Die 2020er-Jahre könnten als DAS Jahrzehnt der Musikfilme in die Geschichte eingehen. Schon jetzt lässt sich die Zahl der Biopics, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen, kaum mehr überblicken. Von „Back To Black“ und „One Love“ über „Maestro“, „Respect“ und „Elvis“ bis hin zu „Like A Complete Unknown“ und „Better Man“ mit einem CGI-animierten Affen als Robbie Williams. Und nun also „Michael“.
Apropos CGI-Affe: Die Tatsache, dass in „Michael“ ebenfalls eine solch digital erzeugte (tierische) Figur auftritt, wenn auch nur als Sidekick, veranlasste viele Kritiker zu Häme und Spott. Und diente als Metapher: Der animierte Affe, der stellvertretend für die ganze Künstlichkeit und Oberflächlichkeit des rund 170 Millionen Dollar teuren Mammutprojekts stehe!
Ich habe "Michael" doch noch gesehen – und es nicht bereut!
Aufgrund der vielen negativen und allerhöchstens durchwachsenen Besprechungen, begann ich zu überlegen: Ist die Kritikerschelte wohl doch berechtigt? Muss ich mir den Film wirklich im Kino ansehen? Doch die Vorfreude und meine seit 1991 existierende Bewunderung für den „King of Pop“ (seit der „Dangerous“-Ära) waren schlicht zu groß. Ich ging ins Kino und ich wurde nicht enttäuscht – im Gegenteil!
Wenn ihr Jacko-Fans seid und „Michael“ noch nicht gesehen habt, solltet 1. auf jeden Fall noch ein Ticket lösen und euch 2. darüber im Klaren sein, dass in den folgenden Abschnitten Spoiler folgen werden.
„Michael“ ist alles andere als glatt, unreflektiert und seicht. Stattdessen macht Regisseur Antoine Fuqua konsequent DEN Kernkonflikt in Michaels Lebens zum emotionalen Zentrum des Films: das von Abhängigkeiten und (physischem wie seelischem) Schmerz geprägte Verhältnis zu seinem Vater. „Michael“ widmet sich in vielen nachdrücklichen Szenen dem komplexen Spannungsfeld zwischen dem Wunderkind mit der engelsgleichen Stimme und dem prügelnden, unerbittlichen Antreiber und Machtmenschen Joseph Jackson. Das Biopic beschönigt hier nichts und thematisiert die frühe Traumatisierung der gesamten Familie ausführlich.
Der "King of Pop" als komplexer Charakter
Den visionären Popstar zeigt Fuqua als sanftmütigen und sozial zutiefst verunsicherten, innerlich fragilen Menschen. Eine Person, mehr Kind als Mann, die ihre exzentrischen Vorlieben (Privat-Zoo!) auslebt und sich am liebsten in die Abenteuergeschichten Peter Pans flüchtet. Gleichsam verschweigt der Film Michaels Medikamenten-Abhängigkeit und den – fast wahnhaften – Perfektionismus des Sängers nicht, der auch seinen Mitmusikern ordentlich zusetzte. Von Oberflächlichkeit oder einer allzu positiven Darstellung des Künstlers also keine Spur!
Ja, es stimmt, „Michael“ weicht bisweilen vom historischen Geschehen ab, gerade in der Darstellung der (frühen) „Jackson 5“-Ära. Zudem wird „Off the Wall“ mehrfach als Michaels Solodebüt genannt. Tatsächlich war es bereits das fünfte Solowerk des damals 20-jährigen, kommenden Megastars. Doch geschenkt. Dies sind Kleinigkeiten und Details, die ohnehin nur echten Jackson-Kennern auffallen dürften. Im Gegensatz dazu wiegen die inhaltlichen Freiheiten und die gravierenden Filmfehler in Bryan Singers „Bohemian Rhapsody“ deutlich schwerer.
"Er ist kein besonders guter Schauspieler": Dieser kontroverse Kultdarsteller sollte Freddie Mercury eigentlich in "Bohemian Rhapsody" spielenElektrisierende und täuschend echte Live-Auftritte
Für mich übertrifft „Michael“ das Biopic über Freddie Mercury und Queen sogar noch. Und zwar in allen Belangen: bei der Ausstattung, beim Look, den Darsteller-Leistungen (eine Wucht: Colman Domingo als unerbittliches Familienoberhaupt) und in den Musik-Momenten. Die brillant choreografierten Musik-Szenen (vor allem bei den Video-Drehs zu „Thriller“ und „Beat It“) sowie die mitreißenden Live-Impressionen, die täuschend echt an das Original heranreichen, sind die wahren „Michael“-Gänsehaut-Momente!
Ikonische Auftritte wie Jacksons entwaffnende „Billie Jean“-Performance bei der „Motown 25“-Gala („Moonwalk“-Weltpremiere!) oder seine umjubelte Wembley-Live-Show bei der „Bad“-Tour zeigen einen Künstler auf dem Höhepunkt – und mit Jaafar Jackson einen Hauptdarsteller, der nicht nur aussieht wie der Superstar. Dank eines leidenschaftlichen, unbekümmerten Auftritts WIRD der Neffe von Michael Jackson auf der Leinwand schlichtweg zum King of Pop. Seine virtuose Performance bleibt lange im Gedächtnis und übertrifft für mich Rami Maleks Mercury-Darbietung sogar noch!
Trotz – oder gerade wegen – der Kritikerschelte, ist „Michael“ schon jetzt ein echter Kinohit. Mit einem Rekord-Start an den globalen Kinokassen:
"Oppenheimer" & "Bohemian Rhapsody" geschlagen: Rekord-Start für "Michael" an den weltweiten KinokassenFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.