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World Invasion: Battle Los Angeles
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
World Invasion: Battle Los Angeles
Von Carsten Baumgardt
Eine Maya-Prophezeiung kündigt für das Jahr 2012 nicht weniger als den Weltuntergang an. Und Hollywood setzt bekanntlich auf sichere Sachen. Ob diese Prognose tatsächlich eintrifft, kann ein Jahr zuvor noch niemand exakt bestätigen. Trotzdem feiert die Traumfabrik die Alien-Invasionen samt Untergangsszenario vorsichtshalber vor dem Stichtag ab, um wenigstens noch die Einnahmen mitzunehmen – wer weiß, was 2012 wirklich passiert. Nur der cineastische Ertrag fällt bisher dürftig aus. Roland Emmerich scheiterte mit seinem aufgeblasen-hohlen Themenfilm „2012" und der Untergangs-Reißer „Skyline" der Gebrüder Colin Strause geriet zum Totalreinfall - deswegen ruhten nun alle Hoffnungen auf Jonathan Liebesmans „World Invasion: Battle Los Angeles" – befeuert von einem herausragenden Trailer, der uns sogar dazu animierte, den Alien-Invasion-Actioner auf Platz drei unserer meisterwarteten Filme für 2011 zu setzen. Umso ernüchternder fällt das Ergebnis aus. „World Invasion: Battle Los Angeles" ist ein von Wackelaufnahmen dominierter Actionbrei in sandgestrahlten Bildern, dem eine kaum vorhandene Charakterzeichnung endgültig den Garaus macht.

Die Erde steht unter vermeintlichem Meteoriten-Beschuss, New York ist bereits schwer getroffen und an der Küste von Los Angeles fallen zwölf außerirdische Objekte ins Meer. Eine Alien-Macht zieht marodierend über die Großstädte der Welt her, um mit ihren militärisch hochgerüsteten Raumschiffen alles niederzumachen, was ihnen in die Quere kommt. Der hartgesottene, kurz vor seiner Entlassung aus dem Dienst stehende Marine-Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart) und seine Truppe (u.a. Michelle Rodriguez, Cory Hardrict, Will Rothhaar, Jim Parrack, Lucas Till, Taylor Handley, James Hiroyuki Liao, Gino Anthony Pesi und R&B-Sänger Ne-Yo) bilden in Los Angeles die letzte Verteidigungslinie der Menschheit im Kampf gegen die übermächtig erscheinenden Aliens. Eigentlich soll die Einheit von Second Lieutenant Martinez (Ramon Rodríguez) geführt werden, aber der Jungspund ist noch zu grün hinter den Ohren für handfeste Alien-Invasionen. Die gesichtslosen Hybriden feuern mit ihren automatischen Waffen aus allen Rohren. Nantz und sein Platoon werden beauftragt, eine Gruppe von Zivilisten (u.a. Bridget Moynahan und Michael Peña) aus einer Polizeistation in Santa Monica zu retten, bevor das Gebiet vom US-Militär mit einem Bombenteppich überzogen wird, um die außerirdischen Angreifer doch noch zu stoppen...



Das Oeuvre von Horrorfilm-Regisseur Jonathan Liebesman umfasst bis jetzt wenig schmeichelhafte Werke wie „Der Fluch von Darkness Falls" oder „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning". Und auch sein Psycho-Thriller „Experiment Killing Room" ist nicht mehr als Direct-to-DVD-Mittelmaß. Insofern verwundert die Besetzung des Regiepostens für den 70 Millionen Dollar teuren Alien-Actioner „World Invasion: Battle Los Angeles" durchaus. Warum ein derart rudimentäres Drehbuch wie das von Christopher Bertolini („Wehrlos - Die Tochter des Generals") durchgewinkt wurde, erstaunt allerdings noch mehr. Denn hier liegt des Übels Wurzel. Niemand erwartet bei einem knackig inszenierten Erde-in-Schutt-und-Asche-lege-Film eine filigrane Charakterzeichnung, aber ein Mindestmaß von Figurenformung ist dennoch unabdingbar, weil sich sonst schlicht kein Zuschauer um das Fortkommen der Protagonisten schert.

