Es ist nicht Hannibal Lecter: Das ist laut Forschern der realistischste Film-Psychopath aller Zeiten!
Dobrila Kontic
Dobrila Kontic
-Freie Autorin
Zu Dobrilas Lieblingsfilmen gehört Düster-Melancholisches ("Donnie Darko") bis Dystopisches ("Children Of Men"), aber schwarzhumorigen Komödien und Satiren kann sie auch viel abgewinnen.

Es ist nicht der beißfreudige Hannibal Lecter oder der von seiner Mutter besessene Norman Bates, sondern ein Mann mit grausigem Haarschnitt, der hin und wieder zum Münzwurf auffordert…

Capelight Pictures

Was wäre das Psychothriller-Genre nur ohne den in Serie mordenden Psychopathen? Definitiv ärmer an spannenden Geschichten, so viel steht fest. Aber mit dem, was zum Thema forschende Wissenschaftler nun wirklich unter einem Psychopathen verstehen, haben die meisten in Filmen porträtierten Serienmörder wenig zu tun.

2013 hat sich eine Gruppe von forensischen Psychiatern die Mühe gemacht, 400 Filme zu sichten, deren Figuren gemeinhin für Psychopathen gehalten werden, berichtete das Magazin Slashfilm unter Rückbezug zu einem bei Science News erschienen Artikel. Diesem zufolge gibt es einen klaren Sieger in Sachen realistischste Darstellung eines Psychopathen, es ist: Anton Chigurh (Javier Bardem) aus „No Country For Old Men“ (2007) von den Coen-Brüdern.

Wer diesen mit mehreren Oscars ausgezeichneten Thriller noch nicht kennt, kann ihn aktuell bei Amazon Prime Video nachholen:

"Kalt, intelligent, ohne Schuldgefühle"

Geleitet wurde die zeitaufwendige Sichtung einschlägiger Psychothriller und Horrorfilme von den Psychiatern Samuel J. Leistedt und Paul Linkowski, die darüber auch einen wissenschaftlichen Bericht verfassten. Der Anlass für das Unterfangen war, Lehrmittel für Psychiatrie-Studenten zu entwickeln, da diese nur begrenzt Gelegenheiten erhalten, „echte“ Psychopathen zu befragen und die genaue Definition von Psychopathie generell umstritten ist. Leistedt beschreibt das zentrale Merkmal von Psychopathen im Science News-Artikel als grundsätzliche Abwesenheit von Empathie und erklärt: „Sie sind kaltblütig. Sie wissen nicht, was eine Emotion ist.“

Keine Angst, keine Schuldgefühle, keine gute Frisur: Anton Chigurh (Javier Bardem) Paramount Pictures
Keine Angst, keine Schuldgefühle, keine gute Frisur: Anton Chigurh (Javier Bardem)

Diese Eigenschaften sah das Team aus zehn sichtenden Forschern vor allem bei Anton Chigurh realistisch dargestellt, der sich mit einem grausigen Haarschnitt durch „No Country For Old Men“ mordet und mit seinen Opfern manchmal vorab ein makabres Spiel durchführt: Mittels „Kopf oder Zahl“-Münzwurf erhalten sie die Chance, ihr Schicksal noch abzuwenden. Wählen sie falsch oder gar nicht, ist ihnen der Tod sicher.

„Er macht seine Arbeit und kann ohne Probleme schlafen. In meiner Tätigkeit habe ich einige Menschen dieser Art kennengelernt“, befand Leistedt. Chigurh habe ihn besonders an zwei Auftragskiller erinnert, die er mal interviewt hat: „Sie waren genauso: kalt, intelligent, ohne Schuldgefühle, ohne Ängste, ohne Depressionen.“

Auch nicht zu verachten: Hans und Henry

Unter den weiteren realistischen Darstellungen von psychopathischen Mördern machte das Forscher-Team Hans Beckert (Peter Lorre) aus Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) aus, wobei spezifiziert wurde, dass es sich bei ihm um einen gewalttätigen, höchstwahrscheinlich an einer Psychose leidenden Straftäter handelt.

Hans Beckert (Peter Lorre) aus Fritz Langs Films sans Frontières
Hans Beckert (Peter Lorre) aus Fritz Langs "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"

An dritter Stelle wurde schließlich der Protagonist aus „Henry – Portrait of a Serial Killer“ (1986) genannt, dargestellt von Michael Rooker (unter anderem aus der Zombie-Serie „The Walking Dead“ bekannt). Henry weise wie viele reale Psychopathen „einen Mangel an Einsicht, einen starken Mangel an Empathie, emotionale Armut und ein deutlich erkennbares Versagen bei der Vorausplanung“ auf.

Und was ist nun mit Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) aus „Das Schweigen der Lämmer“, dem vermutlich unterhaltsamsten Film-Psychopathen (und -Kannibalen) überhaupt? Das Forscher-Team erkannte Hannibals gute Manieren, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Töten und sein elegantes, „fast katzenhaftes“ Auftreten an, stellte aber auch klar: „Diese Eigenschaften, insbesondere in Kombination, sind bei echten Psychopathen in der Regel nicht vorhanden.“

Also sollte man wohl einfach zu schätzen wissen, dass es in diesem Fall mit der Fantasie von Roman-Autor Thomas Harris und Regisseur Jonathan Demme einfach durchging.

Wirklich realistisch geht es in dem hier empfohlenen Serienkiller-Thriller übrigens auch nicht zu, dafür aber visuell absolut beeindruckend:

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren