netflix bedeuten?

Ganz anders könnte dies bei einem Verkauf an Netflix aussehen. Auch dem Streamingdienst dürfte es natürlich in erster Linie um den Zugriff auf populäre Marken (und natürlich auch einen riesigen Katalog an Filmen und Serien aus 100 Jahren Warner-Geschichte) gehen. Doch im Gegensatz zu Paramount ist Netflix kein Kino-Unternehmen. Man könne nun optimistisch sagen, dass der Streamingdienst das ändern will – mit einem Hollywood-Studio als zweitem Arm auch zweigleisig fahren möchte. Doch das wäre schon sehr optimistisch.

Schließlich hat Netflix-Boss Ted Sarandos aus seiner Meinung über das Kino-Erlebnis keinen Hehl gemacht. Es ist für ihn überholt, nicht mehr relevant. Bei einzelnen Titeln lässt man sich zwar noch zu einem kurzen Kinostart überreden. Doch da geht es nur um Oscar-Qualifikationen und Zugeständnisse gegenüber Filmemacher*innen. So richtig ins Kino bringen will man Filme eigentlich nicht.

Bei einer Warner-Übernahme von Netflix wäre daher zu befürchten, dass Warner-Produktionen künftig exklusiv beim Streamingdienst landen. Und während es bei der „Harry Potter“-Serie egal ist, wäre das bei groß gedachten Kino(!)-Filmen – ob es der nächste DCU-Blockbuster mit Superman oder ein aktuelles Meistwerk wie „One Battle After Another“ – eine Schande. Daher sollten auch Filmfans ganz genau im Auge behalten, wie es mit einem möglichen Verkauf von Warner weitergeht...

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