Selbst das Spin-off „Rogue One: A Star Wars Story“ hatte zwei Jahre zuvor noch mehr als eine Milliarde Dollar an den weltweiten Kinokassen umgesetzt. Aber dann legte „Solo: A Star Wars Story“ eine regelrechte Bruchlandung hin: Am Ende wurden gerade einmal 392 Millionen Dollar eingenommen, angesichts des ikonischen Protagonisten und des Budgets von 250 Millionen Dollar eine geradezu läppische Summe. „Star Wars“ war für viele plötzlich kein Must-See mehr, sondern nur ein weiterer Blockbuster, den man schauen kann – oder eben auch nicht.
Dabei waren die Kritiken gar nicht mal übel, auch bei FILMSTARTS hat der Film solide 3,5 Sterne eingefahren. Im Fazit meiner Kritik zu „Solo“ fand sich allerdings schon damals als einen der Gründe für das schwache Abschneiden beim Publikum: „Ein nach verhaltenem Start schließlich doch noch sehr unterhaltsames ‚Star Wars‘-Abenteuer alter Schule“ – und die Formulierung „alter Schule“ ist in diesem Fall nicht unbedingt positiv gemeint.
In letzter Sekunde eingesprungen
Der zweifache Oscargewinner Ron Howard („A Beautiful Mind“) drehte mit seiner Weltraum-Erfahrung aus „Apollo 13“ einen Star-Wars-Space-Blockbuster, der in jederlei Hinsicht auf Nummer sicher geht – und gerade deshalb kaum jemanden wirklich begeistert. Das Mantra lautete offenbar „bloß nichts falsch machen“ – und genau deshalb wurden auch die ursprünglich angeheuerten Regisseure Phil Lord und Christopher Miller gefeuert, nachdem bereits ein beträchtlicher Teil der geplanten Dreharbeiten abgeschlossen war.
Die Begründungen von Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy und dem Produzenten Lawrence Kasdan klangen damals ein wenig so, als wüssten Lord & Miller überhaupt nicht, wie man einen Film macht – sie hätten zu wenig Material gedreht, um im Schnitt noch die nötige Flexibilität zu haben, und auch ihre Vorliebe für Improvisationen erschien den Verantwortlichen eher suspekt. Nun können wir nicht hinter die Kulissen schauen und deshalb auch nur schwer einschätzen, wer hier richtig liegt und wer nicht. Aber was wir tun können, ist, uns den neuen Lord-&-Miller-Blockbuster „Der Astronaut – Project Hail Mary“ anzuschauen.
Sci-Fi mit Herz, Verstand & Humor
„Der Astronaut“ ist eine Mega-Produktion mit einem Budget von mindestens 200 Millionen Dollar – und schon nach seinem ersten Wochenende auf dem besten Weg, einer der erfolgreichsten Filme des Jahres zu werden! Aber wenn man sich die Making-of-Videos ansieht, merkt man sofort – trotz des gewaltigen Aufwands wurde auch diesmal wieder viel improvisiert, vor allem bei der Interaktion zwischen Ryan Gosling und seinem felsigen Alien-Kumpel Rocky.
Außerdem hat das Regie-Duo sich die Zeit genommen, Dinge zu drehen, die für die Handlung nicht notwendig und die trotzdem im Film gelandet sind: Allen voran der Karaoke-Auftritt von Sandra Hüller, der zu den herausstechenden Highlights von „Der Astronaut“ gehört.
Mehr dazu von meinem Kollegen Markus Trutt in seiner begeisterten Video-Kritik zu „Der Astronaut“:
Die Regisseure haben also spürbar Bock auf Humor – behalten dabei aber immer den emotionalen Kern im Auge, nehmen ihre Figuren und ihre Story jederzeit angenehm ernst. Vielleicht hätte es in einem „Solo“-Film von Phil Lord und Chris Miller sogar mehr Dinge gegeben, die gar nicht funktionieren, wobei wir uns das nach „Der Astronaut“ ehrlich gesagt nur schwer vorstellen können.
Auf jeden Fall aber hätten die beiden einen frischen Wind in das Universum gebracht – und genau den hätte „Star Wars“ schon damals gut gebrauchen können, selbst wenn es 2018 noch niemand wahrhaben wollte …
Apropos frischer Wind: In nur wenigen Wochen startet am 20. Mai 2026 „The Mandalorian And Grogu“ mit Pedro Pascal und Sigourney Weaver in den deutschen Kinos: