Vielleicht war es unvermeidlich, dass ein Schauspieler, der sich seine Sporen mit der viel geschundenen Steven-Spielberg-Kriegsfarce „1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood“ und dem aufwändigen, einst verhassten und nunmehr verehrten Flop „Heaven's Gate“ verdiente, eine Karriere extremer Höhen und Tiefen durchlebt: Mickey Rourke wurde durch „9½ Wochen“ und „Wilde Orchidee“ zum Sexsymbol, bekam den Biker-Actioner „Harley Davidson & The Marlboro Man“ um die Ohren gehauen, versuchte sich einige Jahre lang als Boxer und erfand sich in den 2000ern als gealtertes Raubein mit Herz aus Gold neu.
Die Comicadaption „Sin City“ und Darren Aronofskys rau-melancholisches Drama „The Wrestler“ ebneten dann aber doch nicht den Weg zum lang anhaltenden, späten Karriereglanz: Nach dem Blockbuster „Iron Man 2“ und einer Nebenrolle im Haudegen-Aufeinandertreffen „The Expendables“ folgte rasch eine lange Reihe an kaum beachteten, wenig geschätzten Fließbandproduktionen.
Da der Mime außerdem dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, überrascht es nicht, dass er für manche seiner Projekte wenig warme Worte übrig hat. Besonders harsch äußerte Rourke sich über „Spun – Leben im Rausch“, eine Mixtur aus Drogen-Drama und pechschwarzer Milieukomödie. Falls ihr euch den Film anschauen möchtet: Er ist zwar auf kaum einem Streamingdienst zu finden, allerdings lässt er sich auf dem DVD-Gebrauchtmarkt auftreiben.
Darum geht es in "Spun"
Der Totalversager und Junkie Ross (Jason Schwartzman) ist derart planlos, dass es ihm zuweilen passiert, dass er sexuelle Eroberungen ans Bett fesselt, kurz Besorgungen machen will und dann tagelang von seiner Gespielin fernbleibt. Als er wieder einmal bei seinem Kumpel Spider Mike (John Leguizamo) vorbei schneit, um sich Methamphetamin zu besorgen, wird er schwer enttäuscht: Mikes Vorrat ist aufgebraucht, weshalb Ross bei einem Meth-Koch (Mickey Rourke) vorstellig werden soll. Somit betritt Ross eine Welt, der er nicht gewachsen ist...
Von Skandal-Clips zur Drogensumpf-Dramödie
Regie bei „Spun“ führte Jonas Åkerlund. Der Schwede ist primär als Musikvideoregisseur bekannt, etwa für die berühmt-berüchtigten Clips zu „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy sowie „Pussy“ und „Mann gegen Mann“ von Rammstein. Aber auch das aufwändige, mit Tarantino-Referenzen bespickte Video zu „Telephone“ von Lady Gaga und Beyoncé stammt von ihm.
Als Filmregisseur stemmte Åkerlund indes das finstere True-Crime- und Black-Metal-Drama „Lords Of Chaos“ sowie den Actionfilm „Polar“ mit Mads Mikkelsen, Vanessa Hudgens, Matt Lucas und Ruby O. Fee. Die schwarzhumorige Drogensumpf-Dramödie „Spun“ stellte 2002 Åkerlunds Spielfilm-Regiedebüt dar und kam bei der englischsprachigen Filmpresse mäßig bis schwach an – so warf ihm Time Out London eine „arrogante Amoralität“ vor. Und selbst eine wohlgesonnene Kritik im San Francisco Chronicle bemängelte, der Film drifte nach einem energetischen, lustig-intelligenten Auftakt rasch in die Belanglosigkeit ab.
Für Rourke war der Film eine aufgezwungene Pein
Mickey Rourke blickte wenige Jahre nach dem „Spun“-Kinostart bloß mit Verachtung auf seine Zusammenarbeit mit Åkerlund zurück. „Ich habe es nicht ausgehalten, diesen Film zu machen. Ich habe jede einzelne Sekunde davon gehasst“, schnauzte er im Interview mit Total Film. Weiter erläuterte Rourke, dass er und Åkerlund denselben Agenten hatten, und er aufgrund dessen gezwungen wurde, in „Spun“ mitzuspielen. „Tag für Tag an dieses Set zu gehen, das war so als würden sie dir die verdammten Zähne ziehen“, schimpfte der „Angel Heart“-Mime.
Bei FILMSTARTS sicherte sich „Spun“ indes solide 3/5 Sterne. In unserer Kritik wird Åkerlunds Debüt als „echte Orgie von einem Film“ eingeschätzt, „die seinen irren Clips in nichts nachsteht“, ebenso wird es als „vergnüglicher Kopfsprung in die Hölle“ tituliert. Zwar wird „Spun“ zudem als botschaftslos bezeichnet, doch dafür gibt es in unserer Rezension viel Lob für Mickey Rourke:
„Mit brachialer Breitschultrigkeit stolziert er durch die Szenerie und es fällt leicht, die ehrfürchtige Schockstarre zu verstehen, die alleine seine Erwähnung bei all den anderen Freaks auslöst“, so FILMSTARTS-Autor Robert Cherkowski. „Wenn 'der Koch' auf der Zielgerade einen unerwartet melancholischen Ton anschlägt, ist raues Charisma gefragt – und mit Rourke im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit löst der tieftraurige Abschiedsmonolog dann tatsächlich reinste Gänsehautschübe aus.“
Rourke ist aber nicht nur schlecht auf „Spun“ zu sprechen, sondern auch auf einen Schauspielkollegen. Um wen es sich dabei dreht, erfahrt ihr in unserem folgenden Artikel:
"Ich schaue nicht mehr zu ihm auf, ich schaue durch ihn hindurch": Seit 39 Jahren steht Mickey Rourke mit diesem legendären Schauspieler auf Kriegsfuß*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.