Diese gelben, oft in Latzhose gekleideten Knilche üben eine immense Faszination auf das Kinopublikum aus: Die Minions lockten mit ihren Solofilmen bislang über 13 Millionen Menschen in die deutschen Lichtspielhäuser! Und wenn man bedenkt, dass der turbulente Irrsinn und wilde Slapstick um die brabbelnden Wesen auch in den „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen eine bedeutende Rolle spielt, kann man guten Gewissens die Ticketverkäufe dieser Trickfilm-Reihe draufpacken.
In dem Fall haben die Minions hierzulande für sensationelle 28 Millionen verkaufte Eintrittskarten gesorgt! Und in den Augen des Verfassers dieses Heimkino-Tipps haben die Minions diesen Sommer noch dazu ihre qualitative Spitze erreicht: Für mich ist „Minions & Monster“ der beste Film der Reihe. Denn ihm gelingt die Balance aus episodenhaftem, temporeichem Wahnwitz und einer familienfreundlichen, stolz-albernen Comedy-Handlung so mühelos wie nie zuvor.
Zugegeben: Die aus fast jedem Pixel dieses computeranimierten Trubels triefende Filmliebe hat ebenfalls großen Anteil daran, dass mir der Trickblockbuster so sehr zusagt. Jetzt lässt der Filmhit seine Passion fürs Bewegtbild und seine Begeisterung für Unfug auch im Heimkino zur Geltung kommen. Denn diese Woche ist „Minions & Monster“ auf DVD und Blu-ray erschienen!
Die Scheiben kommen mit mehreren Extras daher, wer aber auf Bonusmaterial sowie auf Haptik verzichten kann, findet den Animationsfilm auf diversen Plattformen als VOD – beispielsweise bei Amazon Prime Video*.
Darum geht es in "Minions & Monster"
Auf der Suche nach einem bösen Meister stolpert eine Gruppe von Minions in einen Filmdreh. So werden sie unter dem Regisseur Max (Christoph Waltz) zu Superstars. Einer der Minions, James, will ebenfalls Regisseur werden, und ersinnt mit seinen besten Freunden Henry und Ed eines Tages einen Horrorfilm.
Mit Hilfe eines Zauberbuches will er dafür echte Monster heraufbeschwören. Das grüne Tentakelvieh Goomie (Stimme im Original: Trey Parker / Stimme in der deutschen Fassung: Bill Kaulitz) zeigt sich auch prompt hilfsbereit – vielleicht sogar zu sehr...
Währenddessen machen weitere Minions Bekanntschaft mit dem verschüchterten, große Töne klopfenden Dort (Jesse Eisenberg / Tom Kaulitz) und der Suffragette Debbie (Zoey Deutch / Alice Bauer). Dort behauptet, sich die Welt Untertan machen zu wollen – aber bringt er das wirklich übers Herz oder gibt es ein Ziel, das ihm wichtiger ist..?
Wie lockt man einen Regisseur zurück? Mit Filmliebe!
Dass „Minions & Monster“ sich behutsam, aber spürbar vom Rest der Reihe abhebt, lässt sich auf die Ursprünge dieser cinephilen Animationskomödie zurückführen: Minions-Schöpfer Pierre Coffin inszenierte zuvor die ersten drei „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme sowie den ersten „Minions“-Ableger und wollte sich daraufhin in seiner Regietätigkeit anderen Dingen widmen.
Doch Produzent Chris Meledandri, dem Coffins Liebe fürs Kino bekannt war, pitchte ihm gezielt einen Film, der davon handelt, dass die Minions einen Monsterfilm drehen wollen und dabei versehentlich eine massive Katastrophe auslösen. Wie er Animation Magazine verriet, weckte dies Coffins Interesse – und nachdem er Meledandri davon überzeugte, den Film in der Stummfilmzeit und der frühen Tonfilmära anzusiedeln, war der Regisseur Feuer und Flamme.
Das erklärt die Verneigungen vor den Werken von Eadweard Muybridge, den Lumière-Brüdern und Georges Méliès, Tribute an Stummfilm-Größen wie Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd sowie liebevolle Persiflagen auf Filme wie „Nosferatu“, „Panzerkreuzer Potemkin“, „Metropolis“, „Flügel aus Stahl“, „Casablanca“, „Frau ohne Gewissen“, „Boulevard der Dämmerung“ und viele mehr. Im weiteren Entwicklungsprozess kam noch eine große Dosis an Querverweisen auf das Sci-Fi-Kino der 1950er wie „Alarm im Weltall“, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ und „Metaluna IV antwortet nicht“ hinzu.
Geballter Spaß und ein neuer Minions-Klang
Coffin und sein Ko-Autor Brian Lynch lassen „Minions & Monster“ aber nicht zur zusammenhanglosen Referenzen-Parade verkommen, sondern nutzen ihre Inspirationsquellen als Sprungbretter für rasanten, abwechslungsreichen Slapstick sowie für herrlich-alberne Situationskomik rund um die Titelfiguren. Zudem schufen sie mit Dort eine der interessantesten Figuren dieser Erfolgsfilmreihe:
Seine pompösen Behauptungen immer wieder durch jämmerliches Auftreten konterkarierend, erzeugt Dort humorvolle Anspannung. Behauptet er doch, ein Alien-Roboter zu sein, wirkt aber viel mehr wie ein trauriger, weltfremder Nerd, der sein Kostüm nie auszieht. Aus der Frage, was denn nun stimmt, ziehen Coffin und Lynch mittels eines Zick-Zack-Laufs der Erwartungen überaus amüsante Anspannung.
Dass Coffin dem im Hause Illumination Entertainment oft allgegenwärtigen Drang nach Chartstürmer-Pop widersteht, um stattdessen „Drachenzähmen leicht gemacht“-Komponist John Powell Narrenfreiheit zu geben, spielt dem Film weiter in die Karten: Powells Score ist eine keinerlei Zurückhaltung kennende, behämmert-intensive Verneigung vor Carl Stalling, Max Steiner, Bernard Herrmann und Franz Waxman, ein akustisches Dauerhoch an Emotion, übertriebenen Arrangements und Klangchaos.
Es ist, als hätten die Minions selbst versucht, ein Album mit Musik aus Hollywoods Goldenem Zeitalter einzuspielen, aber die Noten auf halber Strecke verlernt: Humorvoll dick aufgetragen bringt es die Storywelten des Films stimmig zusammen. Daran wird sich das nächste Minions-Chaos messen lassen müssen!
Und während wir auf den nächsten Film der gelben Unruhestifter warten, könnt ihr euch ja den folgenden, familienfreundlichen Klassiker der 1990er völlig neu in 4K anschauen:
Jedes Kind der 90er ist mit diesem wunderschönen Film aufgewachsen – jetzt erscheint der Klassiker mit Robin Williams erstmals in 4K*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.