Es gibt Komödien, die in Sachen Schauplatz und beteiligter Personen extrem reduziert sind. Kammerspielartige Werke, die von ihrem zugespitzten (Wort)Witz leben und ihren Reiz gerade aus dem minimalistischen Setting beziehen. Ein wunderbares Beispiel dafür ist Roman Polanskis ebenso wortreiche wie beschwingte Theaterstück-Adaption „Der Gott des Gemetzels“, in dem sich zwei Elternpaare gehörig in die Haare kriegen. Ein ebensolches Dialogfeuerwerk inklusive satirischer Pointen zündet ebenso Sönke Wortmann in seinem Komödien-Erfolg „Der Vorname“ von 2018.
Ein harmloser Witz unter Freund*innen beim Abendessen führt darin zu einem Streit, der immer heftiger eskaliert! Und das ganz zur Freude der Zuschauer*innen, die bei alledem einen Blick hinter die Fassade des angeblich so zivilisierten und braven Bürgertums erhalten. Fast 1,2 Millionen Kinotickets wurden für das wortgewitzte Leinwand-Dialogfeuerwerk gelöst – damit zählt „Der Vorname“ zu den Top 5 der meistgesehenen deutschen Produktionen 2018!
Wer den Film noch nicht kennt, kann Wortmanns köstlichen mit hochkarätigen Stars besetzten innerfamiliären Schlagabtausch ab sofort im Flatrate-Programm von Amazon Prime Video nachholen:
Und wer danach gleich weiterschauen mag, kann mit dem ebenfalls neu im Prime-Video-Abo zu sehenden Sequel „Der Nachname“ vom selben Team vor und hinter der Kamera nachlegen:
Beide Filmen sollen übrigens ab dem 25. Juni 2026 auch im Flatrate-Programm von HBO Max zu enthalten sein.
Alles nur ein Scherz, oder?
Stephan (Christoph Maria Herbst) und Elisabeth (Caroline Peters) laden zu einem gemütlichen Essen bei sich zu Hause. Erwartet werden Elisabeths Bruder Thomas (Florian David Fitz), ein Immobilienmakler, und seine schwangere Frau Anna (Janina Uhse). Später stößt noch Orchestermusiker René König (Justus von Dohnányi) zur illustren Runde. Zunächst sieht alles nach einem vergnüglichen Abend unter Vertrauten aus. Doch dann wird Thomas nach dem Namen seines ungeborenen Kindes gefragt. Er fordert die anderen scherzhaft dazu auf, den Namen zu erraten. Trotz Hilfestellung (er gibt den Anfangsbuchstaben „A“ vor) kommen die anderen nicht auf die Lösung. Bis Thomas das Rätsel auflöst: Das Kind solle tatsächlich den historisch belasteten Namen Adolf bekommen. Es ist der Beginn eines diskussionsreichen Abends, in dessen Verlauf sich die Gemüter immer weiter erhitzen.
„Der Vorname“ ist ein Remake des gleichnamigen französischen Originals von 2012, das, wie „Der Gott des Gemetzels“, auf einem gesellschaftskritischen Theaterstück basiert. Unterschwellige Gesellschaftskritik fand sich auch in Wortmanns bisherigen, frühen Komödien, etwa in „Der bewegte Mann“ oder „Das Superweib“. Doch nie zuvor trat sie in einem seiner Werke so deutlich zu Tage wie in „Der Vorname“.
Der Regisseur entlarvt darin die angeblich ach so gesittete bürgerliche Fassade und die gut situierte „Familie“ als aufgesetztes, künstliches Konstrukt, das extrem brüchig ist und letztlich in sich zusammenfällt. Die Presse war begeistert und auch in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es für „Der Vorname“ gute 3,5 von 5 möglichen Sternen. Chefredakteur Christoph Petersen befand: „Wortmann [setzt] einige giftige Spitzen gegen die allzu selbstzufriedene Wohlfühl-Gesellschaft und liefert dazu ein verbales Massaker mit viel Tempo und Witz, dem nur gegen Ende etwas die Luft ausgeht.“
Aufgrund des großen Erfolgs an den Kinokassen waren die Fortsetzungen schnell beschlossene Sache. Mit den deutschen Eigenproduktionen „Der Nachname“ (2022) und „Der Spitzname“ (2024) komplettierte Wortmann seine „Namen-Trilogie“.
In allen drei Filmen brilliert Christoph Maria Herbst als Uni-Professor Stephan Berger – ein stocksteifer, bornierter Geizhals wie er im Buche steht! Aktuell ist Herbst übrigens mit „Sommer auf Asphalt“ im Kino. Habt ihr die Tragikomödie schon gesehen?
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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.