Quentin Tarantino ist nicht nur bekannt für Kultfilme wie „Pulp Fiction“ oder „Kill Bill“ (der in der ultimativen Komplettfassung zurzeit wieder in den deutschen Kinos zu sehen ist), sondern auch für seine zwar immer leidenschaftlich vorgetragenen, oftmals aber auch streitbaren Aussagen zur Kinogeschichte. So ist es beispielsweise weitgehend Konsens, dass ein 2000er-Flop mit John Travolta zu den schlechtesten Sci-Fi-Filmen aller Zeiten zählt – doch Tarantino schätzt ihn so sehr, dass er ihn am liebsten selbst geschrieben hätte. Umgekehrt verachtet er einen ganz bestimmten Regisseur, der 2006 (wenige Monate vor seinem Tod im selben Jahr) einen Oscar für sein Lebenswerk erhielt und zu den respektiertesten Filmemachern Hollywoods gehörte: Robert Altman.
Quentin Tarantino hasst Robert Altman ...
Der US-amerikanische Autorenfilmer machte sich vor allem mit Ensemblefilmen wie „Nashville“, „The Player“ oder „Short Cuts“ einen Namen, die sich durch ihre episodische Erzählstruktur, eine außergewöhnliche Stardichte sowie die für Altman charakteristischen überlappenden Dialogen auszeichnen. Tarantino allerdings ist kein Fan – das hat er schon bei mehreren Gelegenheiten unmissverständlich klargestellt.
So bezeichnete er „Auch Vögel können töten“ (1970) als einen der „schlechtesten Filme, die je ein Studio-Logo trugen“, „Quintett“ (1979) nannte er „schrecklich, langweilig und sinnlos“, und trotz (oder gerade wegen) seiner Western-Affinität stampfte Tarantino auch „McCabe & Mrs. Miller“ (1971) verbal in Grund und Boden (mehr dazu hier). Altman selbst nannte er in diesem Zuge einen „verdammten Kiffer, der es nicht besser weiß.“
... und einen seiner Filme sogar ganz besonders!
Einen Sonderstatus in Altmans Filmografie nimmt „Popeye“ (1980) ein – eine der seltenen Auftragsarbeiten im Schaffen des Regisseurs. Die erste Realverfilmung der von Elzie Crisler Segar erdachten Cartoon-Serie um den schlagkräftigen Seemann und Spinat-Liebhaber sollte dem durch die Sitcom „Mork vom Ork“ zu großer Bekanntheit gekommenen Robin Williams seinen Leinwand-Durchbruch verschaffen. Mithilfe eines für damalige Verhältnisse stattlichen Budgets von 20 Millionen US-Dollar wurde eigens für den Film ein kleines Küstendorf auf Malta errichtet, das noch heute als Touristenattraktion existiert.
„Popeye“ konnte immerhin das Dreifache seiner Produktionskosten einspielen, doch mit dem filmischen Ergebnis waren die beiden beteiligten Studios – Disney und Paramount – nicht besonders glücklich. Dass bei den Dreharbeiten reichlich illegale Substanzen im Spiel waren (wir berichteten), machte sich im unebenen, zum Teil bizarren Tonfall der Musical-Komödie stark bemerkbar. Doch niemand hasst den Film so sehr wie Quentin Tarantino.
In seinem Buch „Cinema Speculation*“ ließ er kein gutes Haar an dem Werk (via Far Out Magazine): „Ein Teil der PR-Kampagne vor dem Kinostart von Altmans ‚Popeye‘ war das Versprechen, der Showdown würde einen der größten Kinokämpfe aller Zeiten enthalten. Völlig absurd für jeden, der sich durch Altmans grauenhafte Verunstaltung der Erinnerung an Segars Vorlage hat quälen müssen.“
Vor allem eine Entscheidung in "Popeye" hat Tarantino sauer gemacht
Als ultimativen Affront empfand Tarantino die Tatsache, dass Williams' Version von Popeye im Gegensatz zur Vorlage kein großer Fan von Spinat war. Schließlich fungiert das Gemüse in den Comics als entscheidender Kraftspender für die Hauptfigur: In brenzligen Situationen verleiht er Popeye übermenschliche Stärke und ermöglicht es ihm, seine Gegner – allen voran seinen Erzfeind Bluto (im Film gespielt von Paul L. Smith) – doch noch zu besiegen. Altman hingegen verweigere dem Publikum „diesen kathartischen Höhepunkt“ – und das „auf perverse Weise.“
Der „Once Upon A Time... In Hollywood“-Schöpfer fährt fort: „‚Popeye‘ war eine Gemeinschaftsproduktion von Disney und Paramount, also hat Altman, als er das Publikum mit diesem Film verarscht hat, zusätzlich sowohl Disney als auch Paramount verarscht. Es spielte keine Rolle, dass der Film erfolgreich war: Sie hassten so sehr, was Altman ihnen abgeliefert hatte – weil es so weit von dem entfernt war, was sie wollten und was er versprochen hatte –, dass die Studios ihn in den folgenden zwei Jahrzehnten nicht mehr engagierten. Er will Erwartungen nicht nur auf den Kopf stellen, er will zynisch auf sie pissen – einfach, um ein Arschloch zu sein.“
Da Altman ohnehin keine Möglichkeit mehr hat, sich gegen Tarantinos harte Worte zur Wehr zu setzen, lassen wir das an dieser Stelle einfach mal so stehen. Um einen anderen Regisseur, den der „Django Unchained“-Macher für wirklich gnadenlos untalentiert hält, dreht sich übrigens der nachfolgende Artikel:
"Die Regie als miserabel zu bezeichnen, ist eine Beleidigung für alle anderen Regisseure": Diesen 80er-Jahre-Flop hasst Quentin Tarantino abgrundtiefFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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