"Was ist die beste Spekulation?" Christopher Nolan verteidigt "Die Odyssee" gegen die Kritik, sein Fantasy-Epos sei zu modern
Julius Vietzen
Julius Vietzen
-Senior-Redakteur
Egal, ob "Der Herr der Ringe", "Harry Potter" oder "Drachenzähmen leicht gemacht": Julius ist ein großer Fantasy-Fan. Aktuell liest er die "Das Rad der Zeit"-Reihe.

Zu modern, zu divers, zu amerikanisch: Über Christopher Nolans „Die Odyssee“ wird bereits viel diskutiert. Nun hat der Regisseur einige seiner Designentscheidungen in dem 250 Millionen Dollar teuren Fantasy-Epos erklärt.

Lange Zeit sorgte die Vorstellung, dass sich Christopher Nolan mit „Die Odyssee“ an die Adaption einer der ältesten und berühmtesten Geschichten überhaupt wagen würde, hauptsächlich für Begeisterung. Doch spätestens seit der Veröffentlichung des neuen, längeren Trailers zu „Die Odyssee“ sind vor allem im englischsprachigen Raum auch zahlreiche Debatten entbrannt: Dass die Figuren amerikanisches Englisch sprechen (und nicht etwa wie in den meisten historischen Filmen britisches Englisch), dass die Besetzung zu divers sei und das Design von Figuren, Monstern und Kostümen zu modern – all das war wurde und wird im Internet lautstark diskutiert und kritisiert. Nun hat Nolan einige dieser Entscheidungen erklärt.

"Sehr lückenhafte archäologische Aufzeichnungen"

In einem ausführlichen Porträt im Magazine Time erklärte er etwa, dass unser Wissen über die Bronzezeit (also jene Periode der Menschheitsgeschichte, in der „Die Odyssee“ spielt) auf „sehr lückenhaften archäologischen Aufzeichnungen“ basiere. Der für seine akribische Recherche bekannte Filmemacher ging dabei etwa auf die Rüstung von Agamemnon ein, die einigen Fans zu sehr nach Batman und zu wenig nach griechischer Antike aussieht:

„Es gibt mykenische Dolche, die aus geschwärzter Bronze bestehen. Die Theorie ist, dass sie damals wahrscheinlich Bronze schwärzen konnten. Man nimmt Bronze, fügt etwas mehr Gold und Silber hinzu und nimmt dann Schwefel“, so Nolan. „Bei Agamemnon versucht unsere Kostümdesignerin Ellen Mirojnick zu kommunizieren, dass er eine sehr hohe Position im Vergleich zu allen anderen einnimmt. Und das tut man durch Materialien, die sehr teuer gewesen wären.“

Bei Time heißt es außerdem, dass Nolan auch für viele andere Designentscheidungen ähnliche Begründungen liefern könne und sich dabei jeweils auf die Bronzezeit oder die Zeit von Homer, dem mutmaßlichen Autor von „Ilias“ und „Odyssee“, einige Jahrhunderte später beziehe.

Was "Interstellar" und "Die Odyssee" gemein haben

Weil man über diese Epochen so wenig Konkretes weiß, vergleicht Nolan im Gespräch mit Time seine Vorgehensweise mit der bei seinem Science-Fiction-Film „Interstellar“: „Bei ‚Interstellar‘ war die Frage: Was ist die beste Spekulation über die Zukunft? Und wenn man sich die sehr frühe Vergangenheit anschaut, ist es tatsächlich sehr ähnlich. Was ist die beste Spekulation und wie kann ich das nutzen, um eine Welt zu erschaffen?“

Dabei ist sich Nolan bewusst, dass er nicht jede und jeden zufrieden stellen könne: „Hoffentlich finden sie den Film trotzdem gut, auch wenn sie nicht mit allem übereinstimmen. Bei ‚Interstellar‘ haben sich auch viele Wissenschaftler beschwert. Aber man will natürlich nicht, dass die Leute denken, dass man leichtfertig an die Sache heran gegangen ist.“

Auch auf eine viel diskutierte Personalie ging Nolan in dem Artikel übrigens ein, wenn auch indirekt: Ein Trailer hatte bereits Anfang 2026 angekündigt, dass Rapper Travis Scott in „Die Odyssee“ mitspielt. Dazu erklärte Nolan gegenüber Time: „Ich habe ihn in dem Film besetzt, weil ich einen Verweis auf die Idee wollte, dass diese Geschichte [also ‚Die Odyssee‘ mündlich überliefert wurde, ganz ähnlich wie Rap.“

„Die Odyssee“ kommt am 16. Juli 2026 in die deutschen Kinos. Und alle, denen diese Version nicht der Geschichte nicht gefällt, können sich schon bald auf eine weitere Variante freuen:

Konkurrenz für Christopher Nolans "Die Odyssee": Auch der "Fluch der Karibik"-Macher verfilmt das Fantasy-Epos – dank eines TikTok-Hypes

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