Mit insgesamt vier Hauptpreisen sowie zwei Goldenen Palmen (für „Liebe“ und „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“) zählt Michael Haneke zu den erfolgreichsten Filmschaffenden, deren Werke bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurden. Seit dem letzten Film der deutsch-österreichischen Regielegende, „Happy End“, sind mittlerweile jedoch fast zehn Jahre vergangen. Eine durchaus berechtigte Frage an dieser Stelle: Wird der mittlerweile 84-Jährige noch einmal einen Film inszenieren?
Nun, diese Frage wurde nun mit einem klaren „Nein“ beantwortet – wenn auch nicht von Haneke selbst, sondern von einem einstigen Schützling des „Caché“-Machers: Markus Schleinzer.
Der gebürtige Wiener ist vor allem bekannt als Schauspieler und Castingdirektor, nimmt in seltenen Fällen aber auch auf dem Regiestuhl Platz – zuletzt etwa für das auf historischen Fakten basierende Schwarz-Weiß-Drama „Rose“ mit der wie immer famosen Sandra Hüller. Nicht nur wir können für den Film eine uneingeschränkte Empfehlung abgeben (4,5 von 5 Sternen in der FILMSTARTS-Kritik), auch Haneke zeigte sich äußerst angetan von dem neuesten Werk seines ehemaligen Protegés: „Das ist ein Meisterwerk“, ließ er Schleinzer bezüglich dessen jüngster Arbeit wissen, erinnert sich dieser nun im Gespräch mit IndieWire.
Sichtlich stolz über ein solches Lob, das sich der radikale Autorenfilmer in dieser Form nur selten entlocken lasse, verriet Schleinzer im selben Atemzug allerdings, dass Michael Hanekes finaler Film längst erschienen ist.
"Er hat seine zehn Filme gemacht"
„Er ist im Ruhestand“, so Schleinzer auf die Frage, wie es denn um Haneke stehe. „Er ist mittlerweile 85 Jahre alt und hat sich zur Ruhe gesetzt, aber er ist immer noch glücklich.“
„Er hat seine zehn Filme gemacht, genau wie sein großes Idol Robert Bresson. Er hat getan, was er konnte“, so Schleinzer gegenüber Indie Wire. Ähnlich wie Quentin Tarantino, der seit jeher betont, nach zehn Filmen Schluss machen zu wollen, scheint Haneke damit sein Ziel also bereits erreicht zu haben.
Michael Haneke: Fernab der klassischen Kino-Unterhaltung
Haneke ging es nie darum, sich den Traditionen des klassischen Erzählkinos zu ergeben. Filmmusik, die in der Regel dazu dient, das Publikum wissen zu lassen, wie es sich gerade fühlen soll, gab es bei ihm so gut wie nie. Außerdem weigerte sich Haneke stets, seinem Publikum bequeme Erklärungen oder moralische Belehrungen um die Ohren zu hauen, wie man es aus dem Mainstream-Kino kennt.
Mit chirurgischer Präzision und brutaler Konsequenz sezierte er in seinen Filmen stattdessen immer wieder die Risse in der bürgerlichen Fassade, adressierte etwa die in der modernen Zeit immer weiter fortschreitende Entfremdung von Menschen und ihrer Umwelt („Der siebente Kontinent“, „Die Klavierspielerin“) und äußerte immer wieder durchlagskräftige Kritik an Gewalt und den Medien – auf die Spitze getrieben in dem verstörend-rohen „Funny Games“, der bis heute zu den verstörendsten Filmen aller Zeiten zählt. Gerade weil Haneke Gräueltaten nicht explizit zeigt und damit auch ein Stück weit glorifiziert, sondern bei seinem Publikum das Kopfkino aktiviert – und ihm dabei einen Spiegel vorhält, der ein geradezu beängstigendes Bild zurückwirft. Kaum ein anderer Filmemacher steht für derart markerschütternde Gesellschaftskritik, die auch noch in vielen Jahre nachhallen wird.
Eine Haneke-Komplettbox auf DVD oder Blu-ray gibt es bislang leider nicht, vielleicht ändert sich das in Anbetracht des Karriereendes aber ja in absehbarer Zukunft. Immerhin die Trilogie der emotionalen Vergletscherung* fand vor ein paar Jahren aber geschlossen den Weg in den Handel – wobei der Verfasser dieses Artikels vor allem für „Benny's Video“ eine Empfehlung abgeben kann:
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