"Ich bin erschöpft und spüre, dass das Ende naht": Vor 43 Jahren wirkte diese Schauspiel-Legende nur des Geldes wegen an einem vergessenen Kriegsfilm mit
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Laurence Olivier ist einer der größten Schauspieler der Kinogeschichte. Doch am Ende seiner Karriere traf er einige zweifelhafte Entscheidungen – zum Beispiel die, in einem von einer Sekte finanzierten Kriegsfilm-Flop mitzuspielen...

MGM

Zehn Oscar-Nominierungen, zwei Auszeichnungen – beide für den von ihm inszenierten und produzierten „Hamlet“ (1948) als Bester Hauptdarsteller und für den Besten Film – sowie gleich zwei Ehren-Oscars: Laurence Olivier gilt bis heute als einer der prägendsten Schauspieler und Regisseure des 20. Jahrhunderts. Der Brite, der in über 100 Theaterstücken und über 60 Filmen mitwirkte, brachte die Werke von William Shakespeare so erfolgreich auf die Leinwand wie kaum ein anderer.

Doch auch im fortgeschrittenen Alter lieferte er noch unvergessliche und zum Teil oscarnominierte Leistungen ab – zum Beispiel neben Dustin Hoffman als kaltblütiger Ex-KZ-Arzt Dr. Christian Szell im Thriller-Klassiker „Der Marathon-Mann“ (1976). Zudem trat er in großen Studio-Produktionen wie „Die Brücke von Arnheim“ auf und blieb als Leiter des von ihm gegründeten National Theatre in London auch der Bühne eng verbunden.

Am Ende seiner Karriere war Laurence Olivier in einem Kriegsfilm-Flop zu sehen

So gut wie kein Schauspieler ist allerdings nur in großartigen Filmen zu sehen – und so wird auch nicht jeder Eintrag in der beeindruckenden Vita von Laurence Olivier dem legendären Ruf des „Spartacus“-Mimen gerecht. Den wohl größten Fehltritt seiner Karriere leistete er sich im Jahr 1981, als er in „Inchon“ mitspielte – einem Kriegsdrama über eine entscheidende Schlacht im Koreakrieg. An seiner Seite waren auch Jacqueline Bisset („Die Tiefe“), Ben Gazzara („Mord an einem chinesischen Buchmacher“), Toshirō Mifune („Die sieben Samurai“) und Richard Roundtree („Shaft“) in dem Mega-Flop zu sehen.

Inchon
Inchon
2 Std. 20 Min.
Von Terence Young
Mit James T. Callahan, Laurence Olivier, Jacqueline Bisset

Dass es sich um ein eher zweifelhaftes Projekt handelt, zeigt sich schon darin, dass der Film zu großen Teilen von der Vereinigungskirche finanziert wurde, die auch unter dem Namen Moon-Sekte bekannt ist. Gegründet vom koreanischen Prediger Sun Myung Moon, geriet die Bewegung immer wieder in die Schlagzeilen – wegen strenger Hierarchien, manipulativer Praktiken und der bedingungslosen Verehrung ihres Gründers. Somit war „Inchon“ bereits umstritten, bevor er überhaupt in die Kinos kam ...

... wobei Berichte über massive Verzögerungen der Dreharbeiten und ständige Eingriffe der Geldgeber ihr Übriges taten. Das Ergebnis wurde dem Ruf des Films schließlich vollumfänglich gerecht: Die Kritik zerriss „Inchon“ in der Luft, und bei einem Budget von 46 Millionen US-Dollar konnte das von Bond-Regisseur Terence Young („Feuerball“) in Szene gesetzte Desaster lediglich 5 Millionen einspielen.

Geld war Oliviers einzige Motivation

Immerhin für Olivier hatte sich die Mitwirkung gelohnt. Er erhielt ein Honorar von einer Million Dollar für nur sechs Wochen Arbeit – zu einem Zeitpunkt, als es für ihn finanziell nicht sonderlich gut lief. Aus seiner Motivation machte er dabei keinen Hehl:

„Die Leute fragen mich, warum ich in diesem Film mitspiele“, gestand er damals in einem Interview (via SlashFilm). „Die Antwort ist einfach: Geld [...]. Ich bin erschöpft und spüre, dass das Ende naht. [...] Ich habe meiner Familie nichts zu hinterlassen außer dem Geld, das ich jetzt noch mit Filmen verdiene. Nichts ist mir zu niedrig, wenn es gut bezahlt wird. Ich habe mir das Recht verdient, alles mitzunehmen, was ich in der verbleibenden Zeit noch kriegen kann.“

Olivier starb 1987 im Alter von 82 Jahren. Auch wenn es das Geld aus seinem Spätwerk gewesen sein mag, mit dem er eine finanzielle Grundlage für seine Kinder geschaffen hat, bleibt er für Filme wie „Inchon“ eher nicht in Erinnerung. Seinen allerletzten Auftritt hatte er übrigens posthum – in einem so starbesetzten wie bildgewaltigen Flop. Um welchen Film es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels. Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.

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