Jeff Bridges gehört zu jenen Schauspielern, deren Karriere sich über Jahrzehnte erstreckt und dabei so unterschiedliche Facetten angenommen hat, dass sie kaum auf einen Nenner zu bringen ist. Vom wortkargen Westernhelden („True Grit“) bis hin zum entspannten Alt-Hippie („The Big Lebowski“) hat Bridges immer wieder erfolgreich Wege eingeschlagen, die zunächst nicht unbedingt auf größtmögliche Zustimmung ausgerichtet waren.
Dass diese Haltung selbst im engsten familiären Kreis nicht immer auf Begeisterung stößt, hat der Schauspieler einmal bemerkenswert offen eingeräumt – insbesondere mit Blick auf die Meinung seiner Mutter. In einem Interview mit der Tageszeitung The Oklahoman im Jahr 2001 sprach Oscar-Preisträger Bridges darüber, wie selektiv der familiäre Applaus ausfällt, wenn es um seine Filmografie geht. Dabei formulierte er ungewöhnlich ehrlich, aber ohne jede Bitterkeit:
Die Mutter von Jeff Bridges mag nur sehr wenige Filme ihres Sohnes
„Ich liebe es, wenn meine Familie mag, was ich mache, aber mein Geschmack ist ganz anders als der meiner Mutter. Sie mag 15 bis 20 Prozent der Filme, die ich drehe. Sie mag es, wenn ich professionelle Männer spiele, etwa einen Arzt. Als ich den Präsidenten der Vereinigten Staaten gespielt habe, war sie begeistert.“
Das Zitat ist aufschlussreich, weil es weniger über Kritik als über unterschiedliche Erwartungshaltungen erzählt – und über seine 2009 verstorbene Mutter, die sehr genau wusste, was sie sehen möchte, wenn ihr Sohn auf der Leinwand erscheint.
Bridges' Mutter, Dorothy Dean Bridges, war selbst Schauspielerin und kannte das Geschäft aus eigener Erfahrung. Gerade deshalb überrascht es kaum, dass sie klare Vorstellungen davon hatte, wie ein „guter“ Filmauftritt ihres Sohnes auszusehen habe. Rollen mit Autorität, Würde und klarer gesellschaftlicher Funktion scheinen ihr besonders zugesagt zu haben. Figuren, die Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen und dabei moralisch greifbar bleiben. Kurz gesagt: Männer, die Ordnung verkörpern, nicht Chaos.
Das steht im deutlichen Kontrast zu vielen Rollen, für die Jeff Bridges heute gefeiert wird. Er hat sich immer wieder bewusst für Figuren entschieden, die sich am Rand bewegen, die scheitern, zweifeln oder bewusst gegen Konventionen leben. Dass genau diese Vielseitigkeit nicht automatisch elterliche Zustimmung findet, verleiht seiner Karriere im Rückblick eine fast schon charmante Bodenhaftung.
Mutter Bridges mochte ausgerechnet diesen Thriller mit ihrem Sohn
Interessant ist dabei vor allem der eine Film, den Bridges im Zitat ausdrücklich erwähnt – ohne ihn zunächst beim Namen zu nennen. Gemeint ist „Rufmord – Jenseits der Moral“ (2000), ein Politthriller, in dem Bridges den Präsidenten der Vereinigten Staaten verkörpert. Erst später wurde klar, dass genau diese Rolle bei seiner Mutter auf uneingeschränkte Zustimmung stieß. Kein Wunder: Hier spielt Bridges einen Mann an der Spitze der Macht, souverän, kontrolliert und eingebettet in eine klassische Erzählstruktur, die Verantwortung und Moral in den Mittelpunkt stellt.
„Rufmord – Jenseits der Moral“ erzählt von einem politischen Skandal, der sich schleichend entfaltet und zunehmend persönliche wie institutionelle Abgründe offenlegt. Ohne ins Detail zu gehen, lebt der Film von Spannungen zwischen öffentlichem Image und privatem Handeln, von Loyalität, Verrat und der Frage, wie weit Macht gehen darf, bevor sie sich selbst korrumpiert.
Besetzt ist der Film von „Die letzte Festung“-Regisseur Rod Lurie u.a. mit Gary Oldman („Harry Potter“), Joan Allen („Im Körper des Feindes“), Christian Slater („Mr. Robot“) und Sam Elliot, der mit Bridges bereits bei „The Big Lebowski“ (1998) gemeinsam vor der Kamera stand. Trotz dieser prominenten Besetzung hat „Rufmord – Jenseits der Moral“ keine wirklichen Spuren hinterlassen und gilt heutzutage als vergessen.
Dass ausgerechnet dieser Film den Geschmack von Mama Bridges traf, wirkt rückblickend wie ein kleines, sehr menschliches Detail in einer ansonsten monumentalen Karriere – einer Laufbahn, in der es jedoch auch Rückschläge gab. So ist Bridges bis heute verstimmt darüber, dass er in einem echten Kriegsfilm-Klassiker keine Rolle erhielt. Mehr dazu lest ihr im folgenden FILMSTARTS-Artikel:
"Mein Agent hat es vermasselt": Jeff Bridges bedauert bis heute, dass er nicht in diesem Kriegsfilm-Meisterwerk zu sehen war*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.