Quentin Tarantino gesteht: Sein vielleicht größter Flop hat den "Pulp Fiction"-Macher komplett gebrochen
Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Fasziniert und berührt werden, aber auch ein stückweit über sich selbst erfahren – darin besteht für Daniel die Magie des Kinos.

Filmfans sehnen jedem neuen Werk von Quentin Tarantino entgegen, doch nicht jeder Film des „Once Upon A Time In Hollywood“-Machers sorgt für gleich viel Begeisterung. Und das nagt auch an einem Ausnahmeregisseur wie ihm.

Wer einen Blick auf das ultimative FILMSTARTS-Ranking der Film von Quentin Tarantino wirft, das wir 2019 rund um den Kinostart von „Once Upon A Time… In Hollywood“ – gereiht nach den Bewertungen in unseren Kritiken – erstellten, erkennt bereits auf einen Blick, was für ein außergewöhnlicher Regisseur der „Pulp Fiction“-Macher doch ist. Auf dem zehnten und damit letzten Platz liegt so etwa nach wie vor „The Hateful Eight“ mit 4 von 5 möglichen Sternen. Und das ist ja immer noch eine verdammt starke Wertung, mit denen der Western die Filmographien anderer Filmemacher vermutlich anführen würde.

Nur einen Platz davor befindet sich „Death Proof“, den wir heruntergebrochen als „stilistisches Kunstwerk für Cineasten – nicht mainstreamtauglich“ beschreiben. Womit wir bei dem Regisseur selbst einen wunden Punkt treffen dürften. Denn wie Quentin Tarantino nun verriet, machte ihm der Misserfolg von „Death Proof“ einst ganz schön zu schaffen.

Death Proof
Death Proof
Starttermin 19. Juli 2007 | 1 Std. 50 Min.
Von Quentin Tarantino
Mit Kurt Russell, Rosario Dawson, Zoë Bell
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
3,7
Filmstarts
4,0

Der Film, in dem Kurt Russell einen sinistren Stuntman spielt, der mit seiner grölenden, umgemodelten Karre junge Frauen um die Ecke bringt (erst buchstäblich, dann sprichwörtlich), kam als Teil des „Grindhouse“-Double-Features gemeinsam mit „Planet Terror“ in die Kinos und hat seit jeher einen schweren Stand beim Publikum. Zumindest für Tarantino-Verhältnisse.

Auch wenn der Thriller mittlerweile hier und da als unterschätztes Juwel gilt, das es sich wiederzuentdecken lohnt, reicht es schließlich auch in unserer Bestenliste nur für Rang 9. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von 31,1 Millionen Dollar konnte er zudem gerade noch so die reinen Produktionskosten einspielen – was dem Regisseur ganz schön zusetzte.

"Wir dachten, die Leute würden uns überall hin folgen"

Der Kultregisseur, den wir auch für Filme wie „Reservoir Dogs“, „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ kennen und lieben, war kürzlich zu Gast beim Burbank Film Festival und sprach mit Scott Feinberg vom Hollywood Reporter (via Deadline) über seinen Flop.

Der Misserfolg habe sein Selbstbewusstsein direkt am Startwochenende erschüttert. „Du arbeitest wirklich hart an einem Film und dann kommt das Startwochenende – und entweder die Leute schauen sich den Film an oder nicht. Und damals taten sie es nicht“, erinnert sich der zweifache Oscarpreisträger. „Wir dachten, die Leute würden uns überall hin folgen, aber sie sind uns nicht dorthin gefolgt“, so Tarantino, der zuvor mit den „Kill Bill“-Filmen große Erfolge feierte, während sich auch „Planet Terror“-Regisseur Robert Rodriguez zu jenem Zeitpunkt bereits einen gewissen Ruf erarbeitet hatte.

Anhand eines Beispiels macht Tarantino zudem deutlich, auf welch persönlicher Ebene ihn das maue Abschneiden seines Films traf: „Damals fühlte es sich so an, als wäre das Kinopublikum meine Freundin – und meine Freundin hatte mit mir Schluss gemacht.“

Steven Spielberg und Tony Scott standen Tarantino zur Seite

In dieser schweren Zeit holte er sich deshalb Rat von Regielegenden, die ebenfalls Erfahrungen mit derartigen Rückschlägen gemacht hatten: Blockbuster-Guru Steven Spielberg und Tony Scott, der einst Tarantinos „True Romance“-Drehbuch verfilmte und mit „Unstoppable - Außer Kontrolle“ einen der Lieblingsfilme des „Jackie Brown“-Machers inszenierte.

Die beiden Regisseure standen Tarantino mit Rat und Tat zur Seite und bestärkten ihn, erinnerten an das Glück, das er nichtsdestoweniger hatte: „Hast du den Film gemacht, den du machen wolltest? Ja. Bist du zufrieden mit dem Film, den du gemacht hast? Ja. Nun, es gibt viele Leute, die das nicht von sich sagen können.“

Tarantino könne sich glücklich schätzen, die Filme machen zu können, die er will. Außerdem, so Spielberg, würde der „Death Proof“-Macher seinen nächsten Hit mehr genießen als all seine anderen Erfolge zusammen, weil er nun auch die andere Seite kenne. Der Rest ist Geschichte: Es folgten einige von Tarantinos größten Kassenschlagern, darunter etwa sein größter Box-Office-Abräumer überhaupt: „Django Unchained“ (426 Millionen Dollar).

Tarantinos nächster Film soll dann auch sein letzter sein. Konkrete Details zum mit Spannung erwarteten Projekt, bei dem es sich nun doch nicht um den ursprünglich geplanten „The Movie Critic“ handelt, gibt es bislang nicht. Die Produktion könnte aber schon zeitnah Fahrt aufnehmen...

Startet die Produktion des neuen Tarantino noch dieses Jahr? Fans dürfen wieder hoffen

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