KI-Nutzung in der Filmproduktion bleibt ein heißes Eisen – denken wir an die letzten Fälle zurück: 2024 mussten die Regisseure des umschwärmten Indie-Horrorfilms „Late Night With The Devil“ nach einigen Mutmaßungen öffentlich einräumen, dass mehrere als Zwischeneinblendungen verwendete Grafiken unter Nutzung von KI entstanden sind. Auch das mehrfach Oscar-prämierte Drama „Der Brutalist“ (2024) hat in der Postproduktion ein KI-Tool zur Ausbesserung sprachlicher Fehler in den ungarischen Dialogszenen eingesetzt.
In beiden Fällen ließen die Shitstorms empörter Kino-Fans nicht lang auf sich warten – zumal der KI-Einsatz in beiden Fällen erst einige Zeit nach dem Kinostart eingeräumt wurde. Außerordentlich negativ fielen die Reaktionen kürzlich aus, als Eli Roth zunächst behauptete, Animationssequenzen in seinem Horror-Schocker „Ice Cream Man“ (2026) selbst kreiert zu haben, und später nach ersten Screenings und entsprechenden Verdächtigungen kleinlaut zugab, auf Künstliche Intelligenz zurückgegriffen zu haben.
Der neueste Fall sorgt erwartbar wieder für entrüstete Reaktion: Der gefeierte britische Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“, „28 Days Later“) wurde vom Magazin Vanity Fair zu seinem Film „Ink“ interviewt, der gerade bei den Filmfestspielen in Venedig begeisterte Kritiken erntet. Dabei gab Boyle unumwunden zu, an einigen Stellen seines Mediendramas KI eingesetzt zu haben.
KI für lebendige alte Fotos – und für den Tierschutz?
„In unserem Film gibt es eine etwa 30 Sekunden lange Szene, in der wir ein paar alte Fotos animieren“, erklärte Boyle munter im Gespräch mit Vanity Fair. Dies allein dürfte entschiedene KI-Gegner schockieren, zumal Boyle Tage zuvor in Venedig vor der großen Bedrohung des Journalismus durch Tech-Giganten und ihre KI-Tools gewarnt hatte, wie ScreenDaily berichtete.
Außerdem gab es noch ein weiteres Einsatzgebiet von Künstlicher Intelligenz in „Ink“: „Es kommen ein paar Mäuse vor. [...] KI eignet sich sehr gut dafür, Tiere zu erschaffen, und wir hatten ein paar Mäuse, die in der Redaktion von The Sun herumliefen.“ Den Rückgriff auf die umstrittenen Tools rechtfertigte Boyle hier vor allem damit, dass er einst Probleme mit der Tierrechtsorganisation PETA bekommen hatte, als er für die Eröffnungssequenz von „28 Days Later“ mit echten Schimpansen gedreht hatte. Das kurze Video-Interview mit Danny Boyle hat Vanity Fair auf X gepostet:
Reaktionen zwischen Enttäuschung und Empörung
Die Reaktionen unter dem X-Post ließen nicht lange auf sich warten: Während einige wenige Danny Boyle zugestanden, wenigstens einigermaßen transparent zu sein und die 30 Sekunden nicht allzu krumm nahmen, machte die Mehrzahl der User*innen ihrer Wut und Enttäuschung über den KI-Einsatz Luft. Daran ändert auch Boyles Versuch einer differenzierten Einschätzung zu KI nichts: „Meine Meinung dazu ist, dass es in vielerlei Hinsicht ein sehr nützliches Werkzeug ist, vorausgesetzt, man geht respektvoll damit um und bezahlt die Schauspieler, wenn man sie durch eine Art KI-Verkörperung ersetzen will.“
Ob der KI-Einsatz sich nachträglich auf den Erfolg von „Ink“ auswirken könnte, wird sich zeigen. In Venedig sorgte das biografische Drama über die Gründung des britischen Boulevardblattes The Sun für viel Beifall. Nach den ersten Kritiken verzeichnet „Ink“ bei der Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes einen starken Wert von 83 Prozent positiven Besprechungen. Auch FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen zeigte sich in seiner Kritik zu „Ink“ sehr angetan und vergab 4 von 5 Sternen an diese „klassische Underdog-Story auf Steroiden“.
Wie es derweil mit Boyles Zombie-Filmreihe „28 Years Later“ weitergeht, ist aktuell leider sehr unsicher – hier erfahrt ihr mehr dazu:
Schlechte Nachrichten für eine der besten Zombie-Reihen aller Zeiten: Kommt das Finale der Horror-Trilogie doch nicht mehr?