Einer der besten Filme des Jahres kommt endlich ins Heimkino: Auch Tarantino feiert ihn – und war dafür gleich 2x im Kino!
Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Zu verrückt? Gibt es nicht! Wo Neues entsteht, beginnt für Daniel Kino, das sich ins Gedächtnis brennt. Je schräger und verrückter, desto besser!

Quentin Tarantino eckte mit seinen Meinungen zuletzt immer wieder an. Im Falle eines der Kino-Highlights 2026 muss ihm FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian allerdings Recht geben. Jetzt feiert der Liebesfrief ans Kino Premiere auf DVD und Blu-ray.

Ob es nun die Filme sind, für die er brennt, oder die, denen er rein gar nichts abgewinnen kann: Quentin Tarantino lässt mit Lobhuldigungen ebenso wie mit Verrissen regelmäßig die Wogen hochgehen. Mit seinen Äußerungen zu Paul Dano brachte er das Internet und Hollywood gleichermaßen gegen sich auf, mit seiner Liebeserklärung für Netflix' „The Rip“ sorgte er für mindestens ebenso große Verwunderung. In einem Punkt muss ich dem „Pulp Fiction“-Macher allerdings Recht geben – und zwar, wenn es um den neuen Film von Ausnahme-Regisseur Richard Linklater („Before Sunrise“, „Boyhood“) geht:

Quentin Tarantino war für „Nouvelle Vague“ im Zuge der Weltpremiere in Cannes sogar gleich zweimal an einem Tag im Kino – und brachte seine Begeisterung zum Ausdruck, in dem er die Standing Ovations für die Liebeserklärung an die titelgebende französische Kunstfilmbewegung entschlossen anführte. Bis ich den Film über die Entstehung von Jean-Luc Godards Gangsterfilm-Klassiker „Außer Atem zu sehen bekam, sollte es am Ende zwar noch eine Weile dauern, doch kann ich mir der Begeisterung des „Kill Bill“-Regisseurs nur anschließen:

„Nouvelle Vague“ ist ein Fest für Cinephile und einer der besten Filme 2026 – der im Kino zwar leider ziemlich unterging, nun aber endlich im Heimkino nachgeholt werden kann.

Während der Film in den USA nur für kurze Zeit in den Kinos lief, bevor er direkt bei Netflix landete, kam es hierzulande dank Plaion Pictures zu einer regulären Auswertung auf der Leinwand. Ein weltweites Box Office von gerade einmal 1,9 Millionen Dollar zeigt jedoch: Kaum jemand hat „Nouvelle Vague“ im Kino gesehen. Umso nachdrücklicher die Empfehlung, ihn spätestens jetzt vom Sofa aus nachzuholen. Es lohnt sich – vor allem, wenn ihr etwas für Godard, Jean-Paul Belmondo, die französische Neue Welle oder das (europäische) Kino im Allgemeinen übrig habt. Die physische Auswertung erscheint parallel zur digitalen Version* am 25. Juni.

"Nouvelle Vague": Das ist die Story

Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck) verdingt sich im Paris der späten 50er-Jahre als Filmkritiker – und bekommt durch den Erfolg seines Freundes François Truffaut (Adrien Rouyard), der mit „Sie küssten und sie schlugen ihn“ für Furore sorgt, endlich die Möglichkeit, selbst einen Film zu drehen. Produzent George de Beauregard (Bruno Dreyfürst) überträgt ihm die Verantwortung für einen Gangsterfilm nach einer Vorlage Truffauts.

Godard wird jedoch schnell klar, dass er das Werk nur nach seinen Vorstellungen auf die Beine stellen kann, wenn er die festgefahrenen Gepflogenheiten am Filmset untergräbt. Und so hält er sich nicht an das vorgegebene Drehbuch, nimmt direkt am Set spontane Änderungen an der Geschichte vor und spornt seine aufstrebenden Stars Jean Seberg (Zoey Deutch) und Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) regelmäßig zur Improvisation an. Innerhalb der Crew sorgt er damit für Unruhe – letzten Endes lässt sich das Team aber doch von der Energie des Regisseurs anstecken. Denn dieser scheint an etwas Großem dran zu sein – das es so vielleicht noch nie gab…

Auch ohne Vorkenntnisse höchst unterhaltsam

Richard Linklater hat sich im Laufe der Jahre eine gewisse Lässigkeit angeeignet. Seine Filme funktionieren so in der Regel nicht nur nach dem klassischen Erzählprinzip, sondern laden als perfekte „Hangout Movies“, wie Quentin Tarantino sie beschreibt, in erster Linie dazu ein, einfach Zeit mit den Protagonisten zu verbringen – die gegen Ende zu so etwas wie Freunden werden. Diese Energie wohnt auch „Nouvelle Vague“ inne, der flott erzählt und ebenso verspielt wie authentisch inszeniert ist – und damit wunderbar kurzweilig ausfällt. Auch ohne von den Protagonisten überhaupt jemals gehört zu haben. Zu schmissig sind die Dialoge, zu souverän die Art und Weise, mit der sie Marbeck und Co. geradezu beiläufig raushauen, als dass man ihnen nicht erliegen könnte.

Und trotzdem: Es lässt sich nicht leugnen, dass, wer mit der Materie vertraut ist – oder zumindest „Außer Atem“ gesehen hat –, mit dieser Hommage noch ein wenig mehr Spaß haben wird. Gerade deswegen wäre das Nonplusultra natürlich eine Heimkino-Ausgabe, die die beiden Filme miteinander vereint. Diese gibt es zumindest vorerst zwar nicht, dafür ist Godards Gangster-Kult vor wenigen Tagen aber erst in 4K erschienen. Wie passend!

Endlich kehrt einer der besten Gangsterfilme aller Zeiten in 4K ins Heimkino zurück – oft kopiert und unfassbar cool!

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