Vor 27 Jahren ist mit Stanley Kubrick einer der größten Regisseure aller Zeiten verstorben. Tatsächlich hat der gebürtige New Yorker in seiner fast 50 Jahre umspannenden Karriere nur 13 Langfilme inszeniert, doch viele davon gelten als Meilensteine der Kinogeschichte: von „2001: Odyssee im Weltraum“ über „Uhrwerk Orange“ bis hin zu „Full Metal Jacket“. Kubrick war berüchtigt für seinen Perfektionismus und seine kompromisslose Arbeitsweise, mit der er so manchen Superstar verprellte.
Angesichts seines enormen Einflusses ist es für Fans natürlich interessant zu erfahren, welche Filme der „Barry Lyndon“-Schöpfer selbst besonders geschätzt hat. Wenn es dabei um seinen absoluten Favoriten geht, kursieren sogar gleich mehrere Titel:
In einer 1963 von Kubrick höchstpersönlich veröffentlichten All-Time-Top-10 setzte er beispielsweise Federico Fellinis „Die Müßiggänger“ auf den ersten Platz. Doch natürlich handelt es sich bei solchen Listen oftmals nur um Momentaufnahmen. Später bezeichnete er so etwa das 70er-Jahre-Musical „Hinter dem Rampenlicht“ als besten Film, den er je gesehen habe (mehr dazu hier) – und dann ist da auch noch „Eraserhead“, das Langfilmdebüt von David Lynch!
Lynch höchstpersönlich hat in einem Videointerview verraten, dass Kubrick den Film einmal als seinen Lieblingsfilm bezeichnete. Erfahren hat der „Twin Peaks“-Macher das aber ebenfalls nur über Dritte, denn obwohl er zu den großen Bewunderern Kubricks gehörte und ihn nach eigenen Aussagen gern einmal getroffen hätte, schlug er die Option eines persönlichen Gespräches aus.
„Ich habe gerade ‚Der Elefantenmensch‘ gedreht, als jemand aus meiner Crew auf mich zukam und sagte: ‚Stanley Kubrick würde gerne mit dir reden‘“, erinnerte sich Lynch. „Ich hatte große Angst, weil ich wusste, dass Kubrick jedes Gespräch aufnimmt – und ich mag es nicht, wenn meine Stimme aufgezeichnet wird. Also sagte ich Nein.“
Die Wahrscheinlichkeit, dass Kubrick ihm seine Bewunderung für „Eraserhead“ mitteilen wollte, ist ziemlich hoch. Denn im selben Interview teilte Lynch noch eine weitere Anekdote, die sich kurze Zeit später ereignet haben soll:
„Ich war im Flur der Lee International Film Studios, und [Filmproduzent] Jonathan Sanger brachte zwei Typen zu mir rauf, denen ich Hallo sagen sollte. […] Sie erzählten mir: ‚David, gestern waren wir in den Elstree Studios [wo Kubrick gerade sein Horror-Meisterwerk ‚Shining‘ drehte], wir haben dort Stanley Kubrick getroffen und mit ihm gesprochen. Irgendwann sagte er: ‚Wollt ihr mit zu meinem Haus kommen und meinen Lieblingsfilm gucken?‘ Und sie sagten: ‚Großartig!‘ Sie gingen also mit zu ihm nach Hause und Kubrick zeigte ihnen ‚Eraserhead‘“.
Falls ihr den Film noch nicht kennt, könnt ihr ihn unter anderem beim Amazon-Prime-Video-Channel ARTHAUS+ streamen – für Prime-Kunden ist das über ein 7-tägiges Probeabo sogar völlig kostenlos:
Das ist "Eraserhead"
„Eraserhead“ kurz und knapp zu erklären, ist gar nicht so einfach: Der keine 90 Minuten lange Schwarz-Weiß-Low-Budget-Film (er hat gerade einmal 100.000 US-Dollar gekostet) ist eines der formal radikalsten Werke im Schaffen des Surrealismus-Meisters David Lynch. Im Mittelpunkt steht der schüchterne Henry Spencer (Jack Nance), der in einer albtraumhaften Industrielandschaft lebt und nach der Geburt eines grotesk deformierten Babys zunehmend den Bezug zur (ohnehin schon verzerrten) Realität verliert.
Ich habe den Film erst vor etwa einem Jahr im Rahmen einer Hommage an den Anfang 2025 verstorbenen Regisseur wiedergesehen – von einer wunderschönen 35mm-Kopie bei voll aufgedrehtem Sound. Viele Bilder hatten sich schon zuvor unweigerlich in mein Gedächtnis eingebrannt, doch vor allem die ohrenbetäubende (Stör)Geräuschkulisse hat mich regelrecht erstarren lassen – aber noch überraschter war ich davon, dass ich „Eraserhead“ als Film über Einsamkeit und existenzielle Entfremdung von der Welt plötzlich eigentümlich berührend fand. Kein Wunder also, dass auch Kubrick ihn geschätzt hat – schließlich handelt es sich bei „Eraserhead“ um einen Film, den man immer wieder neu erleben kann.
Übrigens ist auch überliefert, dass Kubrick „Eraserhead“ einmal der gesamten „Shining“-Crew vorgeführt und ihn als einen der Haupteinflüsse für seine längst zum Klassiker avancierte Stephen-King-Adaption betrachtet hat. Ziemlich gruselig sind auf jeden Fall beide Filme – aber nicht so sehr wie ein 80er-Jahre-Thriller, den Kubrick für den gruseligsten Film aller Zeiten hielt! Hier erfahrt ihr, um welchen Titel es geht und wo ihr ihn sofort sehen könnt:
"Der gruseligste Film, den ich je gesehen habe": Dieses Thriller-Meisterwerk war für Stanley Kubrick beängstigender als "Shining"FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.