Heute im TV: Der epische Oscar-Film eines Meisterregisseurs – mit Richard Gere und wunderschönen Landschaften
Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kubes bevorzugte Filmemacher*innen sind David Fincher, David Lynch, Martin Scorsese, Paul Thomas Anderson, Christopher Nolan, Stanley Kubrick, Quentin Tarantino, Joel Coen, Joachim Trier, Kathryn Bigelow sowie Steve McQueen.

Zur Primetime könnt ihr die wohl zugänglichste Arbeit eines der wichtigsten Kinomacher der letzten 50 Jahre im TV sehen. Nach Meinung von FILMSTARTS-Autor Oliver Kube zählt „In der Glut des Südens“ auch zu seinen besten und schönsten Werken.

Der schmale Grat“, „Badlands“, „The Tree Of Life“ oder zuletzt „Ein verborgenes Leben“ – die Liste der großartigen Arbeiten von US-Filmemacher Terrence Malick ist beeindruckend. Sein nach „Badlands“ zweites abendfüllendes Werk aus dem Jahre 1978 läuft am Abend ganz ohne Werbung im Free-TV. Der Autor dieses Artikels empfiehlt euch dringend, das mit einem Oscar für die beste Kameraarbeit ausgezeichnete Drama mit dem noch jungen, späteren Superstar Richard Gere („Pretty Woman“) einzuschalten.

In der Glut des Südens“ läuft am heutigen 30. März 2026 um 20.15 Uhr auf arte. Eine Wiederholung folgt am 3. April um 15.35 Uhr. Zudem steht der Film aktuell als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Alternativ könnt ihr den FSK-12-Titel derzeit ohne Aufpreis im Rahmen eures Flatrate-Abos bei JoynPLUS+* oder für ein paar Euro als Video-on-Demand abrufen:

Falls ihr ein Abo von Amazon Prime Video haben solltet, könnt ihr das Drama unter dem obigen Link übrigens ebenfalls ohne Aufpreis streamen. Dazu müsst ihr euch lediglich für den siebentägigen Gratis-Test des Kabel-Eins-CLASSICS-Channels* anmelden. Sofern ihr nicht wieder stornieren wollt, werden nach dem Probezeitraum 3,99 Euro pro Monat fällig.

Bilder wie Gemälde

Nachdem Terrence Malick seinen brillanten Debütfilm „Badlands“ noch mit zusammengeliehenem Geld selbst finanziert hatte, durfte er „In der Glut des Südens“ erstmals für ein etabliertes Studio drehen. Paramount Pictures gaben dem noch immer als Neuling geltenden Filmemacher 1976 ein Budget von drei Millionen Dollar, das dieser primär in den Look von „In der Glut des Südens“ investierte. Denn obwohl seine Story in Texas spielt, wurde sie in der 3.000 Kilometer nördlich gelegenen kanadischen Provinz Alberta gedreht.

Trotzdem gelang es Malick und seinem genialen Chef-Kameramann Néstor Almendros („Kramer gegen Kramer“), die Schönheit, aber auch die Gefahren der Natur im Süden der USA glaubhaft mit ebenso poetisch wie episch anmutenden Bildern zu vermitteln. Dabei wurden große Teile der Außenaufnahmen jeweils allein mit natürlichem Licht in der sogenannten „Goldenen Stunde“ eingefangen – den recht kurzen Zeitspannen jedes Tages kurz vor dem Sonnenaufgang beziehungsweise direkt nach dem Sonnenuntergang. Dieser Umstand verleiht den Szenen ein gemäldeartiges Aussehen.

Was für Bilder! Paramount Pictures
Was für Bilder!

Die beiden Künstler hatten so viel wunderschönes Material gedreht, dass es Malick und seinen Chef-Cutter Billy Weber („Top Gun“) zwei Jahre Arbeit kostete, den Film auf seine finale Länge von 95 Minuten zu bringen. Letztlich strich Malick das Gros der gefilmten Dialoge des Films und ersetzte sie durch ein improvisiertes Voiceover von Jungdarstellerin Linda Manz, das dann als indirekter Kommentar zur Handlung diente.

