Ein Großteil des Publikums nimmt Filmmusik über weite Strecken gar nicht so bewusst wahr. Dabei beeinflusst sie unbewusst die ganze Zeit unsere Wahrnehmung und kann so völlig verändern, wie wir fühlen und einen Film sehen. „Avatar 3: Fire And Ash“-Komponist Simon Franglen hatte so eine vielleicht unterschätzte, aber besonders wichtige Aufgabe bei der Produktion des Films. In einem IndieWire-Interview gab er jetzt spannende Einblicke in seine allein schon in Zahlen epische Aufgabe und verriet interessante Details über die Entstehung der Musik, die neugierig auf den baldigen Kinostart machen. Er musste dafür übrigens sogar Instrumente erfinden...
Das ist "Avatar 3"-Komponist Simon Franglen
Der britische Musiker Simon Franglen kam mit Hollywood in Berührung, als ihn Komponistenlegende John Barry vor 35 Jahren anheuerte, um an der Produktion des Soundtrack-Albums für „Der mit dem Wolf tanzt“ mitzuwirken. Nachdem er über Jahre anderen zugearbeitet hat, ist Franglen mittlerweile selbst ein erfolgreicher Komponist – und arbeitete mehrfach mit James Cameron zusammen:
Nachdem er bei „Titanic“ sowie „Avatar“ noch den Komponisten James Horner unterstützte, übernahm er „Avatar 2: The Way Of Water“ von seinem 2015 bei einem Unfall tragisch verstorbenen Mentor. Auch beim kommenden „Avatar 3“ war Franglen also jetzt wieder der Boss in Sachen Musik – und das war ein gewaltiges Unterfangen, wie er erklärt.
„Was den Umfang dessen betrifft, was wir abliefern mussten, übertrifft diese Filmmusik alles, was ich zuvor gemacht habe“, erzählte Franglen so dem Magazin IndieWire. Diese Arbeit sei wirklich „auf einem ganz anderen Niveau der Komplexität“ als alles zuvor. Das ist eine bemerkenswerte Aussage für einen Mann, der in den vergangenen 35 Jahren an zahlreichen Blockbuster-Scores beteiligt war und mit Musik-Legenden wie u.a. Michael Jackson, Whitney Houston und den Bee Gees hunderte Alben gemacht hat. Doch Franglen kann diesen Superlativ auch mit beeindruckenden Zahlen unterlegen:
Nur zehn Minuten ohne Simon Franglens Musik in "Avatar 3"
Bereits vor sieben Jahren schrieb Franglen laut eigener Aussage das erste Musikstück für den neuen „Avatar“-Film „Fire and Ash“. Insgesamt habe er 1.907 Partiturseiten Musik verfasst. 215 Musiker*innen waren daran beteiligt, diese für den finalen Film einzuspielen.
Wie präsent seine Arbeit im Film ist, zeigt eine andere Statistik, welche der Komponist erläutert: „Der Film ist drei Stunden und 15 Minuten lang, und er hat drei Stunden, vier Minuten und 16 Sekunden Musik. Ich habe also etwa 10 Minuten Pause wegen gutem Benehmen“, scherzt er über den Umfang seiner Arbeit.
Die neuen Bösewichte: Ihre Musik strahlt schon Chaos aus
Die epische Filmlänge von „Avatar 3“ und damit der riesige Umfang der Musik sowie die Existenz zweier Vorgänger mit jeweils auch schon langer Laufzeit und entsprechender musikalischer Untermalung stellten ihn natürlich vor eine große Herausforderung. So wichtig es bei Musik ist, auch vertraute Klänge wieder aufzugreifen, soll es ja auch größtenteils neue Dinge zu hören geben. Wie er IndieWire erklärt, brachten ihn vor allem zwei neue Fraktionen, die wir „Fire And Ash“ kennenlernen, dazu, komplett neue Ansätze und Ideen zu finden:
Bekanntlich werden in „Fire And Ash“ erstmals richtige Na'vi-Bösewichte eingeführt: das Asche-Volk. Laut Franglen sind diese „Chaos-Agenten“, daher wollte er, dass „ihre Musik eine viszerale Qualität hat“, also so richtig durch die Glieder fährt. Es ging dabei nicht darum, den Asche-Leuten ein klares musikalisches Thema zu geben, sondern mehr ein Gefühl mit ihnen zu verbinden.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Hilfreich war dafür eine Reise durch die Mongolei, wo er ein Saiteninstrument entdeckte, welches „eine echte Wildheit haben kann“. Darum habe er die gesamte Musik für das Asche-Volk aufgebaut, die so das Chaos vermittelt, welches das Volk ausstrahlt. Zudem nutzt er das sogenannte „Teufelsintervall“, das schon in mittelalterlicher Musik eingesetzt wurde. Es zeichnet sich durch eine starke Dissonanz aus, was zusätzlich unterstreicht, dass hier etwas nicht stimmt, wenn die Bösewichte die Bildfläche betreten.
Darum brauchte es für ein neues Na'vi-Volk sogar neue Instrumente
Erstmal sehen wir in „Avatar 3“ zudem die sogenannten Windhändler. Es ist ein Nomadenclan, der auf schiffsähnlichen Konstruktionen durch die Lüfte segelt. Das Volk brachte für Frangeln eine Herausforderung mit sich. Denn einige der Reisenden vertreiben sich die Zeit damit, Musik zu spielen. Und da Pandora ein anderer Planet ist, wollte James Cameron Musikinstrumente, die es nicht auf der Erde gibt. Gleichzeitig macht er aber auch die Vorgabe, dass alles in der Realität verwurzelt sein muss. Heißt: Die Töne, die man hört, müssen beim Spielen dieser Instrumente auch wirklich erklingen.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Gemeinsam mit den Produktionsdesignern Dylan Cole und Ben Procter sowie der Kostümbildnerin Deborah L. Scott entwickelte Frangeln so eine Kultur für die Windhändler und ersann Instrumente. Als Vorbild diente ihm unsere reale Geschichte, wie phönizische Händler der Antike. Die waren damals reich, was sich auch in den Windhändlern widerspiegeln sollte, weswegen ihre Instrumente nicht zu einfach sein durften.
Weil sie gleichzeitig auch in Verbindung mit ihrer Tätigkeit stehen sollten, beschloss er unter anderem Trommelfelle aus demselben Material wie die Segel ihrer Schiffe herzustellen. Ihre Saiteninstrumente sollen sich laut Frangle zudem „wie die Takelage des Schiffes anfühlen.“ Nach seinen Vorgaben erstellte ihm an Ende Requisiteur Brad Elliott die tatsächlich spielbaren Instrumente mit der Hilfe eines riesigen 3D-Druckers, wie auf IndieWire erklärt wird.
In Kürze werden wir endlich im Kino erleben, wie all das für „Avatar 3: Fir And Ash“ zusammenkommt. Kinostart für James Camerons neuesten Teil seiner Pandora-Saga ist der 17. Dezember 2025.
Dass der Film bei diesem ganzen Aufwand, der hier beschrieben wird, nicht günstig war, ist selbstverständlich. Wie teuer das Epos am Ende aber war, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Sci-Fi-Blockbuster der Extraklasse: So unfassbar teuer ist "Avatar 3: Fire And Ash"