Im September 2025 feierte der neuste Film von „Good Will Hunting“-Regisseur Gus Van Sant seine Weltpremiere: „Dead Man's Wire“, ein auf wahren Begebenheiten basierender Thriller, der sich um eine Geiselnahme dreht, die 1977 Schlagzeilen geschrieben hat. Zusätzlich zum namhaften Regisseur hat der Film eine regelrechte Starbesetzung zu bieten:
Neben Gangsterkino-Legende Al Pacino sind „ES“-Horrorclown Bill Skarsgård, „Euphoria“-Star Colman Domingo, Cary Elwes („Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“) und „Bodies Bodies Bodies“-Mimin Myha’la mit an Bord. Dessen ungeachtet dauerte es bis jetzt, dass dem True-Crime-Thriller der Weg zu einer deutschen Premiere geebnet wurde – und es geht für ihn direkt auf die heimischen Bildschirme: „Dead Man's Wire“ ist ab dem 7. August 2026 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Falls ihr euch mit einem rein digitalen Zugang zur weniger als 15 Millionen Dollar teuren Produktion begnügen könnt: „Dead Man's Wire“ ist außerdem als VOD verfügbar, beispielsweise via Amazon Prime Video*.
Darum geht es in "Dead Man's Wire"
Der 8. Februar 1977: Anthony G. Kiritsis (Bill Skarsgård) brodelt vor Wut auf seine Bank, weshalb er morgens ins Büro der Meridian Mortgage Company in Indianapolis spaziert und Richard Hall (Dacre Montgomery), den Sohn des Firmenpräsidenten, überwältigt. Er befestigt eine abgesägte 12-Gauge-Schrotflinte mit einem speziellen Drahtgestell sowohl am Hals seines Opfers als auch an seinem eigenen Körper.
Diese Konstruktion soll Sniper davon abhalten, ihn ins Visier zu nehmen – denn wenn sie Anthony zu Boden gehen lassen, ist zugleich der Tod der Geisel so gut wie garantiert. Anthony hat klare Forderungen: Er will eine schriftliche Entschuldigung dafür, wie die Bank sein Leben ruiniert hat, fünf Millionen Dollar und vollständige Strafimmunität. Die Bank, die Polizei und die Medien sind in Aufruhr, weshalb sich die Situation weiter zuspitzt...
Geiselnahme mit Galgenhumor
Die Hypothekenbank-Geiselnahme schlug weit über 1977 hinaus mediale Wellen. So stand sie im Mittelpunkt der Dokumentation „Dead Man's Line“ aus dem Jahr 2018, deren Regisseure Alan Berry & Mark Enochs an Gus Van Sants „Dead Man's Wire“ als historische Berater mitgewirkt haben. Falls ihr die fiktionalisierte Nacherzählung der Ereignisse mit der Doku abgleichen möchtet: Berry hat „Dead Man's Line“ in voller Länge auf seinem YouTube-Kanal zur Verfügung gestellt, der sich üblicherweise auf Rock- und Metal-Dokumentationen fokussiert.
Der Van-Sant-Film wurde von Austin Kolodney verfasst, dessen Drehbuch zunächst die Aufmerksamkeit von Regisseur Werner Herzog erweckte, der den Film mit Nicolas Cage in der Hauptrolle adaptieren wollte. Aus welchen Gründen die Kombination aus Herzog, Cage und diesem Stoff doch nicht zustande kam, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, was Van Sant fesselte: Kiritsis' Persönlichkeit als schnell redender, fies scherzender Choleriker, wie er in Kolodneys Drehbuch und in den realen Notruf-Aufzeichnungen durchschimmert.
Dieser Witz ist auch im Film zu spüren, weshalb ihn FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen sogar als „Wohlfühl-Krimi-Komödie“ bezeichnet, auch wenn diese Tonalität aufgrund des zentralen Themas gewagt ist: „Das kann man schon lustig, clever oder sogar cool finden, aber so ganz verschwinden die Bauchschmerzen trotzdem nicht“, fasst Petersen die Wider-den-Banken-Selbstjustiz-Narrative zusammen.
Wohlfühlhumor, der (bei Kinostart) ebenfalls gewagt war, aber letztlich keine Bauchschmerzen hinterlässt, sondern gute Laune pur, findet sich übrigens auch in unserem folgenden Heimkinotipp:
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