Aufgrund dieser enormen Verzögerung und einhergehenden Kostensteigerung wurden Produzent Bert Schneider („Easy Rider“) und Paramount-Boss Barry Diller („Indiana Jones“) sehr ungeduldig mit Malick. Schließlich drohten sie sogar damit, ihm den finalen Schnitt aus den Händen zu nehmen. Um die Kontrolle zu behalten, ließ der Regisseur ein Screening für die beiden Herren ansetzen und zeigte ihnen seine zu diesem Zeitpunkt noch weit über zweistündige „Work in progress“-Fassung. Schneider und Diller waren von dem Gesehenen so begeistert, dass sie Malick nicht nur weitermachen ließen, sondern auch zustimmten, ihm so viel zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen, wie er brauchte.

In der Glut des Südens
In der Glut des Südens
Starttermin 25. Mai 1979 | 1 Std. 34 Min.
Von Terrence Malick
Mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard
Pressekritiken
4,4
User-Wertung
3,3

Als der Streifen dann endlich in die Kinos kam, erntete er begeisterte Pressereaktionen für seine Optik, während die Story (aufgrund der spärlichen Dialoge?) vereinzelt als dünn kritisiert wurde. Malick gewann den Regie-Preis in Cannes und wurde im Anschluss ebenso wie sein Film für den Golden Globe nominiert.

Bei der Oscar-Verleihung 1979 erhielt Almendros den Academy Award für seine Kameraarbeit. Zudem wurden Ennio Morricones grandioser Score, das wunderbare Kostümdesign und der atmosphärische Sound für weitere Statuen nominiert. Allerdings konnte „In der Glut des Südens“ an den weltweiten Kinokassen nur ein paar hunderttausend Dollar mehr als sein Budget einspielen – was den Film nach Abzug der Werbekosten, Steuern und Abgaben an die Kinobetreiber zu einem satten Minusgeschäft machte.

Dennoch war Barry Diller auch im Nachhinein noch so verliebt in Malicks Werk, dass er ihm eine Million Dollar anbot, um auch sein nächstes Projekt für Paramount Pictures zu realisieren. Malick begann, an neuen Ideen zu arbeiten, war aber vom Dreh und vor allem der Postproduktion für „In der Glut des Südens“ so erschöpft, dass er diese aufgab, nach Paris umzog und bis zum Erscheinen von „Der schmale Grat“ fast 20 Jahre lang keinen Film mehr machte. Dass sich der ganze Stress dennoch und vollumfänglich gelohnt hat, könnt (und solltet) ihr heute Abend sehen.

"In der Glut des Südens": Das ist die Story

1916: Der heißblütige Bill (Richard Gere) hat im Affekt seinen Vorarbeiter (Stuart Margolin) in der Stahlfabrik erschlagen. Zusammen mit Freundin Abby (Brooke Adams) und seiner jüngeren Schwester Linda (Linda Manz) flüchtete er deshalb Hals über Kopf aus Chicago ins weit entfernte Texas. Alle drei finden Anstellung als Erntehelfer und -helferinnen bei einem wohlhabenden Farmer (Sam Shepard), der sich als unheilbar krank herausstellt.

Als Bill mitbekommt, dass der Boss ein romantisches Interesse an seiner Liebsten entwickelt, gibt er sich ihm gegenüber als Abbys Bruder aus. Seine Lebensgefährtin wiederum drängt er dazu, den schon bald folgenden Heiratsantrag des Farmers im Hinblick auf das zu erwartende üppige Erbe anzunehmen. Für eine Weile scheint die Intrige aufzugehen. Doch dann beginnt der Farmer das Spiel zu durchschauen – auch weil Abby Bills Plan zunehmend kritisch gegenübersteht. Da bricht eine Heuschreckenplage biblischen Ausmaßes über die Region herein und es kommt zur unvermeidlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern…

Bereits seit 2019 arbeitet Meisterregisseur Terrence Malick an seinem nächsten, aufgrund seines fortgeschrittenen Alters vielleicht sogar finalen Werk „The Way Of The Wind“. Warum das bereits abgedrehte Projekt jetzt in Gefahr geraten ist, niemals unsere Leinwände zu erreichen, hat FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian im folgenden Artikel für euch zusammengefasst:

Das vielleicht größte Kino-Epos unserer Zeit droht in der Versenkung zu verschwinden – und nie veröffentlicht zu werden!

*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren