Eines der berühmtesten Musikstücke in der Geschichte des Kinos: Jeder hat diese Melodie, die vor 60 Jahren komponiert wurde, schon mindestens einmal gesummt
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: vom obskuren 70er-Jahre-Horrorfilm über Kunstfilme von Chantal Akerman bis hin zum neuesten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

1966 kam ein absoluter Meilenstein des Western-Genres in die Kinos, der nicht zuletzt wegen seines musikalischen Hauptthemas in die Filmgeschichte einging. Hier erfahrt ihr, um welche weltberühmte Melodie es geht.

Eine kleine Stadt im amerikanischen Wilden Westen. Die Bewohner*innen haben sich um den Galgen versammelt, um der Hinrichtung von Tuco (Eli Wallach) beizuwohnen – doch nichts läuft wie geplant. Denn erst entweicht hinter den Holzbalken einer Scheune eine Rauchwolke, dann tritt die Silhouette eines gelassen an seiner Zigarette ziehenden Mannes (Clint Eastwood) aus der Dunkelheit – während auf der Tonspur eine leicht wimmernde Melodie erklingt, die dem Heulen eines Kojoten nachempfunden ist.

Das Stück steigert sich in der Folge immer mehr, Schicht um Schicht. Was als einsames Heulen beginnt, wächst zu einem vielstimmigen Klangbild an: fanfarenartige Trompeten, verzerrte E-Gitarren, stampfende Perkussion, ein bellender Männerchor.

Ennio Morricone hat das Titelhema zu „Zwei glorreiche Halunken“ (1966), der Abschluss von Sergio Leones sogenannter Dollar-Trilogie und einer der berühmtesten Italo-Western aller Zeiten, aus teils außergewöhnlichen Elementen zusammengesetzt – und eines der ikonischsten, unverkennbarsten Musikstücke der gesamten Kinogeschichte geschaffen, zutiefst komplex, aber simpel in seiner Anmutung. Wahrscheinlich verbinden die meisten Menschen sofort etwas mit der Komposition, selbst wenn sie den dazugehörigen Film gar nicht gesehen haben.

Zwei glorreiche Halunken
Zwei glorreiche Halunken
Starttermin 15. September 1967 | 3 Std. 00 Min.
Von Sergio Leone
Mit Clint Eastwood, Eli Wallach, Lee Van Cleef
Pressekritiken
4,5
User-Wertung
4,6
Filmstarts
5,0

„Zwei glorreiche Halunken“ war nach „Für eine Handvoll Dollar“ und „Für ein paar Dollar mehr“ die dritte Zusammenarbeit zwischen Leone und Morricone. Der große italienische Filmkomponist hatte sich damit einen großen Vertrauensvorschuss verdient, sodass er den kompletten Soundtrack bereits vor Beginn der Dreharbeiten einspielen konnte. Dementsprechend erklang das legendäre Hauptthema, sehr zur Freude aller Beteiligten, schon am Filmset.

„Es gibt zwei Arten, wie ein Zuschauer einen Film wahrnimmt: über das Sehen und über das Hören“, erklärte Morricone in einem Interview (via AdoroCinema). „Das Sehen macht 50 Prozent aus, das Hören die anderen 50 Prozent. Meine Arbeitsweise mit Sergio [Leone] ist die praktische Konsequenz aus dieser Theorie. Nicht alle Regisseure legen darauf wert, es scheint ihnen einfach nicht so wichtig zu sein. Und natürlich arbeite ich mit anderen Regisseuren nicht so wie mit Sergio.“

So entstanden viele von Ennio Morricones ikonischen Soundtracks

Morricone führte die Methodik weiter aus: „[...] Sergio erzählt mir eine Geschichte, zeigt mir bestimmte Einstellungen oder beschreibt sie. Er inszeniert alles für mich, und weil ich seinen Stil kenne, weiß ich genau, wie die Sequenz gedreht wird. Ich beginne zu komponieren und er sagt: ‚Nein.‘ Ich schreibe weiter, und er sagt wieder: ‚Nein.‘ Und so geht es dann eine Weile weiter, bis er schließlich ‚Ja‘ sagt.“

Obwohl es Morricones Aussagen nach immer ein wenig dauerte, bis ein Stück seine finale Form annahm, passte sein schwelgerisch-barocker Stil perfekt zu Leones opernhaft überhöhtem Inszenierungsstil. Auch für seine drei darauffolgenden Regiearbeiten – die Italo-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Todesmelodie“ sowie das Gangster-Opus „Es war einmal in Amerika“ – arbeitete Leone mit dem späteren Oscar-Gewinner zusammen.

Übrigens: Obwohl Morricone für die Musik zu Quentin Tarantinos blutigem Schneewestern-Kammerspiel „The Hateful 8“ (2015) den einzigen regulären Academy Award seiner Karriere erhielt, ließ er später kaum ein gutes Haar an dem Kult-Regisseur. Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:

"Es ist beleidigend": Quentin Tarantino setzt sich gegen häufige Kritik an seinen Filmen zur Wehr

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels. Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer brasilianischen Schwesternseite AdoroCinema erschienen.

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