Über 1 Millionen Zuschauer allein in Deutschland: Dieses bildgewaltige Abenteuer war vor 34 Jahren ein Hit – trotzdem ist es völlig in Vergessenheit geraten!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Eine mitreißende Geschichte über Freundschaft, Mut und das Überleben in der Wildnis zog Anfang der 90er über eine Million Zuschauer*innen in die Kinos – doch heute ist das Abenteuer längst vergessen. Hier erfahrt ihr, um welchen Film es geht.

Als 1991 die Jack-London-Verfilmung „Wolfsblut“ in die deutschen Kinos kam, traf sie genau den Nerv eines Publikums, das sich nach groß angelegten Abenteuergeschichten sehnte. Ethan Hawke stand damals, mit 21 Jahren, am Anfang seiner Karriere, doch schon sein Auftritt in „Der Club der toten Dichter“ (1989) hatte ihn einem breiten Publikum bekannt gemacht.

Entsprechend groß war das Interesse an dem kanadisch-französischen Abenteuerfilm, der durch grandiose Landschaftsbilder, eine klassische Coming-of-Age-Erzählung und die Zugkraft der berühmten Romanvorlage eine beeindruckende Zahl an Zuschauer*innen anzog. Mehr als eine Million Kinogänger*innen wollten dieses wilde, frostige Abenteuer sehen – eine Marke, von der viele heutige Literaturverfilmungen nur träumen können.

Das ist "Wolfsblut"

Regie führte Randal Kleiser, der zuvor mit Kultfilmen wie „Grease“ (1978) und „Die blaue Lagune“ (1980) große Erfolge gefeiert hatte. In „Wolfsblut“ widmete er sich einer abenteuerlichen, oft rauen Geschichte über das Erwachsenwerden im Angesicht der ungezähmten Natur. Im Mittelpunkt steht Jack (Hawke), ein junger Harvard-Absolvent, der in den 1890er-Jahren in den hohen Norden reist, um während des Klondike-Goldrauschs praktische Lebenserfahrungen zu sammeln. Dort begegnet er einem wilden Wolfshund, mit dem ihn bald ein außergewöhnliches Band verbindet. Als Vorgeschmack hier der Trailer:

Bemerkenswert ist zudem, dass der Roman, der 1906 publiziert wurde, zu den am häufigsten adaptierten Abenteuerstoffen überhaupt gehört. Bereits 1925 entstand ein Stummfilm, 1936 folgte eine frühe Hollywood-Version, später gab es europäische Neuinterpretationen wie die italienische Adaption mit „Django“-Darsteller Franco Nero aus dem Jahre 1973. Selbst nach der Ethan-Hawke-Verfilmung wurden weitere Versionen produziert, darunter ein inszenierter CGI-Film aus dem Jahr 2018. Die wiederkehrende Faszination für die Geschichte zeigt, wie stark der Mythos der Wildnis und der Beziehung zwischen Mensch und Tier über Generationen hinweg wirkt.

Die Besonderheit der 1991er-Version liegt in ihrer Balance aus rauem Realismus und emotionalem Abenteuerkino. Die dramatische Geschichte wird immer wieder von Momenten durchbrochen, in denen die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt steht. Und obwohl „Wolfsblut“ bewusst altmodisch erzählt ist, entfaltet er gerade dadurch einen nostalgischen Reiz, der damals beeindruckend gut funktionierte.

Viele Zuschauer*innen dürften den Film noch mit den imposanten Yukon-Landschaften, den harschen klimatischen Bedingungen und der oft erbarmungslosen Atmosphäre des Goldrauschs verbinden – ein Setting, das heute kaum noch in dieser Form im Mainstream-Kino zu sehen ist.

"Wolfsblut" war ein Kinoerfolg – und ist trotzdem fast verschwunden

Mit über einer Million Kinotickets in Deutschland gehörte „Wolfsblut“ 1991 zu den erfolgreichen Literaturverfilmungen des Jahres. Das lag nicht nur an der Bekanntheit des Romans von Jack London, sondern auch an Ethan Hawkes unverbrauchtem Auftreten und der Tatsache, dass tierzentrierte Abenteuer damals eine enorme Zugkraft hatten. In einer Zeit, in der Familienfilme noch ohne digitale Effekte, dafür aber mit echter Naturwucht funktionierten, bot „Wolfsblut“ jene Mischung aus Spannung, Gefühl und Wildnisromantik, die sich hervorragend für ein breites Kinopublikum eignete.

Doch mit den Jahren geriet der Film zunehmend aus dem kollektiven Gedächtnis. Der Abenteuerfilm der frühen 1990er wurde später vom Effekte-Kino der 2000er überrollt, während Ethan Hawkes Karriere in eine völlig andere Richtung ging – mit Independent-Produktionen, anspruchsvollen Dramen und hochgelobten Charakterrollen wie z. B. in „Before Sunrise“ (1995). „Wolfsblut“ passt rückblickend kaum in die Filmografie, für die Hawke heute gefeiert wird, und rutschte deshalb ein wenig durch die kulturhistorischen Raster.

Interessant ist, dass gerade solche klassischen Naturabenteuer – früher sichere Publikumsmagneten – heute kaum noch produziert werden und daher zusätzlich aus dem Bewusstsein verschwinden. Wer allerdings Freude an atmosphärischen Outdoor-Geschichten, eindrucksvollen Tierdarstellungen und nostalgischem Abenteuerkino hat, kann „Wolfsblut“ auch heute noch entdecken – ein fast vergessenes Stück Filmgeschichte, das einst ganze Familien ins Kino lockte.

Nicht ganze Familien, aber dennoch enorm viele Kinogänger*innen lockte auch dieser deutsche Anti-Kriegsfilm Anfang der 1990er Jahre vor die Leinwand. Warum dieser Titel bis heute nichts von seinem eindringlichen Schrecken verloren hat, welcher spätere MCU-Schurke darin mitwirkt und weshalb der Film trotz seines damaligen Erfolgs heute fast in Vergessenheit geraten ist, erfahrt ihr im folgenden FILMSTARTS-Artikel:

Einer der erfolgreichsten deutschen Kriegsfilme aller Zeiten: Vor 32 Jahren lockte er 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos!

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