Nur 7 (!) Prozent bei Rotten Tomatoes: Dieser Mystery-Thriller gilt als schlechtester Film von Kevin Costner – zu Unrecht!
Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.

Im Kino ging er unter, von der Kritik wurde er gnadenlos verrissen: Als Tiefpunkt im Schaffen von Oscar-Gewinner Kevin Costner gilt ein Mystery-Thriller, an den sich heute kaum noch jemand erinnert. Dabei lohnt es sich, dem Film eine Chance zu geben.

Mit welchem Film von Kevin Costner („Bodyguard“) könnt ihr so gar nichts anfangen? Ist es der überlange „Postman“? Sind euch bei „Draft Day“ regelmäßig die Augen zugefallen? Oder hat euch „Horizon“ derart kaltgelassen, dass ihr auf die still und leise in der Versenkung verschwundene Fortsetzung „Horizon 2“ sowieso keine Lust mehr habt? Denkbar. Doch als Tiefpunkt im Schaffen des „Der mit dem Wolf tanzt“-Regisseurs gilt unter Kritikern ein Mystery-Thriller aus dem Jahr 2002.

Die Rede ist von „Im Zeichen der Libelle“. Universal Pictures hoffte damals, mit diesem Projekt an den überwältigenden Erfolg von „The Sixth Sense“ anzuknüpfen und ebenfalls mit einem übersinnlich aufgeladenen, rätselhaften Charakterdrama zu punkten. Als Regisseur wurde Tom Shadyac verpflichtet, der mit „Ace Ventura“, „Der Dummschwätzer“ und „Patch Adams“ zuvor mehrere veritable Kassenerfolge inszeniert hatte.

Im Zeichen der Libelle
Im Zeichen der Libelle
Starttermin 11. April 2002 | 1 Std. 44 Min.
Von Tom Shadyac
Mit Kevin Costner, Kathy Bates, Susanna Thompson
User-Wertung
3,1
Filmstarts
2,0

„Im Zeichen der Libelle“ jedoch geriet zum veritablen Fehlschlag. Der Film scheiterte nicht nur daran, sein kolportiertes Budget von rund 60 Millionen US-Dollar wieder einzuspielen, auch das Echo der Fachpresse fiel vernichtend aus: Auf Rotten Tomatoes liegt der Anteil positiver Kritiken bei gerade einmal 7 Prozent – ein desaströser Wert. Dabei ist der Film längst nicht so misslungen, wie sein Ruf vermuten lässt.

Wer sich heute selbst ein Bild von „Im Zeichen der Libelle“ machen möchte, muss allerdings zur erst kürzlich erschienenen Blu-ray greifen, die unter anderem bei Onlinehändlern wie Amazon erhältlich ist. Im Streaming ist der Film derzeit nirgends verfügbar:

"Im Zeichen der Libelle" ist sehenswert!

Keine Frage: „Im Zeichen der Libelle“ leidet unter offensichtlichen Schwächen. Als esoterisch angehauchtes Trauerdrama neigt der Film zunehmend dazu, sich in religiös verbrämte Gefilde zu verirren, was schließlich in einer recht schmalzigen Ode an die Macht des Schicksals mündet – überkonstruiert und mit überdeutlicher, fast schon penetranter Symbolik aufgeladen.

Und doch besitzt „Im Zeichen der Libelle“ Qualitäten. Vor allem Kevin Costner überzeugt in der Rolle eines Witwers, der verzweifelt versucht, sich körperlich gegen seine Trauer zu stemmen, während ihn innerlich längst eine lähmende Leere erfasst hat. Mit seinem gewohnt zurückgenommenen, hier beinahe apathischen Spiel verleiht Costner dieser Figur eine stille Intensität. Abseits der aufgesetzten Spiritualität funktioniert der Film dadurch gut als entschleunigtes, sensibles Charakterporträt.

Zudem ist es interessant zu beobachten, wie sich „Im Zeichen der Libelle“ nach und nach in einen Thriller verwandelt. Costners Figur beginnt, rätselhafte Zeichen zu deuten, Spuren zu verfolgen und Hinweise zu entschlüsseln, um einem möglichen Kontakt aus dem Jenseits nachzugehen. Aus dem urbanen Drama um einen streng rational denkenden Arzt wird plötzlich ein Abenteuerfilm, der seinen Protagonisten in die eindrucksvolle Kulisse des venezolanischen Regenwalds führt. Das mag dramaturgisch nicht immer ganz rund wirken, entfaltet aber auf seine etwas unbeholfene Art einen eigentümlichen Charme.

Falls ihr wissen wollt, wer entscheidend war, dass Kevin Costner sein großes Western-Meisterwerk drehen konnte, müsst ihr den nachfolgenden Artikel lesen:

"Er hat die rote Linie überschritten": Ohne diesen Mann hätte Kevin Costner nie sein großes Western-Meisterwerk drehen können

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