Er verbot die Nennung seines Namens im Abspann: Wisst ihr, welcher Superstar den großen Widersacher in "Hannibal" spielt?
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

In Ridley Scotts „Hannibal“ spielt ein absoluter Ausnahme-Star eine zentrale Rolle als Widersacher von Anthony Hopkins' Kannibalen. Trotzdem war sein Name bei der Kinoauswertung nicht im Abspann zu lesen. Und die Story dahinter ist richtig spannend.

Dass Stars kleine Cameos ohne Nennung vorab oder im Abspann absolvieren, kommt häufiger vor. Mal entstand so ein Auftritt spontan beim Besuch eines Drehs (Brad Pitt in „Deadpool 2“) oder aufgrund einer Freundschaft mit dem Filmemacher (Daniel Craig in „Star Wars 7“) oder einfach als bereits im Drehbuch geplanter Gag für das Publikum (Bill Murray in „Zombieland“). Doch dass der Schauspieler einer ganz zentralen Rolle nicht genannt wird, hat absoluten Seltenheitswert. Genau um einen solchen Fall geht es allerdings in diesem Artikel zu „Hannibal“.

Zehn Jahre nach dem Thriller-Meisterwerk „Das Schweigen der Lämmer“ kehrte Anthony Hopkins 2001 für diesen Film noch einmal als Hannibal Lecter zurück. Diesmal allerdings nicht unter der Regie von Jonathan Demme, sondern inszeniert von „Alien“- und „Blade Runner“-Macher Ridley Scott. Auch Jodie Foster war nicht mehr dabei: Die Rolle der FBI-Agentin Clarice Starling übernahm stattdessen Julianne Moore.

Doch neben diesen beiden bekannten Figuren gibt es in „Hannibal“ noch einen Charakter, der für die Handlung entscheidend ist: Mason Verger ist ein schwer entstellter Millionär, der eine grausame Vergangenheit mit Lecter teilt und den Kannibalen nun in eine Falle locken will. Er ist der zentrale Widersacher der Story.

Mason Verger in MGM
Mason Verger in "Hannibal" - der Schauspieler dahinter ist kaum zu erkennen.

Doch wer verbirgt sich hinter der Rolle? Darüber rätselten damals einige beim Kinobesuch. Denn der Schauspieler ist im Film kaum wiederzuerkennen. Sein Gesicht ist durch aufwendige Make-up-Effekte deformiert, sein Körper gelähmt, seine Stimme verändert. Und genau deshalb dürften viele gar nicht bemerkt haben, dass unter all den Prothesen Gary Oldman steckt.

Der Mann mit den vielen Gesichtern spielt den Mann ohne Gesicht

Oldman galt bereits damals einer der wandlungsfähigsten Schauspieler Hollywoods. Er hatte sich unter anderem für seine Rollen als Sid Vicious in „Sid & Nancy“, Lee Harvey Oswald in „JFK“, Dracula in Francis Ford Coppolas gleichnamigen Horror-Klassiker und Ludwig van Beethoven in „Ludwig van B.“ schon jeweils so verändert, dass viele zwei Mal hinschauen musste, um Oldman zu erkennen. Das brachte ihm einen Spitznamen ein und nach Aussage des Schauspielers selbst reizte ihn die daraus resultierende Meta-Ebene die Rolle in „Hannibal“ zu übernehmen. Dass der als „Mann mit vielen Gesichtern“ gepriesene Schauspieler ausgerechnet einen Mann verkörpert, dessen eigenes Gesicht nahezu ausgelöscht wurde, sei doch besonders.

Doch womöglich wäre das beinahe gescheitert und damit sind wir mitten in der Geschichte, warum bei der ursprünglichen Kinoauswertung Oldmans Name nicht im Abspann genannt wurde. Übrigens änderte sich das zur späteren Heimkino-Veröffentlichung. Wenn ihr heute den Film auf DVD oder Blu-ray erwerbt oder streamt, werdet ihr Oldmans Name ganz normal finden.

Zur Story hinter dem Verzicht auf die Nennung des Stars bei der Kinoauswertung gibt es leicht unterschiedliche Versionen – von Gary Oldman selbst sowie von Produzentin Martha De Laurentiis. Was sie verbindet, ist die Information, dass Gary Oldman selbst nicht genannt werden wollte. Zu den Gründen dahinter gibt es verschiedene Darstellungen.

