Er verfasste einst gemeinsam mit Thomas Vinterberg das „Dogma 95“-Manifest, um den rohen Realismus in das europäische Kino zurückzubringen, brach im Laufe der Zeit immer wieder mit den traditionellen Sehgewohnheiten seines Publikums und verlangte seinen Ensembles regelmäßig ab, an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen: Ja, Lars von Trier ist ohne Wenn und Aber einer der außergewöhnlichsten Filmemacher der vergangenen 40 Jahre …
… und wurde als solcher zwar bis heute nie mit einem Oscar, dafür aber mit allerhand anderen Preisen bedacht – unter anderem etwa mit zwei Goldene Palmen und vier weiteren Auszeichnungen bei den renommierten Filmfestspielen von Cannes. Acht Jahre nach seinem letzten Film („The House That Jack Built“) wurde es um den seit jeher kontrovers diskutierten Regisseur allerdings ungewöhnlich still. Und das hat einen Grund.
Denn sich voll und ganz der Erzählung seiner Geschichten hinzugeben, die sich unnachgiebig mit Themen wie Schuld, Sexualität, Gewalt und dem Zusammenbruch moralischer Systeme auseinandersetzen, kostete den Dänen stets viel Kraft. Im fortgeschrittenen Alter mehr denn je. Litt von Trier schon lange unter Ängsten, Phobien und Depressionen, machte er im Jahr 2022 schließlich auch noch seine Parkinson-Erkrankung öffentlich.
"Es fällt mir schwer, mich zu begeistern"
Nun nahm der mittlerweile 70-Jährige gemeinsam mit seiner Filmemacher-Tochter Agnes Trier vor der Kamera Platz, um unter anderem auch über seinen aktuellen Gesundheitszustand zu sprechen (via X). Und die Aufnahmen lassen nicht gerade darauf schließen, dass Lars von Trier in seinen als nächstes geplanten Film, „After“, in zeitnah realisieren wird:
„Es fällt mir schwer, mich für irgendwas zu begeistern“, so von Trier. Er fühle sich schrecklich, sei von Angstzuständen zerfressen. Auf die Frage nach dem, was er der Nachwelt irgendwann einmal hinterlassen wird, fällt es ihm schwer, seinem Schaffen Bedeutung zuzuschreiben. „Natürlich möchte ich, dass sie Teil meines Vermächtnisses sind“, lässt der Regisseur auf einige seiner Werke zumindest ein wenig Stolz durchscheinen. Doch „angesichts all des Leids {...} bedeutet das alles gar nichts“, räumt er letztlich ein und unterstreicht damit einmal mehr, was in der Hektik des Alltags oft ausgeblendet, vernachlässigt oder ganz vergessen wird: Gesundheit ist des Menschen höchstes Gut.
Wird er „After“ tatsächlich noch verwirklichen können? Es bleibt zu hoffen. Die bittere Ironie an der Sache: Inhaltlich soll es darin um das Leben, den Tod und vor allem das Leben nach dem Tod gehen…
Lars von Trier: Ein Meister der Provokation
Egal ob mit seinen Frühwerken oder seinen späteren, ungleich größeren Arbeiten, ob im Kino oder im Fernsehen: Lars von Triers Werke sind allesamt radikal bis experimentell inszeniert, ebenso reduziert wie kompromisslos erzählt und stecken voller provokanter Zwischentöne (die auch gerne mal ins Rampenlicht rücken). „Dancer In The Dark“, „Dogville“, „Antichrist“ und Co. sind dabei nicht einfach nur Unterhaltungsfilme, sondern wahrhaftig fühlbares Kino, in dem menschliche Abgründe aufgetan werden, an die sich nur wenige Filmschaffende wagen.
Wer eine gute Zeit haben will, ist bei von Trier an der falschen Adresse. Doch wer über Kunst und Moral philosophieren oder sich an die großen Fragen des Lebens heranführen lassen will, an die man sich selbst nicht traut, bekommt mit seinen Filmen unendlich viele Denkanstöße, die mal inspirieren können, aber auch gerne mal Zweifel an der eigenen Existenz wecken. Denn ja, Lars von Trier geht dorthin, wo es richtig wehtut.
Wer sich mit dem Œuvre des Enfant terribles etwas näher beschäftigen will, kann sich unter anderem mit der Lars von Trier Collection auf DVD* ein ziemlich umfangreiches Bild machen. Mit „Geister“ bekommt ihr mittlerweile auch seine einzigartige Krankenhaus-Serie als Komplettbox auf DVD und Blu-ray*. Kein Geringerer als Stephen King fand das Format übrigens dermaßen genial, dass er es mit „Kingdom Hospital“ neu auflegte.
Ein ebenfalls durch Mark und Bein gehender Kult-Schocker feiert demnächst übrigens sein großes Comeback. Alle Infos sowie die exklusive Trailerpremiere zum Release findet ihr hier:
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