Al Pacino gilt nicht ohne Grund als einer der leidenschaftlichsten Schauspieler Hollywoods. Ob in „Heat“ oder „Insomnia – Schlaflos“ – meist verkörpert er Charaktere, die sich am Rande des Wahnsinns oder längst darüber hinaus befinden. Diese Leidenschaft scheint der Oscar-Preisträger („Der Duft der Frauen“) auch hinter der Kamera an den Tag zu legen, wie Michelle Pfeiffer kürzlich im Podcast SmartLess verriet. Denn erst als sie Pacino während eines „Scarface“-Vorsprechens zum Bluten brachte, hielt dieser sie für die richtige Wahl.
Pfeiffer, damals gerade mal 23 Jahre alt, war vor „Scarface“ noch keine bekannte Schauspielerin. Mit „Grease 2“ hatte sie kurz zuvor ihre erste größere Hauptrolle ergattert (die sie übrigens von ganzem Herzen hasst), nachdem sie sonst vor allem kleine Auftritte in Fernsehproduktionen hatte. Als sie wenig später vom legendären „Carrie“-Regisseur Brian DePalma zum Casting-Vorsprechen eingeladen wurde, war das natürlich eine riesige Karrierechance für sie. Und zuerst lief auch alles richtig gut! DePalma war begeistert von ihrem Schauspiel und wollte sie unbedingt in seinem Film besetzen. Al Pacino war allerdings deutlich schwieriger zu überzeugen...
"Er wollte mich nicht für die Rolle"
Über die nächsten Monate hinweg musste die spätere Catwoman-Darstellerin immer wieder zu Casting-Vorsprechen für „Scarface“ erscheinen, bei denen zum Teil Al Pacino anwesend war. Durch seine Präsenz machte sich in der unerfahrenen Pfeiffer zunehmend Angst breit, die sich auch auf ihre Leistung auswirkte – bis ihre Vorsprechen „einfach nur noch schlecht waren“, um die Schauspielerin selbst zu zitieren.
Das sah auch Pacino so, denn der wollte Pfeiffer auf keinen Fall als Schauspielpartnerin dabei haben. Als DePalma ihr die schlechte Nachricht überbrachte, war ihre Erleichterung fast größer als die Enttäuschung. Der ganze Prozess war für sie mit so viel Stress verbunden, dass sie nach der Absage endlich mit der Sache abschließen konnte: „Ich war so glücklich, dass es vorbei war.“
Wie wir heute natürlich wissen, endet die Geschichte hier noch nicht. Und so bekam Pfeiffer einen Monat später den Anruf, sie solle erneut zu einer Probeaufnahme erscheinen. „Ich tauche da also auf, und mir ist alles scheißegal, denn ich kriege die Rolle ja sowieso nicht“, erinnert sich die Schauspielerin. Wahrscheinlich war es dann aber gerade diese Abgebrühtheit, die sie von ihrer Angst befreite und in einer äußerst intensiven Performance mündete:
Michelle Pfeiffer hat Al Pacino verletzt
Geprobt wurde die mittlerweile ikonische Restaurant-Szene, in der Pfeiffers Charakter verzweifelt und unter massivem Drogeneinfluss ihren Ehemann zurechtweist: Pacinos Tony Montana. Die beiden spielten die Szene bis zum Höhepunkt, an dem Montanas Gattin wütend das Geschirr vom Esstisch fegt – und plötzlich war „alles voller Blut“, wie Pfeiffer berichtet. Crewmitglieder kamen der Schauspielerin panisch zu Hilfe, dabei war es gar nicht sie, die sich am zerschmetterten Porzellan verletzt hatte, sondern Al Pacino.
An diesem Punkt hatte Pfeiffer nun endgültig mit der Rolle abgeschlossen, schließlich hatte sie einem der größten Stars Hollywoods gerade eine Schnittwunde verpasst. Im Nachhinein ist sie sich aber sicher: Es war genau diese leidenschaftliche Darbietung, die Pacino doch noch von ihr überzeugte – und ihr die Rolle in einem der beliebtesten Mafia-Filme aller Zeiten verschaffte.
„Scarface“ war der Startschuss für Michelle Pfeiffers großartige Karriere, die danach noch in vielen weiteren beliebten Filmen wie „Schatten der Wahrheit“ oder „Der Sternwanderer“ glänzen durfte. Trotzdem können wir nur hoffen, dass nicht alle Schauspieler erst ihren Co-Star verletzten müssen, um in einem Hollywood-Film zu landen.
Übrigens: Fast wäre Michelle Pfeiffer auch in einem der besten Thriller aller Zeiten zu sehen gewesen. Warum sie die Rolle aber auf keinen Fall spielen wollte, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Es war so viel Böses in dem Film": Michelle Pfeiffer hat einen der besten Thriller aller Zeiten aus Angst abgelehnt