Mein Konto
    Nach "Fantastic Four"-Desaster: Josh Trank bewertet seinen eigenen Film auf Letterboxd
    Von Dennis Meischen — 25.11.2019 um 19:10

    Das „Fantastic Four“-Reboot von Josh Trank gilt als einer der schlechtesten Superhelden-Filme überhaupt. Vier Jahre nach Kinostart hat Trank nun auf Letterboxd seine sarkastische Bewertung abgegeben. Die alten Wunden sind wohl noch nicht verheilt...

    20th Century Fox

    Die Fantastic Four Mr. Fantastic, Invisible Woman, Human Torch und Thing gehören eigentlich zu den beliebtesten Figuren des Marvel-Universums. Das konnte das „Fantastic Four“-Reboot von Regisseur Josh Trank („Chronicle“) 2015 jedoch nicht davor retten, mit Verlusten zwischen 80 und 100 Millionen US-Dollar an den Kinokassen gnadenlos zu scheitern. Auch der Score von 9% positiven Rezensionen auf der Kritikensammelseite Rotten Tomatoes spricht Bände.

    Vier Jahre nach dem „Fantastic Four“-Desaster hat Regisseur Trank seinen eigenen Film nun beim Online-Dienst Letterboxd bewertet, wo man als Nutzer Sternewertungen zu Filmen abgeben und auch zugehörige Kritiken verfassen kann. Tranks sarkastisches Review spricht nun noch immer deutlich von der Verbitterung des jungen Filmemachers, lässt aber an einigen Stellen auch versöhnlichere Töne erkennen.

    Josh Trank torpediert "Fantastic Four"

    Hintergrund des Ganzen ist der kreative Streit hinter den Kulissen des Superhelden-Films zwischen Trank und den Fox-Verantwortlichen rund um Produzent Simon Kinberg („Dark Phoenix“), der schlussendlich wohl maßgeblich zu der mangelnden Qualität des Films beitrug. Dementsprechend uncharmant beginnt Trank auf der Filmbewertungsseite Letterboxd:

    „Fant4stic Four... oh je. Okay zuerst einmal, ich dachte es wäre einfach großartig, wenn ich FF2015 gesucht hätte und es den Mist hier gar nicht geben würde. Unterschwellig habe ich gehofft, es gäbe ihn nicht. Aber es gibt ihn! Und jetzt bin ich hier. Wie auch immer! Wo fange ich an... Der Film ist in Ordnung! Ich hatte erwartet, dass er viel schlechter sein würde. Ich habe ihn wirklich seit etwa zwei Wochen vor Kinostart nicht mehr gesehen und damals war ich noch ziemlich traumatisiert. Warum? Heben wir uns das für wann anders auf“.

    Einen Tag vor dem Start von „Fantastic Four“ hatte Trank sich zuletzt über Twitter zu Wort gemeldet und die starken Änderungen an seinem Drehbuch und das neue, von ihm nicht gewünschte Ende kritisiert. Obwohl er den Tweet bald entfernte, verbreitete sich sein Unmut rasch in den sozialen Netzwerken.

    Fox hatte die Änderungen zuvor mit Tranks „unberechenbarem“ Auftreten am Set und kreativen Differenzen gerechtfertigt. Man habe kein „Chronicle 2“, sondern einen eigenständigen Film gewollt.

    Ein guter Cast für "Fantastic Four"

    Im weiteren Verlauf kommt Trank dabei auch auf positive Aspekte von „Fantastic Four“ zu sprechen und übt sogar so etwas wie Selbstkritik:

    „Nun zum Review. Großartiger Cast. Jeder in diesem Film ist ein großartiger Schauspieler und irgendwo in diesem Film steckt auch wirklich ein Film. Und der Cast verdient es einfach in diesem Film [Anmerkung d. Redaktion: gemeint ist Tranks Version] zu sein. Jeder, der bei Fant4stic Four mitgearbeitet hat, wollte bei diesem Film mitspielen. Aber es sollte nicht sein. Habe ich selbst diesen Film gemacht, den sie verdient hätten? Um ehrlich zu sein, ich kann es nicht sagen. Was ich euch sagen kann ist, dass in diesem Film zwei verschiedene Filme stecken, die darum kämpfen, dieser gute Film zu sein.

    2015 Constantin Film Verleih GmbH
    Bekannte Gesichter in "Fantastic Four"

    Im Klartext: Die halbherzigen Änderungen von Kinberg und Co. und das merkwürdig losgelöst wirkende Finale haben Tranks gute Version der „Fantastic Four“ zerstört. Zurückgeblieben ist ein in sich unstimmiger Zwitter aus beiden Fassungen.

    Der Cast ist mit Miles Teller („Whiplash“), Kate Mara („House Of Cards“), Michael B. Jordan („Black Panther“), Jamie Bell („Billy Elliot“) und Toby Kebbell („Kong: Skull Island“) ja auch wirklich hochkarätig. Zumindest Kebell hat Tranks Version des Films öffentlich unterstützt und diese als die bessere erklärt.

    Wer fordert den Trank-Cut?

    Danach geht Trank in ironischer Weise auf kürzlich laut gewordene Forderungen ein, den so genannten Snyder-Cut von „Justice League“ zu veröffentlichen und vergleicht diese Diskussion mit seiner eigenen Problematik:

    Gibt es so etwas wie #releasethetrankcut? Es ist nicht wichtig. Ich bin nicht Zack Snyder. Zack Snyder ist ein großer, ikonischer, legendärer Filmemacher, der Volltreffer landet, seit ich auf der High-School war. Und ich? Ich war 29 Jahre alt und habe meinen zweiten Film gemacht, in einer Situation, in die niemand hineingeraten sollte, der erst seinen zweiten Film macht. Davon mal ganz abgesehen... ich bereue nichts davon. Es ist nun ein Teil von mir“.

    Bei aller gerechtfertigter Kritik und sarkastischer Lesart hören sich doch einige Teile dieser Ausführungen etwas zu stark nach Selbstmitleid an. Immerhin hat Trank mit gerade einmal 27 Jahren mit „Chronicle“ als jüngster Regisseur aller Zeiten direkt zum Start einen Nummer-1-Kinohit in den USA gelandet.

    Die Zukunft der "Fantastic Four"

    Trank endet seine Bewertung mit einem süffisanten Ausblick auf das Franchise:

    „Ich hoffe nur, dass Peyton Reed den nächsten Fantastic Four macht und richtig abliefert. Und dass ich einen Cameo bekomme. Wie auch immer, das war’s. Fant4stisch. PS: Meine Freundin sagt, ich hätte mehr vom Film und weniger mich selbst bewerten sollen. Meine Antwort: Was soll’s" [Anmerkung d. Redaktion: in Form eines Emojis].

    Nach der negativen Reaktion auf „Fantastic Four“ wurde ein für 2017 geplantes Sequel abgesagt. Durch die kürzlich erfolgte Übernahme von Fox durch Disney wird jedoch gerade an einem weiteren Reboot der vier Helden innerhalb des erfolgreichen MCU gearbeitet. Welche Darsteller hierzu verpflichtet werden, ist dabei noch nicht bekannt.

    Peyton Reed hingegen hat erstmal wohl keine Zeit. Für 2022 arbeitet der Regisseur gerade an „Ant-Man 3“.

    Josh Tranks nächster Film ist derweil das Al-Capone-Drama „Fonzo“ mit Tom Hardy in der Hauptrolle. Hoffentlich gibt es nach diesem Biopic für ihn keinen Grund für eine weitere bittere Bewertung auf Letterboxd.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Fantastic Four"
    facebook Tweet
    Ähnliche Nachrichten
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top