"Ich habe so viele falsche Dinge gesagt": Kult-Regisseur wurde bei "James Bond" gefeuert – obwohl er Daniel Craig seine Rolle als 007 verschaffte!
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

„Kingsman“-Macher Matthew Vaughn hat die Hoffnung aufgegeben, jemals einen Bond-Film drehen zu dürfen. Dabei war er für einen kurzen Augenblick der Regisseur von „Casino Royale“ – und sogar derjenige, der Daniel Craig für die Bond-Rolle vorschlug.

Mit den „Kingsman“-Filmen hat sich Regisseur Matthew Vaughn über die Jahre sein ganz eigenes Agenten-Franchise aufgebaut. Dass die Reihe, die auf den gleichnamigen Comics basiert, stark von James Bond beeinflusst wurde, ist kein Geheimnis. Schließlich zeichnet sich auch „Kingsman“ durch schicke Anzüge, clevere Spionage-Gadgets und britische Gentlemen aus.

Aus diesem Grund wird Vaughn seit jeher auch stets hoch gehandelt, wenn ein neuer Bond-Film ansteht. Vaughn selbst glaubt aber nicht mehr daran, dass er jemals als Bond-Regisseur in Frage kommt, wie er 2023 im Happy Sad Confused Podcast verriet. Und das, obwohl er mal für 24 Stunden der Regisseur von „James Bond 007: Casino Royale“ war. Also dem Teil, der uns zum ersten Mal mit Daniel Craig als Bond vertraut machte.

Matthew Vaughn war für einen Tag der Regisseur von "Casino Royale"

Vor „Casino Royale“ war Matthew Vaughn noch ein relativ unbeschriebenes Blatt im Filmgeschäft. Damals hatte der britische Filmemacher nur eine einzige Regiearbeit vorzuweisen, nämlich den Low-Budget-Gangsterstreifen „Layer Cake“ – in dem übrigens auch Daniel Craig in seiner ersten größeren Hauptrolle zu sehen war.

Layer Cake
Layer Cake
Starttermin 1. Januar 2005 | 1 Std. 41 Min.
Von Matthew Vaughn
Mit Daniel Craig, Tom Hardy, Jamie Foreman
Pressekritiken
4,2
User-Wertung
3,8
Filmstarts
3,0

„Layer Cake“ muss die Bond-Produzenten aber ziemlich beeindruckt haben, denn nur kurz nach der Veröffentlichung des Films fragten sie Vaughn, ob er an einem Treffen bezüglich „Casino Royale“ interessiert wäre. „Ich nur so: ‚Oh mein Gott, ja, wäre ich.‘ [...]. Ich habe die Vorlage nochmal gelesen und ging zu dem treffen. Wir haben uns alle, dachte ich, ziemlich gut verstanden. Und dann – willkommen in Hollywood – bekam ich den Anruf, der mir mitteilte: ‚Du hast den Job.‘“

Für den damals noch kleinen Independent-Filmemacher war das natürlich eine große Sache. Nicht nur sollte Vaughn eine der populärsten Filmreihen aller Zeiten fortführen, er sollte darüber hinaus den ersten Teil mit einem ganz neuen Bond-Darsteller inszenieren. Und dafür schlug er auch sofort den Star aus seinem vorigen Film vor: „Ironischerweise haben wir darüber geredet, wen ich besetzen würde, und ich sagte: ‚Was ist mit Daniel [Craig]?‘, und [die Produzenten] nur so: ‚Davon sind wir nicht wirklich überzeugt.‘“

Wie wir heute natürlich wissen, haben die Produzenten ihre Meinung dazu nochmal geändert und Craig doch noch zum neuen Bond gekürt. Matthew Vaughn, der sie erst auf diese Idee gebracht hatte, wurde allerdings sofort wieder ausgetauscht, und man teilte ihm am Telefon mit: „Ah, wir waren zu vorlaut, du hast den Job nicht. Und wir werden Daniel besetzen.“

Der Grund für den Rausschmiss

Warum ihm der Job schließlich doch wieder entzogen wurde, weiß Vaughn selbst nicht so genau – er hat aber seine Vermutungen. So glaubt er, er habe beim Treffen wahrscheinlich so viele falsche Dinge gesagt“. Durch seine Arbeit an kleineren Produktionen war es ihm nämlich wichtig, sich für die Dreharbeiten lieber viel Zeit zu nehmen, als unter Zeitdruck das Budget zu überziehen. Daher sprach er beim Treffen mit den Bond-Produzenten wiederholt seine Bedenken aus:

„Ich habe die Zeit angezweifelt, in der sie den Film fertigstellen wollten. Ich sagte immer wieder, dass ich nicht glaube, dass die Zeit ausreicht […]. Später lernte ich, dass Budget und Zeit völlig irrelevant für diese Leute sind. Sie gaukeln dir einen Plan vor, den sie angeblich umsetzen wollen, und letztlich kostet [der Film] dann eine lächerlich hohe Summe.“

Den Produzenten war Matthew Vaughns Independent-Film-Attitüde also wohl nicht ganz geheuer, weswegen sie mit Martin Campbell, der ja vorher schon „James Bond 007 – GoldenEye“ gedreht hatte, lieber auf Nummer sicher gingen. Mittlerweile ist Vaughn aber selbst zu einem Big-Budget-Regisseur aufgestiegen, womit einem James Bond-Film doch eigentlich nichts mehr im Wege stehen sollte – er selbst hält das allerdings für äußerst unwahrscheinlich.

Matthew Vaughn wird niemals einen Bond-Film drehen – oder?

Auf die Frage, ob Vaughn in Zukunft doch noch bei einem Bond-Film Regie führen wird, hatte er folgende Antwort parat: „Ich denke, ich habe eine größere Chance, Bond zu spielen, als bei Bond Regie zu führen.“ Und warum das so sei, beantwortete er ebenso trocken: „Frag [die Produzenten], sie mögen mich nicht.“

Was genau die Bond-Produzenten gegen ihn auszusetzen haben, erklärte der Regisseur damals nicht. Seit der Amazon-Übernahme im Jahr 2025 sind nun aber andere Produzenten für die Marke zuständig, die womöglich offener für eine Regiearbeit von Vaughn wären. Lust hätte er allemal, und er verriet im Podcast auch, wie man sich einen Bond-Film von ihm vorstellen dürfte: „‚Kingman‘ ist mein Bond. Alles was ich bei ‚Kingsman‘ mache, hätte ich letztendlich auch bei Bond gemacht.“

Nun schreitet aber erst mal der anstehende Bond-Film von „Dune“-Regisseur Denis Villeneuve voran. Ein neuer 007-Darsteller wurde zwar immer noch nicht verkündet, doch kursieren aktuell Gerüchte, dass die Wahl auf einen „Harry Potter“-Star gefallen ist. Dazu mehr im folgenden Artikel:

Wird ein "Harry Potter"-Star jetzt wirklich der nächste 007? Das steckt hinter den aktuellen James-Bond-Gerüchten
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