"Er war ein Nazi und kein sehr netter Mensch": Stellan Skarsgård rechnet hart mit einem der größten Regisseure aller Zeiten ab
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: vom obskuren 70er-Jahre-Horrorfilm über Kunstfilme von Chantal Akerman bis hin zum neuesten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor mehr als 40 Jahren stand „Mamma Mia!“- und Marvel-Star Stellan Skarsgård bei einer absoluten Regie-Legende vor der Kamera. Die Zusammenarbeit gestaltete sich dabei alles andere als einfach.

Universal Pictures

Stellan Skarsgård gehört zu jenen Schauspielern, die so umtriebig sind, dass man nicht einmal Filmfan sein muss, um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein Gesicht zu kennen: Der schwedische Schauspieler war in zahlreichen Marvel-Blockbustern zu sehen, in zwei „Fluch der Karibik“-Abenteuern sowie Denis Villeneuves „Dune“-Adaptionen, man kennt ihn aus Publikumshits wie „Mamma Mia!“, und nicht zuletzt durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Regie-Enfant-Terrible Lars von Trier („Melancholia“) ist der Schwede auch im Arthouse- und Autoren-Kino eine feste Größe.

Seinen internationalen Durchbruch hatte Skarsgård im Jahr 1996 dank von Triers Melodram „Breaking The Waves“, doch bereits seit den frühen 1970ern war der „Good Will Hunting“-Darsteller vor der Kamera aktiv. Zu den vergessenen Kapiteln seiner bewegten Karriere zählt dabei, dass Skarsgård 1983 mit einem der unbestritten größten Filmemacher der Kinogeschichte zusammenarbeitete: Ingmar Bergman!

Stellan Skarsgård über Ingmar Bergman: "Ein großartiger Regisseur, aber auch ein Arschloch"

Durch Filme wie „Wilde Erdbeeren“, „Das siebente Siegel“, „Das Schweigen“ (der in Deutschland übrigens erfolgreicher war als „Der Herr der Ringe 2 & 3“!), „Persona“ oder „Szenen einer Ehe“ zählte der Schwede zu den angesehensten Regisseuren überhaupt. Nachdem mit der Familiensaga „Fanny und Alexander“ zum dritten Mal eines seiner Werke einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film gewann, wendete sich Bergman „Hustruskolan“ zu, einer TV-Adaption des Molière-Stücks „Die Schule der Frauen“ – die er u.a. mit Stellan Skarsgård besetzte.

Wer nun glaubt, dass es für den damals noch jungen Schauspieler eine riesige Ehre gewesen sein muss, mit einer lebenden Regie-Legende zu drehen, irrt sich – in einem Interview mit Variety hat der gebürtige Göteborger enthüllt, dass er Bergman auf den Tod nicht ausstehen konnte. „Meine komplizierte Beziehung zu Bergman hängt damit zusammen, dass er kein sehr netter Mensch war“, so Skarsgård. „Er war ein guter Regisseur, aber man kann ihn trotzdem Arschloch nennen. Caravaggio war wahrscheinlich auch ein Arschloch, aber er malte großartige Bilder.“

War Ingmar Bergman ein Nazi?

Skarsgård fährt fort – mit einer heftigen Anschuldigung: „[Bergman] war während des Krieges ein Nazi und der einzige Mensch, den ich kenne, der geweint hat, als Hitler starb. Wir haben immer wieder versucht, sein Verhalten zu entschuldigen, aber ich habe das Gefühl, dass er eine sehr seltsame Sicht auf andere Menschen hatte. Man spürte es, wenn er andere manipulierte. Er war nicht nett.“

Viel ist über Bergmans Verbindungen zum Nationalsozialismus nicht bekannt, belegt ist jedoch, dass er 1934 – also als Jugendlicher – eine Kundgebung besucht hatte, bei der Adolf Hitler persönlich anwesend war. In einem Interview gab der „Schreie und Flüstern“-Schöpfer später offen zu, dass er kurzzeitig dem „unerhörten Charisma“ des Faschisten verfallen sei – und bezeichnete seine Begeisterung als „Jugendsünde.“ (via Spiegel) Im Nachhinein habe er es bitter bereut, sich von der Propaganda-Maschinerie des Dritten Reiches verführen zu lassen.

Für Skarsgårds Behauptung, dass es sich bei Bergman noch bis zu Hitlers Tod um einen glühenden Verehrer der Nazis gehandelt habe, gibt es darüber hinaus keine Belege – allerdings galt der 2017 verstorbene Regisseur auch abseits seiner (eventuellen) politischen Ansichten als nicht immer einfach: So war er für sein aufbrausendes Temperament, seine strikte, kompromisslose Arbeitsweise und oft als manipulativ empfundene, komplizierte Beziehungen zu seinen Schauspielerinnen bekannt. Dass er „kein sehr netter Mensch“ war, kann man Skarsgård also ohne Weiteres glauben.

Auch George Clooney hatte übrigens gewaltige Schwierigkeiten mit einem Regisseur. Um wen es sich handelt, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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