Das Wenige, das „World Invasion: Battle Los Angeles" auf diesem Feld anbietet, sind billigste Klischees in Reinform. Wie zum Beispiel der von Aaron Eckhart („The Dark Knight", „Thank You for Smoking") stoisch gegebene Staff-Sergeant Nantz, der durch ein düsteres Kapitel in seiner Afghanistan-Vergangenheit stigmatisiert ist, weshalb keiner mit oder unter ihm arbeiten will. Aber wenn die Welt untergeht, darf selbst er nochmal ran, um sich neue Sporen zu verdienen. Neben Eckhart verschafft sich höchstens noch Michelle Rodriguez („Lost", „Resident Evil") als Nantz‘ toughe Verbündende einen Hauch von Erinnerungswert, der Rest geht im Sperrfeuer des Gefechts unter. Roland Emmerichs „Independence Day" mag auch schlicht und patriotisch konstruiert sein, aber die spaßig-ironische Handlung hat einen emotionalen Kern, der den Betrachter mitfiebern lässt. Diese Emotionalität geht „World Invasion: Battle Los Angeles" jedoch völlig ab, von bitterbösen satirischen Spitzen eines „Starship Troopers" mal ganz zu schweigen.

Die allenfalls fragmentarischen Dialoge helfen auch nicht weiter. Gebellte Kommandos („Move it!", Watch it!", „Fire!") wechseln sich mit patriotischen Plattheiten („Your father was a brave man. It‘s okay to cry, but marines don't quit.") ab. Es wird ausgiebig in militärischem Jargon herumgeschrien. Bei den Alien-Gegnern verzichtet Drehbuchautor Bertolini komplett auf eine Charakterisierung – die nach den Ressourcen der Erde gierenden Invasoren bleiben konturlose Masse. Liebesman schert sich einfach nicht um seine Figuren. Etwas Abhilfe schafft zumindest der spannungsfördernde Subplot um die Befreiung der Zivilisten.

Dass „World Invasion: Battle Los Angeles" letztlich doch einen Tick besser ist als „Skyline" liegt an den Actionszenen, die einem klaren Konzept untergeordnet sind. In Gamer-Optik aus Sicht der Kämpfer gefilmt, setzt Regisseur Liebesman auf exzessive Wackelkamera-Aufnahmen, die zwar oft die Übersicht rauben, aber in den besten Momenten eine fesselnde Dynamik und destruktive Kraft entfalten. Informationen über die Außenwelt werden über TV-Übertragungen transportiert - der Zuschauer bekommt nur zu sehen, was die Truppe erlebt. Diese Verengung der Perspektive hat durchaus seinen Reiz. Dazu sind die Spezialeffekte deutlich ansprechender als bei den Strause-Brüdern, die allerdings auch mit einem weit schmaleren Budget haushalten mussten. Mit seiner Videospiel-Attitüde und seinen blass-chromfarbenen Bildern wirkt „World Invasion: Battle Los Angeles" nicht selten wie eine Verfilmung des Game-Blockbusters „Call Of Duty".

Fazit: Der Sci-Fi-Actioner „World Invasion: Battle Los Angeles" enttäuscht als Mischung aus „Black Hawk Down" und „Krieg der Welten" trotz einiger gelungener Gefechtsszenen und solider Effekte, weil Regisseur Jonathan Liebesman sich nicht um seine Charaktere kümmert und sein B-Film-Inferno so zu einer inhaltlich dünnen Action-Soße verkommt. Natürlich geht das alles noch viel schlechter, wie die Abklatsch-Schmiede The Asylum mit dem Direct-to-DVD-Klon „Battle of Los Angeles" gezeigt hat, aber ein Trost ist das sicherlich nicht, wenn eine so vielversprechende Destruktions-Orgie wie „World Invasion: Battle Los Angeles" trotz großen Getöses einfach verpufft.
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Kommentare

  • J?rg-Michael M.
    So wie ich das hier feststelle, hat der Schreiber dieser Kritik den Film wahrscheinlich nicht intensiv von Anfang bis zum Ende geschaut. Denn dann wäre ihm aufgefallen, das drei der aufgezählten Schauspieler nicht vom Anfang an im Platoon mitwirken. Und wieso jetzt die Gleichstellung der Figuren (jeder ist ersetzbar, bei Independence Day noch hochgejubelt) bemängelt wird, ist mir unerklärlich. Ein Kampfeinsatz ist kein Betriebsausflug, hier gibt es keinen Tom Cruise, der mit Kindern unterm Arm die Welt rettet. Hier werden endlich mal die gezeigt, die bei solchen Einsätzen den Kopf hinhalten. Und der Film ist echt geil. Wer da keinen Spass beim schauen hat, ist selbst schuld!
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