"Er hat es nicht verstanden": Clint Eastwood (96) lehnte eine der kultigsten Comic-Verfilmungen ab – die bis heute einen Oscar-Rekord hält!

Mit seiner eisernen Miene prägte Clint Eastwood das Westerngenre wie kein anderer. Für Comicfilme wollte der Schauspieler sein Gesicht jedoch niemals hergeben – und ließ sich nicht einmal für einen der kultigsten Genre-Beiträge der 1990er begeistern.

PLAION PICTURES

Clint Eastwood kennen wir fast ausschließlich für seine stoisch-grimmigen Rollen, sei es als „Mann ohne Namen“ in der legendären Dollar-Trilogie oder als mies gelaunter Kriegsveteran in seinem Spätwerk „Gran Torino“. Nur ganz selten hat sich die Hollywood-Legende mal von einer seichten oder gar humorvollen Seite gezeigt – und das, obwohl kein Film mit Eastwood vor der Kamera je mehr Kinotickets verkauft hat als die Actionkomödie „Der Mann aus San Fernando“.

Die Abenteuer rund um den illegalen Boxer Philo und seinen Orang-Utan Clyde, die noch im Nachfolger „Mit Vollgas nach San Fernando“ fortgesetzt wurden, blieben für den Schauspieler jedoch die letzten Ausflüge ins Comedy-Genre. So schlug er sogar einen der lustigsten Filme der 1990er aus, der nebenbei zu den ersten großen Filmerfolgen im Comicbereich gehört: die kultige Detektiv-Komödie „Dick Tracy“.

Clint Eastwood verstand nicht, warum man "Dick Tracy" verfilmen sollte

Die Comicreihe „Dick Tracy“ entstand in den 1930er-Jahren und war neben „Superman“ und „Batman“ mitverantwortlich für den großen Boom des Mediums zu dieser Zeit. In den Geschichten bekämpft der titelgebende Polizeiermittler die kriminelle Unterwelt von Chicago, was meist in wilden Schießorgien und rasanten Verfolgungsjagden mündet. Präsentiert wird die Action stets in quietschbunten und tief schattierten Bildern, und genau diesen exzentrischen Stil fing auch der Film grandios ein.

Dick Tracy
Dick Tracy
Starttermin 27. September 1990 | 1 Std. 47 Min.
Von Warren Beatty
Mit Warren Beatty, Al Pacino, Madonna
User-Wertung
3,1

Für die Regie von „Dick Tracy“ waren ursprünglich so große Namen wie Tim Burton, Martin Scorsese oder Steven Spielberg im Gespräch. Besonders involviert in das Projekt war zwischenzeitlich aber „American Werewolf“-Regisseur John Landis, der sich sogar schon nach Schauspielern für die Hauptrolle umsah – und dabei Clint Eastwood als seinen Favoriten auserkor.

Wie Landis dem Filmmaker Magazine verriet, erklärte sich Eastwood dann auch tatsächlich für ein Gespräch mit ihm bereit. Allerdings tat dieser sich schwer damit, aus seinem typischen Rollenmuster auszubrechen: „Ich bereitete gerade ‚Dick Tracy‘ vor und wandte mich an Eastwood, doch er sagte: ‚Ich bin Dirty Harry, ich kann nicht Dick Tracy sein.‘“

Generell schien die Western-Ikone laut Landis eher abgeschreckt von der grell-überspitzten Welt der Comics: „Ich glaube, er hat es nicht verstanden – warum man einen Comicfilm drehen sollte.“

Der Produzent des Films wurde zu Eastwoods Ersatz

Nach Eastwoods Absage trat das Projekt auf der Stelle, und so entschied sich der ursprünglich nur als Produzent vorgesehene Warren Beatty, Regie und Hauptrolle ganz einfach selbst zu übernehmen. Im Nachhinein eindeutig die richtige Entscheidung, denn „Dick Tracy“ avancierte nicht nur zum Kultfilm, sondern gewann zudem satte drei Oscars – bis heute der Rekord im Comicgenre, mit dem seither nur „Black Panther“ gleichziehen konnte.

Ebenso beeindruckend ist nach wie vor die hochkarätige Besetzung des Films, zu der unter anderem Al Pacino, Madonna, Dustin Hoffman und Kathy Bates gehören. Und trotzdem: Den stets finster dreinblickenden Eastwood mitten in die schrille Welt von „Dick Tracy“ zu platzieren, bleibt mindestens ein lustiges Gedankenexperiment!

Übrigens: Neben Comicfilmen sieht Clint Eastwood auch eine ganz bestimmte Entwicklung im heutigen Hollywood kritisch. Dabei nimmt er besonders seinen Kollegen Sylvester Stallone ins Visier:

Clint Eastwood, 96, über kreativen Stillstand: "Ich verstehe Sylvester Stallone nicht. Für mich sieht das so aus, als würde er das nur wegen des Geldes machen"
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.
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