Gab es Streit um die Nennung von Gary Oldman?

Wie Produzentin Martha De Laurentiis viele Jahre später dem Guardian erzählte, gab es von Beginn an Probleme mit Gary Oldmans Nennung im Abspann des Films und auch auf Postern. Denn der Superstar habe zuerst darauf bestanden, als vermeintlicher Hauptdarsteller die Top-Nennung zu bekommen. Das war natürlich unmöglich. In einem Film mit dem Titel „Hannibal“, in dem erst einmal Anthony Hopkins als Lecter und dann auch noch Julianne Moore als Clarice Starling im Mittelpunkt stehen, mussten diese Namen prominent vor allen anderen kommen.

Gary Oldman habe, als ihm sein Wunsch verweigert wurde, erst einmal hingeschmissen und sei aus dem Projekt ausgestiegen. Doch nach einer Weile sei er zurückgekommen und habe die Idee präsentiert, komplett auf seine Nennung zu verzichten. Sein Name dürfe nirgends in Zusammenhang mit dem Film auftauchen. Es solle eine echte Überraschung für alle werden, die ihn dann während des Anschauens des Films erkennen.

Hannibal
Hannibal
Starttermin 15. Februar 2001 | 2 Std. 05 Min.
Von Ridley Scott
Mit Anthony Hopkins, Julianne Moore, Gary Oldman
User-Wertung
3,6
Filmstarts
3,5

Doch dann machte Marthas Ehemann, der mächtige Produzent Dino De Laurentiis, einen Tag vor Beginn der Dreharbeiten die Beteiligung Oldmans öffentlich. In der Ankündigung des Produktionsstarts enthüllte er, dass der Superstar als Mason Verger an Bord ist. Laut Martha De Laurentiis sei der Schauspieler dann noch mal richtig stocksauer gewesen. Dass er erneut hinschmiss, wurde zwar verhindert, aber er habe die Rolle wohl mit viel Wut im Bauch gespielt (was ja vielleicht der Performance sogar zuträglich gewesen ist).

Oder war der Credit-Verzicht nur ein Gag?

Oldman selbst stellte die Sache deutlich lockerer da. Hinsichtlich eines angeblichen Streits äußerte er sich nie. Sein Managment verweigerte damals auf eine Anfrage des Guardians eine Stellungnahme zur Aussage von De Laurentiis. In einem Interview des Stars mit IGN im Jahr 2012 klingt es allerdings nicht so, als wäre er sauer gewesen, dass sein Mitwirken ausgeplaudert wurde. Schließlich sei es beim Verschweigen seines Namens gar nicht so sehr um Geheimhaltung gegangen. Man habe sich schlicht einen Spaß erlaubt:

„Da ich inoffiziell der Mann der vielen Gesichter bin, du weißt schon, von Lee Harvey Oswald, Dracula, Sid Vicious und Beethoven, dachten wir uns, dass ich dieses Mal den Mann ohne Gesicht spiele. Wir haben uns also einfach einen kleinen Spaß daraus gemacht. Wir fanden die Idee großartig: Der Mann ohne Gesicht und ohne Namen, und das Ganze quasi anonym durchzuziehen. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich in dem Film mitspiele. Wir wollten damit eigentlich nur unseren Spaß haben.“

Ob die fehlende Nennung nun aus einem Streit um die Platzierung im Abspann entstand oder einfach nur ein kleiner Spaß war, wird sich wohl nie mehr endgültig klären. Sicher ist dagegen, dass die radikale Verwandlung von Gary Oldman in „Hannibal“ so beeindruckend ist, dass man tatsächlich übersehen kann, dass er den Part spielt, obwohl es sich nicht um einen Cameo, sondern eine der auffälligsten Figuren des ganzen Films handelt.

Auch ein weiterer Star spielte in einem Film von Ridley Scott eine wichtige Rolle ohne Nennung im Abspann. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

Sein Name wird nicht einmal im Abspann genannt: Wisst ihr, welcher Superstar den maskierten König in "Königreich der Himmel" spielt?

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